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Der Auschwitz Mythos – Legende oder Wirklichkeit – Dr. Wilhelm Stäglich (Teil 14)

24 Ott

Der Auschwitz Mythos

 


Dr. Wilhelm Stäglich

 

 

Viertes Kapital: Der Auschwitz-Prozeß

I. GERICHTSVERFAHREN ALS GESCHICHTSQUELLE?–

 

ANSPRUCH UND WIRKLICHKEIT

 

Teil 14

[350]

4. Das Urteil

Das Urteil im Auschwitz-Prozeß entsprach dem, was man erwarten muß, wenn ein gerichtliches Strafverfahren nicht nach den Regeln eines normalen Strafprozesses, sondern als Schauprozeß durchgeführt wird. Hier wurde nicht Gerechtigkeit geübt, sondern nur die Bilanz eines durch den Prozeß vermittelten Zerrbildes gezogen. Weniger die Schuldsprüche und die erkannten Strafen als vielmehr die Urteilsgründe erscheinen als das wesentliche Ergebnis dieses Verfahrens. Die Angeklagten waren eben nichts weiter als Statisten für ein Horrorbild, das mit diesem Prozeß der deutschen Öffentlichkeit und darüber hinaus der Welt als unumstößliche geschichtliche Tatsache eingeprägt werden sollte Damit wurde zugleich das Urteil über das deutsche Volk gesprochen, das — wie es immer wieder heißt — “Auschwitz zugelassen” hatte.

[351] Die Überzeugungskraft des im Rahmen der Urteilsgründe dargestellten Horrorbildes leidet allerdings schon daran, daß es in keinem Verhältnis zu den ausgesprochenen Verurteilungen steht. Drei der Angeklagten mußten sogar freigesprochen werden (Schoberth, Breitwieser und Dr. Schatz), weil die gegen sie produzierten “Beweise” selbst vor diesem Gericht für eine Verurteilung nicht ausreichten. Besonders bemerkenswert ist der Freispruch von Breitwieser, der eine Zeitlang Leiter der Desinfektionsabteilung in Auschwitz war, also jene Männer unter sich hatte, die angeblich das Zyklon B in die “Gaskammern” einzuwerfen hatten. Praktisch wird diese Behauptung durch den Freispruch Breitwiesers ad absurdum geführt. Denn daß ihm — auf Grund einer recht peinlichen Panne bei der Regie des Prozesses — die persönliche Anwesenheit bei einer “Vergasung” nicht nachgewiesen werden konnte (vgl. oben Seite 342), hätte angesichts der Tatsache, daß er selbst der “Chef” der “Vergasungskommandos” war, doch eigentlich gar nicht ins Gewicht fallen dürfen. Vermutlich war dieser Freispruch also eine Art von “Freudscher Fehlleistung” des Gerichts (160).

Elf der Angeklagten wurden nur zu zeitlich begrenzten Freiheitsstrafen verurteilt. Die meisten von ihnen brauchten nur noch einen Teil davon abzubüßen, weil die Untersuchungshaft auf die Strafen angerechnet wurde. Das führte in zwei Fällen sogar dazu, daß die Verurteilten (Hantl und Scherpe) sofort nach der Urteilsverkündung auf freien Fuß gesetzt wurden (161). Es sieht fast so aus, als ob mit diesen Verurteilungen nur die Geltendmachung von Haftentschädigung vermieden werden sollte. Hantl gehörte übrigens zu jenen Angeklagten, die sich besonders “einsichtig” gezeigt hatten, da er nicht nur Auschwitz, sondern auch Mauthausen den Charakter eines “Vernichtungslagers zugesprochen hatte (vgl. oben Seite 332).

Eine lebenslange Zuchthausstrafe erhielten lediglich sechs Angeklagte, und das waren nicht einmal die, die den Schuldsprüchen zufolge die meisten Menschen auf dem Gewissen haben sollten. Dieses eigenartige Ergebnis beruhte darauf, daß derjenige, der auch nur einen einzigen Mord begeht, ohne weiteres eine lebenslange Freiheitsstrafe verwirkt hat, während der Mordgehilfe nach der damaligen gesetzlichen Regelung eine geringere Strafe erhalten konntenicht mußte (162). So hatte der angeklagte Häftlingskapo Bednarek, der nach dem Urteilsspruch des Auschwitz-Gerichts vierzehn Mithäftlinge mit eigener Hand ermordet hatte, zwangsläufig eine lebenslange Zuchthausstrafe hinzunehmen, während z. B . der Angeklagte Dr. Lucas, den das Gericht “nur” der Beihilfe zum Mord an mindestens 4000 Menschen in den “Gaskammern” [352] von Birkenau für schuldig hielt, mit einer Gesamtzuchthausstrafe von drei Jahren und drei Monaten davonkam. Unter der Voraussetzung, daß diese Morde wirklich geschehen sind, wird kein vernünftiger Mensch den Unterschied im Strafmaß als gerecht ansehen können. Indessen mag bei der Bestrafung des Dr. Lucas der Umstand eine Rolle gespielt haben. daß auch er während des gesamten Verfahrens gegenüber der Vernichtungsthese “Einsicht” zeigte. Ganz allgemein läßt aber die Bewertung der Beteiligung der Angeklagten an angeblichen Gaskammermorden größten Umfangs den Schluß zu, daß das Gericht sich — zumindest unterbewußt — insoweit unsicher fühlte und doch wohl einige Zweifel an der Tatsächlichkeit dieses Geschehens hatte. Hier werden die vom Rechtsstandpunkt aus bitteren Konsequenzen der während des ganzen Prozeßverlaufs gewahrten opportunistischen Haltung des Gerichts sichtbar (163) .

Doch wenden wir uns den Urteilsgründen zu.

Obwohl der Vorsitzende des Schwurgerichts noch in seiner mündlichen Urteilsbegründung hervorgehoben hatte, daß eine “geschichtliche Darstellung des Zeitgeschehens” nicht die eigentliche Aufgabe des Gerichts gewesen sei (164), gerieten die schriftlichen Urteilsgründe ebenso wie die Hauptverhandlung weitgehend in den Bereich einer zeitgeschichtlichen Demonstration, anstatt sich ausschließlich auf die Feststellung strafwürdiger Verbrechen der Angeklagten zu beschränken, wie es in einem normalen Mordprozeß der Fall gewesen wäre. Sie entsprechen also vollkommen dem durch die ihrem Wesen entfremdete Beweisaufnahmt vermittelten Bild, d.h. sie sind in weitem Umfang nicht sachbezogen. wirklichkeitsfern, widerspruchsvoll und zuweilen sogar unlogisch. Nicht zuletzt sind sie aber auch in ihren Schuldfeststellungen ebenso wenii überzeugend wie die vorerwähnten Strafaussprüche. In ihnen spiegelt sich gewissermaßen der schauprozeßtypische Ablauf des gesamten Verfahrens nochmals wider (165).

Der erste Abschnitt der Urteilsgründe (S. 9-22) befaßt sich mit der”Einrichtung und Entwicklung der Konzentrationslager im NS-Staatz im allgemeinen, was ganz sicher mit dem Prozeßgegenstand nichts zu tun hat. Im zweiten Abschnitt (S.23-89) wird dann das “Konzentrationslager Auschwitz” hinsichtlich seiner Anlage, seiner Organisation, der damaligen Lebensverhältnisse und ähnlicher damit zusammenhängende Dinge aus dem Lagerbereich in aller Ausführlichkeit behandelt, was allenfalls zu einem geringen Teil strafrechtlich von Bedeutung sein konnte. Alle diese Ausführungen waren allerdings unentbehrlich, um — wie es der eigentliche Zweck dieses Schauprozesses war — die angebliche [353] Judenvernichtung in Auschwitz in den Rahmen eines “planmäßigen Mordprogramms” der nationalsozialistischen Reichsführung zu stellen. Weitere ergänzende “Feststellungen” dieser Art finden sich in den Abschnitten der Urteilsgründe, die sich mit den einzelnen Angeklagten und ihren angeblichen “Taten” befassen. So enthält z. B. der Abschnitt über den ehemaligen Lageradjutanten Mulka längere Darlegungen des Gerichts zur Bedeutung der sog. Selektionen, wie sie die Richter in Übereinstimmung mit der Greuelpropaganda verstanden, und über die Durchführung der sich angeblich daran anschließenden “Vergasungen jüdischer Menschen” (S. 95-101).

Es ist hier aus Platzgründen unmöglich, den ganzen in diesen allgemeinen “Feststellungen” des Gerichts enthaltenen Unsinn vollständig wiederzugeben. Nur einige prägnante Beispiele seien herausgegriffen.

Bei der Schilderung der allgemeinen Lebensverhältnisse in Auschwitz wird u.a. behauptet (S. 48): “In Birkenau und Umgebung gab es kein Trinkwasser. Alle Brunnen waren mit Kolibazillen verseucht.”

Wäre es wirklich so gewesen, dann hätte wahrscheinlich kein Mensch auch nur einen Monat dort überleben können. Dennoch gibt es massenhaft ehemalige Häftlinge, die jahrelang in Birkenau festgehalten wurden. Einige von ihnen traten im Auschwitz-Prozeß als Zeugen auf, ohne daß dies dem Gericht zu denken gab (166). Im übrigen lebte dort ja auch die SS-Wachmannschaft, die natürlich ebenfalls nicht ohne Trinkwasser auskam. Zumindest die Denkfaulheit der Richter, die das Urteil unterschrieben haben, ist damit offensichtlich.

Daß in Auschwitz ein Menschenleben nicht viel galt, zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamten Urteilsgründe und wird oft genug ausdrücklich betont. Um so mehr überrascht es, daß das Gericht im zweiten Abschnitt seiner Urteilsgründe (S.52) auch auf die vom Reichsführer SS Himmler aufgestellten “Richtlinien für die Behandlung der Häftlinge” eingeht, die für alle KL verbindlich waren. Es zitiert daraus u. a. die folgende ehrenwörtliche Verpflichtung, die jeder nach Auschwitz abkommandierte SS-Angehörige zu unterschreiben hatte:

“Über Leben und Tod eines Staatsfeindes entscheidet der Führer. Kein Nationalsozialist ist daher berechtigt, Hand an einen Staatsfeind zu legen oder ihn korperlich zu mißhandeln. Bestraft wird jeder Häftling nur durch den Kommandanten. “

Weiter wird in den Urteilsgründen darauf hingewiesen, daß schon für die Verhängung der Prügelstrafe die Genehmigung des Amtsgruppenchefs D im WVHA (Gruppenführer Glücks) erforderlich war und diese [354] obendrein nur im Beisein eines Arztes vollstreckt werden durfte, der den Delinquenten zuvor auf seinen Gesundheitszustand zu untersuchen hatte. Bei der höheren Führung — so die Urteilsgründe (S. 52) habe es als selbstverständlich gegolten, daß kein SS-Mann einen Häftling schlagen oder stoßen, ja nicht einmal ihn berühren durfte.

Das alles erscheint bei einem angeblichen “Vernichtungslager” ziemlich widersinnig und erst im weiteren Verlauf der Urteilsgründe wird klar, weshalb das Gericht überhaupt auf diese Richtlinien des Reichsführers SS eingegangen ist, die so gar nicht in den sonstigen Rahmen des Urteils passen. Es benötigte sie nämlich zu einer einwandfreien Begründung des Schuldvorwurfs, wenn ein Angeklagter durch Zeugenaussagen “überführt” war, persönlich einen oder mehrere Häftlinge außerhalb des “normalen” Vernichtungsprogramms getötet zu haben. Der Mordvorsatz ließ sich dann trefflich und unwiderlegbar damit begründen, daß der Angeklagte nicht “auf Befehl”, sondern sogar “gegen den Befehl” gehandelt habe (167). Daß das ziemlich unwahrscheinlich ist, weil im Dritten Reich — besonders in den Reihen der SS — Disziplin und Gehorsam bekanntlich an der Spitze aller Werte standen und Verstöße hiergegen regelmäßig mit schärfsten Strafen geahndet wurden, störte das Gerich. Offenbar nicht im mindesten. Es stellte sogar verallgemeinernd fest, daß SS-Führer, SS-Unterführer und SS-Mannschaften in Auschwitz die Richtlinien für die Häftlingsbehandlung “ständig mißachtet” und “nicht selten” Häftlinge solange mißhandelt hätten, “bis sie starben” (S. 53); Diese die damalige Bedeutung eines Befehls völlig verkennende “Feststellung” des Gerichts gründete sich allein auf entsprechende Zeugenaussagen und Ansichten der zeitgeschichtlichen “Sachverständigen”. So einfach war es im Auschwitz-Prozeß, sogar eine der Lügenpropaganda über Auschwitz entgegenstehende Tatsache zu einer Belastung für die Angeklagten umzufunktionieren! —

Ein besonders peinlicher Schnitzer ist dem Gericht auf den Seiten 99-100 der Urteilsgründe unterlaufen. Er gibt zugleich Zeugnis davon, wie wenig Gedanken sich die Richter über die Beschaffenheit der angeblichen “Gaskammern” gemacht haben. Auf Seite 99 stellte das Gericht nämlich fest, daß sich bei den “Krematorien I bis IV… die Entkleidungs- und Vergasungsräume unter der Erde und die Verbrennungsöfen über der Erde” befunden hätten. Schon auf der nächsten Seite behauptet das Gericht dann weiter, bei den Krematorien III und IV sei das Zyklon B “durch ein kleines Seitenfenster” eingeworfen worden. Wie das bei einem unterirdisch gelegenen Raum möglich war, der ja keine Seitenfenster haben konnte, bleibt das Geheimnis des Gerichts. Es hatte hier [355] offensichtlich widersprüchliche Zeugenberichte miteinander verquickt, ohne weiter darüber nachzudenken. Die ganze Absurdität der Gaskammerlegende konnte kaum besser dokumentiert werden.

Wesentliche Grundlage für die allgemeinen Feststellungen des Gerichts über das “Konzentrationslager Auschwitz” (Zweiter Abschnitt der Urteilsgründe) waren “die überzeugenden und fundierten Sachverständigengutachten”, die Krakauer Höß-Aufzeichnungen sowie der hierzu in vielen Einzelheiten im Widerspruch stehende BroadBericht (S.85-89). Über Qualität und Inhalt der Sachverständigengutachten wurde bereits an anderer Stelle das Notwendige gesagt (vgl. oben Seiten 334-337). Ebenso kann zum Broad-Bericht und zu den HößAufzeichnungen auf frühere Stellen dieser Arbeit verwiesen werden (oben Seiten 212-217 bzw. 253-277), die zeigen, daß beide “Dokumente” nach Herkunft und Inhalt äußerst fragwürdig sind. Bemerkenswert ist jedoch der Versuch des Gerichts, die Höß-Aufzeichnungen aus der Sphäre des Zweifels herauszuheben, was ihm freilich nicht gelungen ist.

Abgesehen von der Echtheitsbestätigung Broszats (siehe oben Seite 339) hielten die Richter die angeblichen Erinnerungen des ehemaligen Auschwitz-Kommandanten Höß insgesamt schon deshalb für echt, weil — so die Urteilsgründe (S. 86) der Verfasser eine “mit den Verhältnissen in Auschwitz wohlvertraute Person” gewesen sein müsse, “die nicht nur einen Teilbereich des Lagers überschauen konnte, sondern einen Gesamtüberblick gehabt haben muß”. Das mag im allgemeinen zutreffen, doch besagt diese Feststellung der Richter hinsichtlich der Teile der Aufzeichnungen, die die Judenvernichtung behandeln, nicht das Geringste. Gerade hierauf kommt es jedoch an. Höß’ Angaben über die angebliche Judenvernichtung werden auch nicht durch den Hinweis des Gerichts glaubwürdiger, daß

“Höß sich mit großem Eifer um Exaktheit und Sachlichkeit bemüht hat. Mit buchhalterischer Genauigkeit hat er die Einzelheiten geschildert. Da darüber hinaus seine Angaben in den Punkten, über die Zeugen gehört werden konnten, von diesen bestätigt worden sind, erschienen auch die anderen in den verlesenen Niederschriften geschilderten Tatsachen glaubhaft und zutreffend mit Ausnahme verschiedener Zeit- und Datumsangaben, bei denen sich eine gewisse Unsicherheit des Autors ergibt.” (S. 87)

Zu den “Tatsachen”, die das Gericht hiernach als “glaubhaft” und “zutreffend” ansah, gehörte u.a., daß in einem Birkenauer Verbrennungsofen drei Leichen auf einmal innerhalb von 20 Minuten restlos eingeäschert werden konnten, daß man einen mit Zyklon B durchgasten [356] Raum bereits nach einer halben Stunde ohne Gasmaske betreten konnte, daß Tausende von Leichen zugleich in großen Gruben ohne ständige Brenn- und Sauerstoffzufuhr verbrannt werden konnten und dergleichen Unsinn mehr. Hier noch von “Exaktheit”, “Sachlichkeit” und “buchhalterischer Genauigkeit” zu sprechen, das zeugt von einer kaum mehr zu überbietenden Ignoranz und Leichtgläubigkeit des Gerichts wenn es nicht Opportunismus war. Und sollte wirklich keinem der Richter einmal der Gedanke gekommen sein, daß die Zeugen, die Einzelheiten der dem Kommandanten Höß zugeschriebenen Angaben bestätigten, die 1958 veröffentlichten Höß-Aufzeichnungen selbst schon gelesen und daraus ihr Wissen bezogen hatten? Schließlich entsprach das alles aber auch den seit Jahren und vor allem während des Prozeßverfahrens über die Massenmedien verbreiteten Darstellungen. Wie kann man also ernsthaft aus solchen Übereinstimmungen auch nur die geringste Glaubwürdigkeit herleiten?

Abschließend sei nun noch ein Blick auf die “Verbrechen” geworfen, derentwegen die Angeklagten verurteilt wurden. Ihre Feststellung ist ja der Zweck eines Strafverfahrens, wenn auch der im Auschwitz-Prozeß betriebene Aufwand — wie schon wiederholt betont wurde — über diese eigentliche Aufgabe des Prozesses weit hinausging. Aber der Auschwitz-Prozeß war eben kein normaler Strafprozeß. Darüber dürfte nun wohl kein Zweifel mehr bestehen.

Einige Angeklagte wurden verurteilt, weil ihnen nach Ansicht des Gerichts vorsätzliche Tötung oder zum Tode führende Mißhandlungen einzelner Häftlinge nachgewiesen werden konnten. Möglicherweise war die eine oder andere dieser Verurteilungen sogar gerechtfertigt. Übergriffe solcher Art sind in den Gefangenenlagern aller kriegführenden Nationen vorgekommen und werden sich auch in Zukunft wohl nie ausschließen lassen. Mit dem eigentlichen Auschwitz-Problem, den angeblich von höchster Stelle befohlenen planmäßigen Judenmorden in Gaskammern. hatten diese Verurteilungen indessen nichts zu tun. Wir können sie daher übergehen. Allerdings sollte nicht unerwähnt bleiben, daß das Gericht auch Geiselerschießungen oder standgerichtliche Exekutionen als “Morde” wertete, und zwar bei den Angeklagten Boger (S. 244ff.). Stark (S. 246ff.), Hofmann (S. 366ff.) und Kaduk (S. 395-396).

Ein weiterer Tatkomplex war nach den Urteilsgründen das Töten von Häftlingen durch Phenolinjektionen ins Herz, was im Häftlingsjargon als “Abspritzen” bezeichnet wurde. Auch das könnte vorgekommen sein, doch unterließ das Gericht es, der Einlassung der betreffenden Angeklagten nachzugehen, es habe sich bei den Opfern um unheilbar [357] kranke Häftlinge — nach einem Ausdruck des Angeklagten Klehr um “halbe Tote” (168) — gehandelt. Unter der Voraussetzung, daß das zutrifft, ließe sich sicherlich darüber streiten, ob solche Euthanasietötungen unter den damaligen Umständen wirklich als “Mord” angesehen werden können, zumal wenn zuvor — woran selbst nach Häftlingsaussagen kein Zweifel bestehen kann — erfolglos versucht worden war, die Arbeitsfähigkeit der Kranken durch medizinische Behandlung im Häftlingskrankenbau des Lagers wieder herzustellen. Auf jeden Fall aber hatten auch diese Akte, die zur Verurteilung der Angeklagten Klehr (S. 583ff.), Scherpe (S. 657ff.) und Hantl (S. 693ff.) führten, mit “Völkermord” nichts zu tun, der mit dem Gebrauch des Stichworts “Auschwitz” gewöhnlich gemeint ist.

Immerhin aber wurde 16 der 20 Angeklagten eine Beteiligung in der strafrechtlichen Form der Beihilfe an diesem vielzitierten “Völkermord” angelastet. Alle verurteilten Angeklagten — mit Ausnahme des Häftlingskapos Bednarek — wurden also entweder ausschließlich oder neben anderen Vergehen aus diesem Grunde bestraft. Wenn man sich allerdings ansieht, welche Handlungen der Angeklagten dem Gericht als ausreichend zur Begründung dieses besonders schwerwiegenden Schuldspruchs erschienen, dann kann man wieder einmal nur staunen.

Diesen Verurteilungen lag die Annahme des Gerichts zugrunde, daß in bestimmten Räumlichkeiten des KL-Komplexes um Auschwitz Juden durch das Entwesungsmittel Zyklon B massenweise getötet wurden, und zwar regelmäßig unmittelbar nach sog. “Selektionen”, ob diese nun im Lagerkrankenbau, einem sonstigen Teil des Lagers oder auf der Bahnrampe nach Ankunft eines neuen Häftlingstransports vorgenommen wurden. Das Gericht ging hierbei davon aus, daß alle Arbeitsunfähigen, wozu ohne weiteres “Frauen mit Kindern, alte Menschen, Krüppel, Kranke und Kinder unter 16 Jahren” gerechnet worden seien, unmittelbar in die “Gaskammern” geführt wurden. Als arbeitsfähig — so die Urteilsgründe — seien auf diese Weise aus den in Birkenau eintreffenden Transporten jeweils nur zwischen 10 und 15 So, selten mehr, niemals jedoch mehr als 25% der Ankommenden ausgesondert worden. Ab und zu sei es auch vorgekommen, daß ein Transport aus besonderen Gründen geschlossen “in das Gas geführt” wurde (S. 96-97).

Es muß hier nochmals betont werden, daß es sich bei dieser Urteilsgrundlage tatsächlich um nichts weiter als eine Annahme handelt. Denn daß einwandfreie und überzeugende Beweise für die Existenz von “Gaskammern” bislang fehlen und vom Gericht auch gar nicht gefordert wurden, hat der Verlauf unserer Untersuchung gezeigt. Auch die [358] Zahlenangaben des Gerichts entbehren jeder realen Unterlage. Sie beruhen ausschließlich auf spekulativen Annahmen der zeitgeschichtlichen Prozeßgutachter in Verbindung mit nicht weniger unsicheren Zeugenaussagen (169).

Bei dieser Sachlage konnten nur die “Geständnisse” der Angeklagten Stark und Hofmann (hierzu oben Seiten 327-330) ihrer eigenen Verurteilung wegen Beteiligung an Judenvergasungen einen Anschein des Rechts geben, weil die von ihnen zugegebenen Handlungen in unmittelbarer Beziehung zu diesem nach wie vor zweifelhaften Tatbestand standen (170). Alle übrigen Angeklagten hätten jedoch bei Anlegung normaler strafrechtlicher Maßstäbe freigesprochen werden müssen, soweit ihnen Beihilfe zu den angeblichen Gaskammermorden vorgeworfen worden war. Denn was man ihnen in diesem Zusammenhang zur Last legte, war einfach lächerlich. Doch wird darin um so mehr deutlich? wie wenig Substanz die ganze Gaskammerlegende tatsächlich hat.

Folgende Handlungen reichten nach Ansicht des Frankfurter Schwurgerichts zur Verurteilung dieser Angeklagten wegen “Beihilfe” zu den vom Gericht als Tatsache angenommenen Gaskammermorden aus (171):

Entgegennahme und Weitergabe von Fernschreiben, die das Eintreffen von Häftlingstransporten ankündigten (Mulka und Höcker);

Beschaffung von Zyklon B für die Entwesungsabteilung des Lagers und Auftragserteilung für eine gasdichte Tür bei der Firma “Deutsche Ausrüstungswerke GmbH” (Mulka);

Führung der Oberaufsicht bei der Ankunft von Häftlingszügen an der Bahnrampe in Birkenau (Mulka);

Wachdienst an der Bahnrampe in Birkenau während der Ankunft von Häftlingszügen (Dylewski, Broad, Hofmann);

“Selektieren” von Häftlingen auf der Bahnrampe in Birkenau (Mulka, Boger, Dr. Frank, Dr. Lucas, Baretzki, Dr. Capesius, Klehr);

“Selektieren” im Häftlingskrankenbau oder in anderen Teilen des Lagers (Scherpe, Klehr, Hantl, Baretzki, Schlage, Kaduk, Boger).

Der heute in § 27 StGB geregelte Straftatbestand der Beihilfe war zur Zeit des Auschwitz-Prozesses in § 49 StGB enthalten. Nach dieser Bestimmung wurde als Gehilfe bestraft, wer dem Täter zur Begehung einer als Verbrechen oder Vergehen mit Strafe bedrohten Handlung durch Rat oder Tat wissentlich Hilfe geleistet hatte. Es ist nicht erforderlich, im Rahmen dieser Arbeit den rechtlichen Inhalt dieser Vorschrift in jeder Richtung auszuloten. Es genügt, hier in Übereinstimmung mit der herrschenden Meinung festzuhalten, daß Beihilfe stets nur die Unterstützung fremder Tat durch eine dazu wenigstens allgemein geeignete [359] Handlung und mit dem Vorsatz ist, die Verbrechensvollendung wirklich zu fördern. Das kann schon im Vorbereitungsstadium der Tat geschehen. Die Beihilfehandlung braucht für die Haupttat auch nicht in dem Sinne ursächlich zu sein, daß diese ohne sie nicht zur Ausführung kommen könnte. Sie muß aber geeignet sein, die Verwirklichung des Verbrechens zu fördern, bei sog. Erfolgsdelikten — wie Mord — also zur Erreichung des Erfolges in irgendeiner Weise (“durch Rat oder Tat”) beizutragen. Das wiederum setzt voraus, daß die Haupttat selbst — mindestens in Versuchsform — begangen wurde. Die Beihilfe ist also — wie es im Juristendeutsch heißt — “akzessorisch”, das bedeutet: von der Haupttat abhängig. Außerdem muß nicht nur der Täter, sondern auch der Gehilfe vorsätzlich handeln, mithin alle wesentlichen Merkmale der Haupttat erkennen; von den Einzelheiten der Ausführung braucht der Gehilfe allerdings keine bestimmten Vorstellungen zu haben. Hält er sein Tun für ungeeignet. die Tat zu fördern, den Erfolg also auch ohne sein eigenes Handeln für unvermeidlich, so fehlt regelmäßig der Vorsatz, da der Gehilfenvorsatz wie der Tätervorsatz auf die tatsächliche Verwirklichung des Verbrechens gerichtet sein muß (172).

Setzt man diese in jedem normalen Strafprozeß anerkannten Voraussetzungen für eine Bestrafung wegen Beihilfe in Beziehung zu den vorerwähnten Handlungen der Angeklagten, so müßte auch ein Jurist ihre Einstufung als Beihilfe zu den angeblichen, im Einzelfall nicht einmal konkret bestimmten Gaskammermorden eigentlich für abwegig, mindestens aber für äußerst fragwürdig halten. Der juristische Laie wird über die strafrechtliche Beurteilung der “Tatbeiträge” der Angeklagten durch das Auschwitz-Gericht ohnehin nur den Kopf schütteln. Sollte die “Staatsräson” diese Urteilssprüche verlangt haben?

Offensichtlich abwegig war es, in der Annahme und Weiterleitung von Fernschreiben durch die Adjutanten des Lagerkommandanten, in der Beschaffung von Zyklon B und in dem Auftrag an die Deutsche AusrüStungswerke GmbH zur Herstellung einer gasdichten Tür eine “Beihilfe zum Mord” zu sehen. Die büromäßige Behandlung der Fernschreiben über Häftlingstransporte hatte auf die Ankunft dieser Transporte und das weitere Schicksal der ankommenden Häftlinge nicht den geringsten Einfluß. Sie enthielten ja nicht einmal den Befehl zur Vergasung dieser Leute, der angeblich in allgemeiner Form schon vorher erteilt worden sein soll (173). Selbst wenn man also von den Judenvergasungen als Tatsache ausgeht, war diese Tätigkeit der Lageradjutanten in keiner Weise geeignet, die “Verwirklichung des Verbrechens zu fördern”, wie der Tatbestand der Beihilfe es voraussetzt. Ähnlich verhält es sich mit der [360] Beschaffung von Zyklon B für die “Abteilung Entwesung und Entseuchung” sowie der Auftragserteilung für eine gasdichte Tür. Denn das Zyklon B diente in Auschwitz wie in allen anderen KL und bei der Wehrmacht zur Desinfektion von Räumen und Bekleidungsstücken (174). Gasdichte Türen aber wurden während des Krieges allerorten in Luftschutzkellern und Bunkern eingebaut, die ganz gewiß nicht der Judenvernichtung dienten. Wenn das Gericht auch keinen Zweifel daran hatte, daß diese Tür “für eine Gaskammer bestimmt” war, so blieb es doch die Begründung für diese Annahme schuldig. Dem Auftragsschreiben zufolge war sie für den Leichenkeller des Krematoriums III bestimmt (siehe oben S.79). Da mithin eine sichere Feststellung über die tatsächliche Verwendung des von Mulka beschafften Zyklon B und die von ihm in Auftrag gegebene Tür nicht möglich war, hätte insoweit zumindest nach dem strafrechtlichen Grundsatz “in dubio pro reo” (d.h. in Zweifelsfällen muß zugunsten des Angeklagten entschieden werden) Freispruch erfolgen müssen. Hier hat man wirklich den Eindruck, daß die beiden Adjutanten Mulka und Höcker unter allen Umständen verurteilt werden mußten, weil gerade ihr Freispruch einfach nicht ins Bild gepaßt und sicher beträchtliches Aufsehen erregt hätte.

Nicht minder abwegig erscheint es, daß das Gericht in dem “Selektieren” auf der Bahnrampe von Birkenau Beihilfehandlungen sah. Denn hierdurch wurde schon objektiv die angebliche Judenvergasung nicht im mindesten gefördert. Diese “Selektionen” dienten vielmehr — wie Laternser als Verteidiger durchaus zutreffend argumentierte (175) — der Rettung eines Teils der Ankömmlinge, wenn man der Behauptung der Legende folgt, daß alle nach Auschwitz transportierten Juden nach einem grundsätzlichen Führerbefehl unmittelbar nach der Ankunft zu “vergasen” waren. Die Aussonderung der Arbeitsfähigen stand dann nämlich im Widerspruch zu diesem Befehl und rettete zweifellos diese Leute vor dem sicheren Tode. Es ist m. W. unbestritten und kommt auch in den Prozeßgutachten des Auschwitz-Prozesses zum Ausdruck, daß die in Abweichung von dem allgemeinen “Vernichtungsbefehl” erfolgende Zurückstellung der arbeitsfähigen Juden von der sofortigen “Vergasung” auf angeblich gegensätzliche Interessenrichtungen innerhalb der SS-Hierarchie zurückzuführen war (176). Das Auschwitz-Gericht handelte ersichtlich unter einem gewissen “Zwang zur Verurteilung”, wenn es bei dieser Sachlage einerseits die Legende akzeptierte, andererseits aber das “Selektieren” auf der Rampe gleichwohl als strafwürdige Beihilfe zum Mord wertete.

Weniger fragwürdig erscheint zunächst die Verurteilung der [361] Angeklagten, die bei der Ankunft von Häftlingen nicht “selektierten”, wohl aber Wachdienst an der Rampe versahen. Denn damit sollten Fluchtversuche verhindert werden, mit denen immer zu rechnen war. Diese Angeklagten bürgten also mit ihrer Tätigkeit dafür, daß niemand sich der “Vergasung” entziehen konnte. Dies selbstverständlich immer nur unter der Voraussetzung, daß die ankommenden Juden tatsächlich “vergast” werden sollten und auch das Wachpersonal davon Kenntnis hatte. Doch hiervon ging das Gericht- wenn auch zu Unrecht — ja aus. Trotzdem hätte es in diesem Zusammenhang auch noch prüfen müssen, ob die Angeklagten ihr Tun überhaupt für geeignet hielten, die angebliche Judenvergasung zu fördern, oder ob sie vielleicht der Meinung waren, daß die “Vergasungen” auf jeden Fall auch ohne ihr Zutun unvermeidlich waren. In diesem Fall hätten sie nämlich nach den oben dargelegten Grundsätzen für die Bestrafung der Beihilfe ebenfalls freigesprochen werden mussen, weil bei ihnen der Gehilfenvorsatz fehlte.

Alle vorstehenden Erwägungen zu den Tätigkeiten der Angeklagten im Rahmen der sog. “Selektionen” sind aber — wie gesagt — überhaupt nur dann sinnvoll und notwendig, wenn die “Selektionen” tatsächlich und in jedem einzelnen Fall “Vergasungen” der als arbeitsunfähig Ausgesonderten zur Folge hatten. In der Literatur gibt es Beispiele dafür, daß auch arbeitsunfähige Häftlinge ins Lager aufgenommen — also nicht “vergast” — wurden oder daß man sie in besondere Lager überstellte (177). Das Auschwitz-Gericht vermochte nicht das Gegenteil festzustellen, sondern bestätigte dies in einem bestimmten Fall sogar. Es ging nämlich bei dem — sonst schon schwer genug belasteten — Angeklagten Kaduk davon aus, daß trotz seiner Mitwirkung bei mehreren Selektionen kranker Häftlinge im Lager insoweit keine Verurteilung erfolgen könne, weil “nicht zweifelsfrei erwiesen” sei, ob “die Selektierten tatsächlich vergast und nicht etwa in ein anderes Lager überstellt worden” seien (S. 391 f.)178. Es ist unverständlich, warum das Gericht diese Zweifel nur bei einigen Lagerselektionen hatte. Denn auch bei den Rampenselektionen konnte es in keinem einzigen Fall anhand konkreter Anhaltspunkte feststellen, ob die als arbeitsunfähig ausgesonderten Häftlinge wirklich “vergast” worden waren. Nicht einmal die genauen Zeitpunkte der jeweiligen Selektionen waren mit auch nur einiger Zuverlässigkeit zu ermitteln. Angesichts der allgemeinen Unsicherheit über das tatsächliche nveitere Schicksal der “selektierten” Häftlinge hätten mithin Verurteilungen wegen dieses Sachverhalts schon im Hinblick auf die oben erwähnte akzessorische Natur der Beihilfe nicht erfolgen dürfen. Mindestens aber hätte auch hier nach dem Grundsatz “in dubio pro reo” [362] verfahren werden müssen. Mit dem Fail Kaduk führte das Gericht wieder einmal seine eigene Argumentation, derzufo]ge “Selektionen” zwangsläufig “Vergasung” bedeuteten, ad absurdum.

Nur am Rande sei noch vermerkt, daß die Unlogik des Gerichts auch bei den weitgehend willkürlich festgelegten Opferzahlen zum Ausdruck kommt. Denn einmal waren es 750, einmal 1000 und dann wider sogar 2000 Menschen, die dem Urteil zufolge auf Grund von “Selektionen” in die “Gaskammern” wanderten. Ein vernünftiger Grund für diese unterschiedlichen Annahmen ist jedenfalls nicht erkennbar (179).

Die Tatsache, daß das Auschwitz-Gericht in keinem einzigen Fall feststellen konnte, an welchen zeitlich genau bestimmten “Selektionen” die einzelnen Angeklagten tatsächlich mitgewirkt hatten und ob die dabei “Selektierten” auch wirklich “vergast” wurden, ist wohl der rechtlich anfechtbarste Punkt bei den deswegen erfolgten Verurteilungen. Abhängigkeit der Beihilfe von einer eindeutig und zweifelsfrei festgestellten Haupttat hätte diese Feststellungen in jedem Einzelfall unbedingt erfordert.

Dies führt uns zu der unbestreitbaren Schlußfolgerung. daß das Gericht insoweit allein auf Grund von Vermutungen entschieden hat. Diese Art der Urteilsfindung erinnert in peinlichster Weise an das in mittellalterlichen Hexenprozessen angewandte Verfahren. Auch damals wurde bekanntlich das eigentliche “Verbrechen” nur “vermutet”, weil es im Grunde nicht beweisbar war. Selbst die angesehensten Juristen jener Zeit — so z. B. Benedikt Carpzow — vertraten die Ansicht, es könne bei “schwer nachweisbaren Verbrechen” von der Erhebung des objektiven Tatbestandes abgesehen werden, wenn fgür das Vorliegen dieses Tatbestandes die “Vermutung” spreche (180). Die mittelalterlichen Richter befanden sich eben hinsichtlich der Beweisbarkeit von Teufelsbuhlschaft, Hexentanzplatz und ähnlichem Unsinn genau in der gleichen Lage wie unsere “aufgeklärte” Richterschaft des 20. Jahrhunderts hinsichtlich der “Gaskammern”. Sie mußten daran glauben, sonst wären sie selbst auf dem Scheiterhaufen gelandet — wie im übertragenen Sinne auch die Richter des Auschwitz-Gerichts.

[363] Wir stehen damit am Ende unserer Untersuchung. Ihre Ergebnisse lassen wohl kaum einen Zweifel daran, daß der Auschwutz-Mythos im Morast widerspruchsvoller Legendenbildung wurzelt, nicht aber in tatsächlichem Geschehen. Jedenfalls gibt es für letzteres bislang keinen einzigen Beleg von Bedeutung. Insbesondere die Hauptpfeiler der Legende vom “Vernichtungsdlager” Auschwitz, die Krakauer Höß-Aufzeichnungen et des Auschwitz-Prozeß, haben nicht als sich tragfähig erwiesen. Es bedarf nur noch des Mutes und der Redlichkeit der Historiker, dieses der Weltöffentlichkeit klar zu machen. Wenn meine Arbeit den Ansporn hierzu geben würde, dans wären sie nich umsonst geschrieben. Bis dahin mag sie allen Deutschen guten Willens sachliche und moralische Hilfestellung im Kampf gegen die Verunglimpfung deutscher Vergangenheit geben.


 

Anhang

 

Die nachfolgenden Dokumentationen sollen dem Leser eine Vorstellung davon geben, wie schwierig es ist, Einblick in die Grundlagen für die Behauptungen über das “Vernichtungslager Auschwitz” zu gewinnen. Offizielle Unterstützung für wissenschaftliche Forschungen auf diesem Gebiet erhält anscheinend nur derjenige, dessen Arbeitsergebnisse auf der vorgeschriebenen Linie zu liegen versprechen.

[367]

Anhang I

Ein Schriftwechsel mit dem Institut für Zeitgeschichte

 

Brief des Verfassers vom 14. 3 . 1975 an das Institut für Zeitgeschichte in München:

“Sehr geehrte Herren!

Zur Unterstützung meiner Bemühungen, Klarheit über die sog. “Endlösung der Judenfrage” zu gewinnen. bitte ich Sie höflich um möglichst baldige Beantwortung folgender Einzelfragen:

1.) Sind Dokumente darüber aufgefunden worden, ob und gegebenenfalls wann Hitler persönlich oder eine andere zentrale Reichsstelle die physische Vernichtung aller im deutschen Machtbereich befindlichen Juden angeordnet hat?

2.) Aus welchen Dokumenten ergibt sich, daß das KL Auschwitz als sog. Vernichtungslager bestimmt war?

3.) Welche Dokumente geben Aufschluß darüber. daß es in Birkenau bei Auschwitz sog. Gaskammern gab und wie diese beschaffen waren und funktionierten?

4.) Welche sonstigen Quellen sind für den Nachweis der unter Ziff. 1 bis 3 angeführten Fakten bekannt?

5.) Ist Ihnen bekannt, wieviele Juden insgesamt in Auschwitz und seinen Nebenlagern — insbesondere in Birkenau — während des 2. Weltkrieges umgekommen sind und wieviele hiervon durch sog. Vergasungen? Worauf werden etwaige Zahlenangaben gestützt?

6.) Wo konnen etwaige Dokumente oder sonstige Unterlagen über die vorstehenden Fragen eingesehen werden?

Ich wäre Ihnen außerdem dankbar, wenn Sie mir ein möglichst vollständiges Verzeichnis der Literatur über das KL Auschwitz –erforderlichenfalls gegen Unkostenerstattung — zur Verfüugung stellen könnten. Hochachtungsvoll !

Dr. Wilhelm Staglich

[368]

Brief des Verfassers vom 23. 4. 1975 an das Institut für Zeitgeschichte:

 

»Betr.: Mein Schreiben vom 14. Marz 1975; Gaskammern von Auschwitz.

Sehr geehrte Herren!

Mit dem o. a. Schreiben bat ich Sie um die Beantwortung einiger Fragen, für die Sie mir als kompetent bezeichnet wurden. Es hat indes den Anschein, daß meine Bitte Ihnen gewisse Schwierigkeiten macht. Jedenfalls habe ich bis heute weder eine Antwort noch eine Bestätigung über den Eingang meines Schreibens von Ihnen erhalten. Sollten die Schwierigkeiten der Beantwortung allein darin liegen, dalß die Fülle der vorliegenden Dokumente usw. umfangreiche Arbeiten zur Beantwortung meines Briefes voraussetzt, so wurde es mir notfalls auch genügen, wenn Sie mir die wichtigsten Dokumente und sonstigen Unterlagen bezeichnen könnten, die für Sie ja wohl sofort greifbar sein müßten. Ich wurde dann nach deren Durcharbeitung erforderlichenfalls noch erganzende Fragen stellen.

Auch bezüglich der erbetenen Literaturhinweise wurde mir notfalls ein Verzeichnis der wichtigsten Literatur vorerst genügen.

In der Hoffnung, mich mit diesen wichtigen Fragen nicht vergeblich an Sie gewandt zu haben, begrüße ich Sie

h ochachtungsvoll

Dr. W. Stäglich

 

Brief des Instituts fur Zeitgeschichte vom 25. 4. 1975 an den Verfasser:

»Betr.: Ihr Schreiben v. 14. 3. 1975

Sehr geehrter Herr Doktor Stäglich, als Anlage übersenden wir eine Auswahlbibliographie über das KL Auschwitz, die Hermann Langbein seinem 1972 im Europaverlag erschienenen Buch “Menschen in Auschwitz” beigegeben hat.

Wegen eines vollständigen Literaturverzeichnisses empfehlen wir eine Anfrage an die Deutsche Bibliothek Frankfurt in (6) Frankfurt am Main, Zeppelinallee 8.

Anhand der zahlreichen wissenschaftlichen Literatur können Sie sich [369] leicht selbst eine Grundinformation über den Gesamtkomplex der Endlösung der Judenfrage verschaffen.

Mit vorzüglicher Hochachtung i. A. (Dr. I. Arndt)

 

Brief des Verfassers vom 22. 5. 1975 an den Direktor des Instituts für Zeitgeschichte:

“Betr.: KL Auschwitz; meine Schreiben vom 14. 3. und 23. 4. 1975. Bezug: Ihre Antwort vom 25. 4. 1975 — Ar/Hu.

Sehr geehrter Herr Professor!

Mit meinem Schreiben vom 14.3.1975 richtete ich an Ihr Institut genau präzisierte Fragen zur sog. “Endlösung” in Auschwitz. Am 23. 4. 1975 erinnerte ich an die Beantwortung meiner Anfrage.

Nach Rückkehr von einer längeren Auslandsreise fand ich hier die Antwort Ihres Mitarbeiters Dr. Arndt vor. Sie bestand im wesentlichen aus einer Ablichtung der dem Buch “Menschen in Auschwitz” von Hermann Langbein beigegebenen Bibliographie. Da diese für mich wertlos ist, schicke ich sie Ihrem Institut hiermit zurück.

Ich hatte zwar in meinem Schreiben vom 14. 3. 1975 nebenher auch Interesse für ein wissenschaftlich erstelltes Verzeichnis einschlägiger Literatur über Auschwitz bekundet. Langbein ist jedoch kein Wissenschaftler. Sein Buch “Menschen in Auschwitz” ist mir im übrigen ebenso bekannt wie ein wesentlicher Teil der in der Bibliographie hierzu erwähnten deutschsprachigen Literatur, von der auch wohl nur ein ganz kleiner Teil mit Einschränkung als wissenschaftlich gelten kann.

Der Hauptpunkt meiner Anfrage, nämlich die von mir gestellten Fragen, wurde von Dr. Arndt mit der Bemerkung abgetan, ich könne mir “anhand der zahlreichen wissenschaftlichen Literatur… leicht selbst eine Grundinformation über den Gesamtkomplex der Endlösung der Judenfrage verschaffen.” Dieses versuche ich nun allerdings schon seit vielen Jahren, wobei die von mir Ihrem Institut gestellten Fragen bisher offen geblieben sind oder widersprüchlich beantwortet wurden. Daraus ergab sich der an Ihr Institut, das mir insoweit als genügend sachverständig bezeichnet wurde, gerichtete Wunsch, mir Dokumente oder andere einwandfreie Unterlagen zu diesen Fragenkomplexen bekannt zu geben.

Ich wäre Ihnen daher sehr verbunden, wenn Sie, sehr geehrter Herr Professor, nunmehr veranlassen konnten, daß meine Fragen so eindeutig beantwortet werden, wie sie von mir gestellt wurden.

Hochachtungsvoll!

Dr. W. Stäglich”

 

[370] Brief des Direktors des Instituts für Zeitgeschichte vom 10. 6. 1975 an den Verfasser:

“Sehr geehrter Herr Dr. Stäglich, auf Ihr Schreiben vom 22. 5. 1975 erlaube ich mir das Folgende zu bemerken:

Bei allen Bemühungen ist es unserem Institut leider nicht immer möglich, neben der Erfüllung seiner vorrangigen Forschungs-, Publikations und anderen Aufgaben private Anfragen, selbst wenn sie von wissenschaftlichem Interesse geleitet sind, in dem Maße zu beantworten, wie das von den Anfragenden gewünscht wird. Das gilt vor allem dann, wenn, wie in Ihrem Schreiben vom 14.3.1975, vielschichtige Fragen gestellt sind, von denen jede einzelne eine Darlegung komplizierter Zusammenhänge erfordern wurde und die sich keineswegs einfach durch Hinweis auf bestimmte Zeugnisse erledigen lassen. Viele Anfragende gehen insofern von einer irrigen Voraussetzung aus.

Ich bitte Sie zu verstehen, daß die zuständige Referentin Frau Dr. Arndt unter diesen Umständen sich auf Literaturhinweise beschränken mußte. Das Institut kann sich nicht von den jeweils Anfragenden Art und Umfang seiner Recherche und Studien vorschreiben lassen.

Mit vorzüglicher Hochachtung

(Prof. Dr. Martin Broszat)

 

Brief des Verfassers vom 24. 6. 1975 an das Institut für Zeitgeschichte:

“Betr.: Meine Anfrage vom 14. 3. 1975 zur “Endlösung der Judenfrage”.

Bezug: Ihr Schreiben vom 10. 6. 1975–Br/Dsz.

Sehr geehrter Herr Professor Broszat!

Ihr Schreiben vom 10.6. 1975 war zwar angesichts der Ihnen von mir gegebenen Hinweise auf meine Bemühungen um Klarstellung eines zeitgeschichtlichen Tatbestandes, der immer wieder in allen Massenmedien trotz seiner Fragwürdigkeit als langst geklärt hingestellt wird, kaum die angemessene Antwort. Ich muß diese Antwort jedoch akzeptieren, da ich Sie selbstverständlich nicht zu der erbetenen Stellungnahme zwingen kann. Sie müssen sich aber darüber klar sein, daß ich aus der ausweichenden Haltung Ihres Instituts meine Schlüsse ziehe.

Ich habe keineswegs — wie Sie meinen — “vielschichtige Fragen” [371] gestellt, sondern ganz einfach nur nach den Dokumenten oder sonstigen Unterlagen für Behauptungen gefragt, die dem gesunden Menschenverstand unfaßbar erscheinen müssen und die hinsichtlich der technischen Durchführung der behaupteten Vorgange sogar weitgehend unglaubwürdig sind. Ich vermag nicht einzusehen, weshalb die Beantwortung dieser Fragen “eine Darlegung komplizierter Zusammenhänge” erfordert. Denn entweder gibt es Dokumente — und ich hätte mich mit Angabe der wichtigsten zufrieden gegeben (vgl. mein Schreiben vom 23.4. 1975) — oder es gibt sie nicht. Ich kann daher Ihre erwähnte Formulierung nur als verschleiertes Eingeständnis dafür werten, daß es für diese ungeheuerlichen Behauptungen, die bekanntlich zuerst in der alliierten Kriegspropaganda auftauchten, bis heute keine eindeutigen und einwandfreien Quellen gibt. Zu dieser Folgerung zwingt auch Ihr Hinweis, das Institut könne sich nicht “Art und Umfang seiner Recherchen und Studien vorschreiben lassen.” Das war auch gar nicht mein Anliegen.

Der von Ihrer Mitarbeiterin in die Diskussion eingeführte Hermann Langbein — ein aus vielen Gründen höchst zweifelhafter Gewährsmann — schreibt in seinem “Skeptikern gewidmeten” Buch “…Wir haben es getan” (Europa Verlag, Wien 1964) auf Seite 8 u.a.:

“Für die Wissenschaft sind die Fakten klar”.

Der Briefwechsel mit Ihrem Institut hat mir die Gewißheit gegeben, Daß jedenfalls diese Behauptung nicht zutrifft.

Hochachtungsvoll !

Dr. W. Stäglich

 

Anhang II

Verweigerung der Einsichtnahme in die Akten des Strafprozesses gegen Prof. Dr. Dr. J. P. Kremer

 

Mit Schreiben vom 10. Juni 1976 bat ich den Präsidenten des Landgerichts Münster, im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit über das KL Auschwitz die Akten des dort gegen den zeitweiligen Auschwitzarzt Prof. Dr. Dr. Kremer durchgeführten Strafprozesses (Aktenzeichen 6d Js 473/58) einsehen zu dürfen. Auf Wunsch der Staatsanwaltschaft Münster erläuterte ich meinen Antrag mit Schreiben vom 9. Juli 1976 unter Hinweis auf Kremers Tagebuch. Wörtlich führte ich in diesem Schreiben unter anderem aus: “Da einzelne wesentliche Passagen dieses [372] Tagebuchs — jedenfalls so, wie sie veröffentlicht wurden — nicht eindeutig sind, erscheint mir die Feststellung wichtig, wie Kremer sich hierzu wenn überhaupt — bei seinen Vernehmungen geäußert hat. Zum Zwecke dieser Feststellung erbitte ich die Akteneinsicht. Sollte sich auch das Original des Tagebuchs bei den Akten befinden, so wäre ich dankbar. wenn mir auch dieses zur Einsicht zur Verfügung stehen wurde.”

Daraufhin hörte ich zunächst 2 Monate hindurch nichts mehr. Mit Schreiben vom 9. September 1976 erinnerte ich daher an die Entscheidung über meinen Antrag. Auch daraufhin erfolgte keinerlei Reaktion. Als auch meine nochmalige Erinnerung vom 10. November 1976 — mehr als 6 Monate nach der Antragstellung! — unbeantwortet geblieben war, erhob ich am 10. Dezember 1976 Dienstaufsichtsbeschwerde bei dem Herrn Generalstaatsanwalt in Hamm. Jetzt erst bequemte sich die Staatsanwaltschaft Münster zu der nachstehenden Antwort: “Die Akten können Ihnen zur Einsichtnahme nicht zur Verfügung gestellt werden. weil nach den geltenden Bestimmungen eine Einsichtnahme durch Privatpersonen grundsätzlich nicht gestattet ist (Nr. 195 Abs.4,191 Abs. 1 der Richtlinien für das Straf- und Bußgeldverfahren).”

In meiner Beschwerde hiergegen an den Generalstaatsanwalt in Hamm machte ich im wesentlichen folgendes geltend: “Die Staatsanwaltschaft hat ihre ablehnende Entscheidung lediglich darauf gestutzt. daß nach den geltenden Bestimmungen eine Einsichtnahme durch Privatpersonen grundsätzlich nicht gestattet sei. Jeder Grundsatz läßt Ausnahmen zu. Ich hatte geltend gemacht, daß ich Einsichtnahme im Rahmen einer wissenschaftlichen Forschungsarbeit begehre und das auch mit Schreiben vom 9.7.1976, auf das ich mich beziehe, naher begründet. § 185 Abs. 3 der Richtlinien in ihrer ab 1. 1. 1977 geltenden Fassung tragt dem jetzt ausdrücklich Rechnung. Es heißt dort: >Für wissenschaftliche Vorhaben wird Akteneinsicht gewahrt, wenn und soweit deren Bedeutung dies rechtfertigt und die Gewahr besteht, daß ein Mißbrauch der erlangten Kenntnisse nicht zu befürchten ist.< (zitiert nach Kleinknecht, StPO, 33. Aufl. 1977)

Ich meine, daß die Voraussetzungen in meinem Fall gegeben sind und Bedenken gegen die erbetene Akteneinsicht schon deshalb nicht bestehen durften, da Herr Prof. Kremer inzwischen wahrscheinlich langst verstorben ist.”

Der Herr Generalstaatsanwalt war nicht dieser Ansicht. Er entschied am 11. März 1977: “Nach § 185 Abs.5 RiStBV wird die Akteneinsicht Privatpersonen grundsätzlich versagt. Ausnahmsweise kann diesen für wissenschaftliche Vorhaben Einsicht gewahrt werden, wenn die [373] Bedeutung der Arbeit es rechtfertigt und die Gewahr besteht, Daß ein Mißbrauch der erlangten Erkenntnisse nicht zu befürchten ist (Nr. 185 Abs. 3 RiStBV).

Sie haben nicht nachgewiesen, Daß Ihre Forschungsarbeit von wissenschaftlicher Bedeutung ist. Auch haben Sie keine Bescheinigung eines Instituts beibringen können, aus der sich die Bedeutung Ihrer Arbeit für die Zeitgeschichte ergibt. In Ihrem Schreiben vom 9.7.1976 an den Leitenden Oberstaatsanwalt in Münster haben Sie mitgeteilt, Daß Ihre Arbeit auf privater Basis, also nicht im Auftrag eines Instituts oder einer Organisation gefertigt wird. Sie hatten sich auch noch nicht entschlossen, ob Sie Ihre Forschungsarbeit dem Institut für Zeitgeschichte in München anbieten wollten.

Ihr lediglich privates Interesse erfüllt jedoch die Voraussetzungen für die Gewährung einer Akteneinsicht nach Nr.185 RiStBV nicht. Ich muß Ihre Beschwerde daher zurückweisen.”

Ein Kommentar hierzu erübrigt sich.

 

Anhang III

Verweigerung der Einsichtnahme in die Akten des ersten

 

Frankfurter Auschwitz-Prozesses

 

 

Mit Schreiben vom 10. Juni 1976 bat ich den Präsidenten des Landgerichts Frankfurt, im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit die Akten des ersten Frankfurter Auschwitz-Prozesses (Strafsache 4 Ks 2/63 gegen Mulka und andere) einsehen zu dürfen. Auf Ansuchen der Staatsanwaltschaft Frankfurt vom 2. Juli 1976 begründete ich meinen Antrag noch ausführlich mit Schreiben vom 9. Juli 1976. Zwei Monate später- am 9. September 1976 — erinnerte ich an die noch ausstehende Entscheidung über meinen Antrag. Mir wurde daraufhin mit Schreiben der Staatsanwaltschaft vom 30. September 1976 mitgeteilt, daß mein Gesuch um Akteneinsicht dem Herrn Hessischen Minister der Justiz in Wiesbaden zur Entscheidung vorgelegt worden sei. Offensichtlich traute sich die Staatsanwaltschaft nicht, in dieser Sache selbst eine Entscheidung zu treffen, obwohl das in ihrer Zuständigkeit gelegen hätte!

Mit Schreiben vom 26. November 1976 lehnte der Hessische Minister der Justiz meinen Antrag unter Hinweis darauf ab, daß nach den ” Richtlinien für das Strafverfahren” Privatpersonen und privaten Einrichtungen die Einsicht in Strafakten grundsätzlich zu versagen sei.

[374] Ich bat daraufhin mit Schreiben vom 10. Dezember 1976 um eine nochmalige Überprüfung dieser Entscheidung, wobei ich unter anderem folgendes ausführte: “Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Rechtslage so eindeutig ist, wie Sie es in Ihrem Schreiben darstellen, da andernfalls schon die Staatsanwaltschaft Frankfurt über meinen Antrag hätte entscheiden können. Ich habe die Akteneinsicht nicht aus privaten Gründen als Privatmann, sondern im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit erbeten, die letztlich — wie ich in meinem Schreiben vom 9.7. bereits andeutete — der Allgemeinheit zugute kommen soll. Alle Welt beruft sich heute bei der Darstellung des Auschwitz-Komplexes auf die Ergebnisse des sog. Auschwitz-Prozesses. Es muß daher bei einer wissenschaftlichen Bearbeitung dieses zeitgeschichtlichen Themas doch auch einem Privatmann möglich sein, die Grundlagen der Prozeßergebnisse in seine Forschungsarbeit einzubeziehen. Es kann nicht der Sinn der von Ihnen angeführten Richtlinien sein, derartige Forschungsarbeiten zu behindern.”

Meine Gegenvorstellung hatte jedoch keinen Erfolg. Seine erneute Ablehnung meines Antrags begründete der Minister wörtlich wie folgt: “Auch nach nochmaliger Überprüfung des Vorgangs sehe ich mich nicht in der Lage, Ihnen die gewünschte Akteneinsicht zu gewahren. Die Schutzinteressen der an dem Verfahren Beteiligten sind gegenüber Ihrem privaten Interesse an einer wissenschaftlichen Auswertung der bezeichneten Strafakten vorrangig.”

Bleibt die Frage, wessen Interessen hier wovor geschützt werden müssen. Ob ein jüdischer Antragsteller wohl dieselbe oder eine ähnliche Antwort erhalten hätte? Ich wage das zu bezweifeln!

 

ANMERKUNGEN

Die Anmerkungen sind zum Verständnis des Textes nicht unbedingt erforderlich. Sie enthalten im wesentlichen die Quellenbelege. Dem Leser, der sich mit dem Stoff gründlicher befassen mochte, sollen sie darüber hinaus ergänzende, vertiefende und weiterführende Hinweise geben.

160) Wenn die angeblichen Judenvergasungen wirklich stattfanden, hätte Breitwieser strafrechtlich mindestens als Gehilfe oder sogar als Mittäter angesehen werden müssen, da er ja als Leiter des Desinfektionskommandos auch das Zyklon B zu verwalten hatte und deshalb über die Verwendung dieses Entwesungsmittels im Bilde sein mußte. Den Prozeßdokumentationen zufolge hatte Breitwieser diese Dienststellung schon zu der Zeit inne, als mit den angeblichen “Vergasungen” begonnen wurde (Oktober 1941). Der Einsatz von Zyklon B zu den behaupteten Tötungszwecken setzte eine entsprechende Schulung der Desinfektoren voraus, die nicht ohne Breitwiesers Wissen hätte stattfinden können .

Zu Breitwiesers Aussagen siehe Naumann aaO. Seiten 70ff. und Langbein, “Der Auschwitz-Prozeß”, Seiten 786ff., 791.

161) Naumann aaO. Seiten 272-273 und 279ff.; Langbein, “Der Auschwitz-Prozeß”, Band 2, Seiten 873ff., 900.

162) Diese Regelung gilt heute nicht mehr. Nach § 27 Abs.2 StGB, der an die Stelle des früheren § 49 StGB (Beihilfe) getreten ist, ist die Strafe des Gehilfen in jedem Fall nach den Grundsätzen der Strafmilderung zu ermäßigen (hierzu § 49 StGB neuer Fassung).

163) Vgl. zum Vorstehenden Naumann aaO. Seiten 270ff., 287, 289; Langbein, “Der Auschwitz-Prozeß”, Band 2, S.871 ff.,889 ff.898 f. Bednarek, ein als politischer Schutzhäftling in Auschwitz inhaftierter Volksdeutscher aus Polen (Naumann aaO. S.35), gehörte vermutlich zu jenen Häftlingsfunktionären, die sich während ihrer Lagerzeit korrekt verhalten und es nach dem Kriege abgelehnt hatten, sich in den Dienst der Greuelpropaganda zu stellen. Andernfalls wäre er kaum auf die Anklagebank gekommen. Denn alle Häftlingskomiteesauch das Internationale Auschwitz-Komitee in Wien — sind Schöpfungen der früheren Lagerhierarchie; wer in ihrem Sinne arbeitete, war vor Verfolgung sicher.

164) Naumann aaO. Seite 274.

165) Soweit im folgenden auf die Urteilsgründe Bezug genommen wird, sind die betreffenden Seitenzahlen in Klammern hinter dem Text eingefügt. Ich habe sie nach der Urteilsabschrift zitiert, die mir einige Tage zur Verfügung stand. Meines Wissens wurde das Urteil bisher weder ganz noch in Auszügen amtlich veröffentlicht. Siehe auch Anmerkungen 65 und 131 dieses Kapitels.

166) Die Sowjets fanden bei der Besetzung des Lagers Auschwitz, das im Januar 1945 gruppenweise evakuiert worden war, immer noch 4800 kranke und marschunfähige Häftlinge vor, die von der SS unter ärztlicher B etreuung dort zurückgelassen worden waren. Vgl. Anthologie, Band II, Teil 2, Seite 120. Über die letzten Tage in Auschwitz-Birkenau berichtet der ehemalige Häftlingsarzt Otto Wolken ebendort, Seiten 90ff. (Nachdruck in den Mitteilungen der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer — F.I.R. — Nr. 5/1974.)

167) Vgl. die bei Naumann (aaO. Seite 289) wiedergegebene Formulierung aus der mündlichen Urteilsbegründung gegen Bednarek.

168) Naumann aaO. Seite 90; Langbein, “Der Auschwitz-Prozeß”, Band 2, Seite 711.

169) Die in “Anatomie des SS-Staates” enthaltenen Prozeßgutachten legen sich insoweit bezeichnenderweise nicht fest. Broszat gibt in der Fußnote 1 auf Seite 159 von “Kommandant in Auschwitz” einige Anhaltspunkte, muß jedoch selbst bekennen: “Eine genaue Klärung dürfte hier jedoch kaum zu erlangen sein. “

Vgl. zu den angeblichen Opferzahlen Aretz, “Hexeneinmaleins einer Lüge”. Dort wird insbesondere auch die Erörterung der jüdischen Verlustzahlen zwischen dem Vorsitzenden des Schwurgerichts und dem Gutachter Broszat im Auschwitz-Prozeß behandelt (S. 53-54 aaO.).

170) Hofmann erhielt wegen eines Einzelmordes und Teilnahme an mehreren “Vergasungen” eine lebenslange Zuchthausstrafe. Sein “Geständnis” hat sich aber offenbar gelohnt. Nach Angaben von Butz (“Der Jahrhundertbetrug”, Seite 245) ist er inzwischen längst wieder auf freiem Fuß.

Stark, der zur Zeit seiner “Tat” erst 18 Jahre alt war und auf den noch das Jugendstrafrecht zur Anwendung kam, wurde zu 10 Jahren Jugendstrafe verurteilt. Auch er wird vermutlich vorzeitig entlassen worden sein.

171) Vgl. zum folgenden Naumann aaO. Seiten 279-289 und Langbein, “Der Auschwitz-Prozeßa, Band 2, Seiten 873899.

172) Vgl. zum ganzen die einschlägigen Kommentare zu § 49 StGB alter Fassung. Auf die oft schwierige Abgrenzung zwischen Mittäterschaft und Beihilfe einzugehen, ist hier nicht erforderlich. Denn die “Tathandlungen” der Angeklagten des Auschwitz-Prozesses waren — wie gezeigt wurde — vom angeblichen Mordgeschehen durchweg so weit entfernt, daß dieses Problem hier gar nicht auftauchen konnte.

173) Vgl. hierzu nochmals oben Seiten 21 ff. Für den Frankfurter Generalstaatsanwalt Dr. Fritz Bauer stellte sich die Situation im Hinblick hierauf “äußerst einfacha dar. Er schrieb in einer 1965 erschienenen Abhandlung (enthalten in der im Verlag H. Hammerschmidt erschienenen Sammlung “Zwanzig Jahre danach”, München-Wien-Basel,1965, Seiten 301-314) zur Schuldfrage folgendes: “Es existierte ein Befehl, Millionen Menschen in dem von den Nazis beherrschten Europa auszurotten. Auschwitz, Treblinka usw. waren Werkzeuge des Mordes. Wer an diese Mordmaschinerien Hand anlegte, wurde Mitschuldiger des Mordes, abgesehen davon, was er tat.” (Zitiert nach Anthologie, Band I, Teil 2, S. 255)

Eine für einen so hohen Juristen im Inhalt und in der Diktion geradezu erschütternde Aussage, die für die geistige Einstellung dieses Mannes bezeichnend ist. Auf ein so niedriges Niveau mochte sich nicht einmal das ebenfalls von Vorurteilen beherrschte Auschwitz-Gericht begeben.

174) Im Rahmen der Legende mußte dem Entwesungsmittel Zyklon B deshalb eine Doppelrolle angedichtet werden. Vgl. hierüber Butz, “The Hoax…”, Seiten 104-109; deutsche Ausgabe, Seiten 136-141.

175) Vgl. Ziffer 7 seines Plädoyers zu grundsätzlichen Fragen vom 10.6.1965 in “Die andere Seite im Auschwitz-Prozeß”, Seiten 185ff. Es ist interessant, festzustellen, daß das Schwurgericht Münster sich in dem gegen Kremer nach dessen Entlassung aus polnischer Haft durchgeführten Strafprozeß (vgl. oben Seite 121) ebenfalls schon auf diesen Standpunkt gestellt haben soll. Es sah Beihilfehandlungen Kremers nicht in dessen Teilnahme an Selektionen, sondern in der “Tatsache, daß er während der Sonderaktionen und bei den Gaskammern zum Schutz der desinfizierenden SS-ler tätig war” (Anthologie, Band I, Teil 2, Seite 48).

176) Reitlinger aaO., Seite 112; “Anatomie des SS-Staates”, Band 2, Seiten 129ff. (Broszat) und 391ff. (Krausnick).

Rudolf Höß wurde eine entsprechende Aussage bezeichnenderweise erst in den Krakauer Aufzeichnungen in den Mund gelegt. Vgl. “Kommandant in Auschwitz”, Seiten 158-159,167 ff. In Nürnberg hatte er noch nichts davon erwähnt.

177) Siehe Anmerkung 110 zu Kapitel 3.

Vgl. hierzu auch Butz, “The Hoax…”, Seiten 108ff.; deutsche Ausgabe Seiten 141ff.

178) Vgl. auch Langbein, “Der Auschwitz-Prozeß”, Band 2, Seite 878.

179) Bei den Ungarntransporten ging das Gericht z.B. einmal von 1000 Gaskammeropfern je “Selektion” (bei Dr. Lucas) und dann wieder von 2000 Gaskammeropfern je “Selektion” (bei Dr. Capesius) aus, ohne diese unterschiedlichen Schätzungen näher zu begründen (Urteilsgründe S. 492, 580-581); vgl. auch Langbein, “Der Auschwitz-Prozeß”, Band 2, Seiten 889-891. Allerdings hatte Dr. Lucas “Einsicht” gezeigt, während Dr. Capesius alles bestritten hatte. Das kam auch im Strafmaß zum Ausdruck: Dr. Lucas erhielt eine Freiheitsstrafe von nur 3 Jahren und 3 Monaten, Dr. Capesius dagegen eine solche von 9 Jahren.

180) Soldan/Heppe aaO. Band I, Seite 322; vgl. auch Seiten 195f. aaO.

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Ende Teil 14

BUCHENDE

 

( Fonte: www.aaargh.codoh.info )

Der Auschwitz Mythos – Legende oder Wirklichkeit – Dr. Wilhelm Stäglich (Teil 13)

24 Ott

Der Auschwitz Mythos


Dr. Wilhelm Stäglich

 

 

Viertes Kapital: Der Auschwitz-Prozeß

I. GERICHTSVERFAHREN ALS GESCHICHTSQUELLE?–

 

ANSPRUCH UND WIRKLICHKEIT

 

Teil 13

[315]

2. Die Prozeßbeteiligten

a) Gericht und Verhandlungsführung

Ob ein Strafprozeß wie der Auschwitz-Prozeß der ihm zugedachten Rolle eines Schauprozesses tatsächlich entspricht, hängt vor allem von den Richtern, insbesondere dem Vorsitzenden des Gerichts, ab (73). Läßt sich der Vorsitzende bei seiner Verhandlungsführung ausschließlich von dem Gesichtspunkt leiten, nur die strafrechtlich erforderlichen Feststellungenzu treffen und alles zu vermeiden, was einem etwa erwünschten politischen Demonstrationseffekt dienen könnte, so ist damit eine solche Zielsetzung weitgehend, wenn nicht ganz, ausgeschaltet. Die Hauptverhandlung im Auschwitz-Prozeß zeigte leider ein anderes Bild, wobei dahingestellt bleiben kann, ob das dem Vorsitzenden und seinen Mitrichtern überhaupt zum Bewußtsein gekommen ist. Immerhin sah sich der Vorsitzende des Gerichts, Senatspräsident Hofmeyer, aber veranlaßt, in seiner mündlichen Urteilsbegründung ausdrücklich den von einigen Verteidigern erhobenen Vorwurf zurückzuweisen, daß es sich bei diesem Prozeß um einen “politischen Prozeß” und einen “Schauprozeß” gehandelt habe. Er meinte hierzu, der ganze Ablauf des Verfahrens habe jedem Teilnehmer gezeigt, daß “dieser Prozeß alles andere war als ein Schauprozeß, bei dem die Entscheidung von vornherein feststeht und das Verfahren selbst nichts anderes ist als eine Farce, um der Öffentlichkeiteine Schau zu geben.” (74) Diese Erklärung, die in den schriftlichen Urteilsgründen nicht wiederholt wurde, ist für sich allein schon bezeichnend genug. Es sollte nämlich eigentlich selbstverständlich sein und keiner besonderen Erwähnung bedürfen, daß es in einem Rechtsstaat Schauprozesse nicht gibt. Über einen solchen Vorwurf müßten also Richter, die sich insoweit nichts vorzuwerfen haben, erhaben sein.

Im übrigen ist eine “von vornherein feststehende Entscheidung” in dem Sinne, daß alle Angeklagten auch verurteilt werden, durchaus nicht das wesentliche Kennzeichen eines Schauprozesses, falls der GerichtsVorsitzende etwa das mit seiner Bemerkung gemeint haben sollte. Wäre es so, dann wären nämlich auch die Nürnberger [316] “Kriegsverbrecher”-Prozesse der Alliierten keine Schauprozesse gewesen, weil in diesen Verfahren — wie im Auschwitz-Prozeß — Angeklagte freigesprochen wurden. Entscheidend ist vielmehr, ob die sonst in einem Rechtsverfahren üblichen Regeln und Maßstäbe zugunsten eines politischen Demonstrationseffekts vernachlässigt oder gar überhaupt nicht beachtet werden, was selbstverständlich die Anwendung gewisser formaljuristischer Grundregeln nicht ausschließt. Denn auch Schauprozesse sollen ja nach Möglichkeit den Anscheinvon Rechtsanwendung erwecken.

Der Auschwitz-Prozeß war in seinem gesamten Ablauf erkennbar von dem Bestreben- auch des Gerichts — beherrscht, das politisch erwünschte Auschwitz-Bild als eine unanfechtbare historische Tatsache herauszustellen. Auschwitz galt auch für die Richter von vornherein als das Zentrum einer durch die deutsche Führung planmäßig vorbereiteten und durchgeführten Vernichtung von Millionen Juden. Alles prozessuale Bemühen zielte in erster Linie auf die Erhärtung dieser “Tatsache” und deren umfassende Darstellung für die Öffentlichkeit ab. Widerspruch hiergegen war anscheinend schon während der Verhandlungen undenkbar, eine Erscheinung, die ebenfalls zum Wesen aller Schauprozesse gehört. Bezeichnend ist insoweit Laternsers Feststellung, daß fast alle deutschen Zeugen einen “regelrecht eingeschüchterten Eindruck” machten (75).

Allerdings soll der Vorsitzende des Schwurgerichts bei seiner mündlichen Urteilsbegründung erklärt haben, daß es nicht Aufgabe des Gerichts gewesen sei, dem in diesen Prozeß hineingetragenen Wunsch (!) nachzukommen, durch eine umfassende geschichtliche Darstellung des Zeitgeschehens “Vergangenheit zu bewältigen”; das Gericht habe allein “die Begründetheit der Anschuldigungen zu überprüfen” und nicht “andere Ziele anzustreben” gehabt (76). Diese zweifellos richtige Ansicht hatte jedoch nur den Charakter einer Deklamation. Die Tatsachen sprechen eine andere Sprache. Das Gericht gab dem zeitgeschichtlichen Rahmen von Auschwitz — wie wir noch im einzelnen sehen werden — in verschiedenster Hinsicht breiten Raum, übernahm große Teile davon in die schriftlichen Urteilsgründe, obwohl das nicht erforderlich gewesen wäre, und machte sogar die (unbewiesene) Gaskammer-Legende zur Strafbarkeitsgrundlage für Handlungen der Angeklagten, die für sich allein keinerlei Beziehung zum strafrechtlichen Tatbestand des Mordes oder irgendeiner anderen strafbaren Handlung gehabt hätten. Es kann also keine Rede davon sein, daß das Gericht sich darauf beschränkte. “die Begründetheit der Anschuldigungen zu überprüfen”. Es hat — genau genommen — nicht einmal das getan! Damit aber gaben die Richter [317] dem Verfahren — bewußt oder unbewußt — tatsächlich den Charakter eines Schauprozesses.

Es mag sein, daß das Gericht und besonders sein Vorsitzender unter dem Einfluß der Massenmedien selbst davon überzeugt waren, daß Auschwitz ein “Vernichtungslager” gewesen war, in dem tatsächlich Millionen von Juden — vorzugsweise durch Gas — getötet wurden. Die Mediengläubigkeit selbst intelligenter Menschen ist eine leider immer wieder zu beobachtende Tatsache und geradezu ein Kennzeichen unserer modernen Zeit geworden. Ein kritischer Blick in die zeitgeschichtliche Literatur hätte freilich dem Gericht zumindest die Zweifelhaftigkeit dieser Propagandabehauptung vor Augen führen müssen. Doch zu einer gründlichen kritischen Auseinandersetzung mit dieser Materie fehlte den Richtern entweder die Zeit oder — der Mut.

Es ist aber auch nicht auszuschließen, daß die Richter oder wenigstens der eine oder andere von ihnen trotz besseren Wissens oder einiger Zweifel es einfach nicht für opportun hielten, die Judenvernichtungslegende auch nur im geringsten anzutasten. Laternser hatte den Eindruck, daß der Vorsitzende sichtlich bestrebt war, auf keinen Fall nach außen hin einen “Fehler” zu begehen, der in der Presse negativ erörtert werden konnte” (77). Gerichtlich geäußerte Zweifel an der Auschwitzlegende mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen wären fraglos ein solcher Fehler gewesen. Jeder mag sich selbst die Folgen solchen “Ketzertums” ausmalen.

Doch mag es gewesen sein, wie es will. Die sich aus dem “Vorurteil” des Gerichts ergebenden Folgen gaben dem Prozeß auf jeden Fall jenes Gepräge, das für die Richterbank eines Schauprozesses typisch ist und das in einer unsachlichen und voreingenommenen Verhandlungsführung ebenso seinen Ausdruck findet, wie in einer einseitigen und durchaus unzureichenden Beweiserhebung, die dem politischen Anspruch der Veranstalter des Verfahrens Rechnung trägt. Hierdurch und mit Hilfe der einerbreiteren Öffentlichkeit immer wieder eingehämmerten “Ergebnisse” eines so geführten Prozesses wird dann auch zumeist das Ziel erreichtf dem zu dienen der Schauprozeß bestimmt war. Ob die Richter das wollen oder auch nur erkennen, ist letztlich gleichgültig.

Für die schauprozeßtypische Haltung des Auschwitz-Gerichts und insbesondere seines Vorsitzenden liefert das Buch von Laternser eine Fülle von Beispielen, von denen hier nur einige herausgestellt werden können (78). Sie kommt sogar in den Prozeßdokumentationen von Langbein und Naumann zum Audruck, obwohl das gewiß nicht die Absicht der Verfasser war.

[318] Bezeichnend für das “Prozeßklima” war schon die Bemerkung des Vorsitzenden im Anfangsstadium des Verfahrens, in diesem Prozeß komme dem “Hörensagen” eine “erhöhte Bedeutung” zu, weil seit den Ereignissen eine so lange Zeit verstrichen sei (79). Das läßt einen Juristen auflhorchen, weil ein nur auf “Hörensagen” beruhendes Zeugnis in einem normalen Strafverfahren sofort zurückgewiesen werden würde. Denn zu den Grundregeln einer sorgfältigen Beweiserhebung gehört es, grundsätzlich nur das eigene Wissen eines Zeugen zu berücksichtigen. Der Vorsitzende des Schwurgerichts hielt es also offensichtlich nicht für nötig oder jedenfalls nicht für zweckmäßig, dieses Verfahren so wie ein normales Strafverfahren durchzuführen. Angesichts dieser bemerkenswerten “Großzügigkeit” bei der Sachverhaltsermittlung konnte natürlich jeder Zeuge das Blaue vom Himmel herunterlügen! Nur am Rande sei noch vermerkt, daß die vom Vorsitzenden gegebene Begründung für die Zulassung des Zeugnisses vom “Hörensagen” in diesem Prozeß geradezu unlogisch war. Jedem Rechtspraktiker ist bekannt, daß Zeugen nicht einmal eigenes Erleben nach einer Reihe von Jahren noch zutreffend wiedergeben können, sofern sie nach ihrer physischen und geistigen Veranlagung überhaupt hierzu imstande sind. Um wieviel mehr aber muß das gelten, wenn — ohnehin voreingenommene — Zeugen nach fast zwei Jahrzehnten nur Gehörtesberichten. Trotzdem hörten die Richter im Auschwitz-Prozeß sich stundenlang solches Lagergeschwätz an, sobald esinAdas erwünschte Auschwitz-Bild paßte, der “Schau” also dienlich war (80).–

Die Behandlung der Zeugen durch das Gericht ließ jedes richterliche Gleichmaß vermissen und stand damit ebenfalls in einem auffallenden Gegensatz zu den Gepflogenheiten eines normalen Strafverfahrens. Alle Belastungszeugen — sie kamen fast ausschließlich aus dem Ausland — wurden mit größter Rücksicht und Zuvorkommenheit behandelt. Kaum einmal wagten es die Richter, ihre Angaben ausdrücklich in Zweifel zu ziehen, selbst wenn diese noch so phantastisch waren. Aussagen von Belastungszeugen wurden durch das Gericht grundsätzlich auch nicht anhand anderer Umstände überprüft, wie das in normalen Strafverfahren regelmäßig der Fall ist. Entsprechenden Versuchen der Verteidigung wurden vielmehr alle erdenkbaren prozessualen Schwierigkeiten in den Weg gelegt. Entlastenden Aussagen gegenüber legte das Gericht dagegen erkennbar größte Skepsis an den Tag. Zeugen der Verteidigung, die früher einmal selbst der SS angehört hatten, riskierten ihre eigene Verhaftung noch im Gerichtssaal, wenn sie nicht wenigstens ein Mindestmaß der vor diesem Gericht geübten “Sprachregelung” wahrten [319] oder wenn ihre Aussagen auch nur den geringsten Verdacht einer Teilnahme an den behaupteten Judenmorden auflkommen ließ. Demgegenüber hatten ausländische Belastungszeugen offenbar eine Art Freibrief. Sie konnten selbst dann wieder unbehelligt in ihre Heimatländer zurückreisen, wenn sie offensichtlich einen Meineid geleistet hatten oder selbst des Mordes an Mithäftlingen verdächtig waren (81).

Unsachlichkeit und Voreingenommenheit des Gerichts kam aber ganz besonders in der allgemeinen Einstellung der Richter gegenüber den Angeklagten zum Ausdruck. Kennzeichnend hierfür war die zweifellos auch im Namen der übrigen Richter gemachte Bemerkung des Vorsitzenden in der Sitzung vom 23. Juli 1965, das Gericht wäre weitergekommen, wenn die Angeklagten vom ersten Tage an die reine Wahrheit gesagt hätten (82). Das war eine fast unglaubliche pauschale Abwertung sämtlicher Angeklagten, die durch nichts begründet und mit dem in normalen Strafprozessen selbstverständlichen Gebot richterlicher Zurückhaltung kaum vereinbar war. Übrigens griff der Vorsitzende diesen Vorwurf in seiner mündlichen Urteilsbegründung nochmals auf, indem er meinte, die Angeklagten hätten keinen Anhaltspunkt für die Erforschung der Wahrheit gegeben, im wesentlichen geschwiegen und zum größten Teil die Unwahrheit gesagt. Er knüpfte daran die weitere Bemerkung, daß die Angeklagten sich unter diesen Umständen nicht beschwert fühlen könnten, wenn das Gericht in dem einen oder anderen Fall den Zeugen gefolgt sei; denn sie hätten es unterlassen, die Zeugenaussagen “mit der wahrheitsgemäßen Darstellung” zu berichtigen (83). Das heißt nichts anderes, als daß das Gericht den Zeugen nicht etwa glaubte, weil ihre Darstellung glaubwürdig war, sondern weil die Angeklagten hierzu geschwiegen bzw. etwas anderes gesagt hatten, was ihr gutes Recht war. Man könnte es auch so formulieren: “Wahrheitsgemäß” war immer das, was das Gericht hören wollte.

Man wird dem vielleicht entgegenhalten, daß es auch in anderen Strafprozessen unsachliche und voreingenommene Richter gibt. Bei aller grundsätzlichen Richtigkeit dieses Einwandes muß man aber dennoch sagen, daß die einseitige Haltung des Auschwitz-Gerichts und insbesondere seines Vorsitzenden sich von unsachlichen richterlichen Entgleisungen in anderen Gerichtsverfahren nicht nur umfangmäßig, sondern auch qualitativ erheblich unterschied. Diesen Eindruck gewinnt man aus allen Prozeßdokumentationen, also nicht allein aus dem Bericht Laternsers.

Bei dieser Sachlage erscheint es beinahe als selbstverständlich, daß der Gerichtsvorsitzende so gut wie nie bei gegen die Angeklagten oder [320] gegen Verteidiger gerichteten Zurufen und Anpöbeleien aus dem Publikum eingriff, daß er Verteidigern wie Angeklagten häufig das Wort abschnitt, sachdienliche Fragen der Verteidiger oder Angeklagten nicht zuließ und diese so schließlich dahin brachte, ihre prozessualen Rechte kaum noch wahrzunehmen. Für dieses Verfahren schienen wirklich andere Regeln zu gelten als in sonstigen Strafverfahren (84).

Es kann unter diesen Umständen niemand wundern, daß die Verteidigung sich — wie Laternser mehrfach zum Ausdruck gebracht hat (85) — durch die ganze Art der Prozeßführung nachhaltig behindert fühlte. Damit mag vielleicht zum Teil auch die eigenartige Tatsache zusammenhängen, daß Verteidiger und Angeklagte es zu keiner Zeit wagten, die Funktion von Auschwitz als “Vernichtungslager” oder die Existenz von Gaskammern in Auschwitz anzuzweifeln. Denn wenn Vorsitzender und richterliche Beisitzer — wie alle Prozeßdokumentationen ausweisen — schon durch ihre Fragen an Angeklagte und Zeugen insoweit eine deutliche Voreingenommenheit erkennen ließen, mußte es zwecklos, wenn nicht gar schädlich erscheinen, hiergegen anzugehen. Das Gericht erfüllte insoweit die ihm von den Hintermännern des Prozesses zugedachte Aufgabe vorbildlich.

Zusammenfassend läßt sich die durch die einseitige Haltung des Gerichts hervorgerufene schauprozeßtypische Prozeßatmosphäre kaum besser und zutreffender kennzeichnen als durch die Worte des profiliertesten Verteidigers, des Rechtsanwalts Dr. Laternser. Er stellte fest (86):

“In den größeren internationalen Strafprozessen, in denen ich mitgewirkt habe. hat es zu keiner Zeit — auch nicht vor dem Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg — eine so gespannte Atmosphäre wie im Auschwitz-Prozeß gegeben. Jene Verfahren waren sämtlich von einen weitaus sachlicheren Atmosphäre getragen, obwohl sie kurz nach Beendigung der kriegerischen Ereignisse stattfanden.”

Ein vernichtenderes Urteil über diesen Prozeß läßt sich nicht treffen. wenn man bedenkt, auf wie harte Kritik gerade die von Laternser hier vergleichsweise angesprochenen Siegerprozesse der Nachkriegszeit schon immer gestoßen sind, und zwar nicht zuletzt in den Siegerstaaten selbst. Heute wird kaum noch bestritten, daß es sich bei ihnen um reine Schauprozesse handelte.

Ein nicht weniger vernichtendes Urteil über den Vorsitzenden des Schwurgerichts fällte schon wenige Tage nach Prozeßbeginn eine Schweizer Zeitung, wenn sie schrieb, daß dieser Vorsitzende wohl “der beste Staatsanwalt im Saal” sei (87).

[321] Dem braucht nichts mehr hinzugefügt zu werden, es sei denn die FeststellungX daß in einer solchen Prozeßatmosphäre ganz gewiß keine geschichtlichen Wahrheiten aufgedeckt werden.

b) Staatsanwaltschaft und Nebenklagevertreter

Die am Auschwitz-Prozeß beteiligten Staatsanwälte und Nebenklagevertreter (88) trugen durch Überbetonung der politisch-zeitgeschichtlichen Seite des Verfahrens sehr wesentlich dazu bei, diesem den Charakter eines Schauprozesses zu verleihen. Für die Ankläger waren alle Angeklagten offenbar schon deshalb schuldig, weil sie im “Vernichtungslagera Auschwitz überhaupt Dienst verrichtet hatten. Eine Ausnahme machten sie nicht einmal bei dem in Auschwitz als Zahnarzt tätig gewesenen Angeklagten Dr. Schatz, obwohl nicht ein einziger Zeuge zur Belastung dieses Angeklagten aufgeboten werden konnte. Die Staatsanwaltschaft beantragte gegen ihn trotzdem lebenslanges Zuchthaus, während einer der Nebenklagevertreter sogar “30.000mal lebenslanges Zuchthaus” verlangte, ein Antrag, den Laternser mit Recht als “kurios” bezeichnete (89).

Staatsanwälte und Nebenklagevertreter erwiesen sich also kaum als Diener des Rechts, was von den Nebenklagevertretern wohl ohnehin niemand erwartete, wohl aber als Handlanger und Repräsentanten jener politischen Kräfte, die von Anfang an einen Schauprozeß gewollt hatten. Es wurde bereits darauf hingewiesen (oben Seite 291), daß die Staatsanwaltschaft in politischen Prozessen ihre gemäß § 160 Abs. 2 StPO bestehende Pflicht, auch die zur Entlastung des Beschuldigten dienenden Umstände zu ermitteln, häufig genug vernachlässigt. Das liegt in der Natur der Sache, weil solche Prozesse stets auf höhere Weisung eingeleitet werden und es deshalb selbst einem sonst korrekten Staatsanwalt kaum ratsam erscheinen wird, den Zielvorstellungen seiner politischen Auftraggeber entgegen zu handeln. Der Auschwitz-Prozeß machte hiervon keine Ausnahme. Nur der jüngste Vertreter der Anklagebehörde, der Gerichtsassessor und spätere Staatsanwalt Wiese, soll es mitunter gewagt haben, auch Fragen zur Entlastung der Angeklagten zu stellen (90). Im allgemeinen jedoch existierte für die Staatsanwaltschaft die Pflicht zur Ermittlung entlastender Umstände anscheinend nicht. Nicht einmal dle meist sehr zweifelhafte Frage der Glaubwürdigkeit der Zeugen schien die Staatsanwaltschaft zu interessieren. Für sie galt — wie Laternser meint — als Faustregel, daß ausländische Zeugen stets die Wahrheit sagen, daß deutschen Zeugen nur mit größer Vorsicht zu begegnen ist [322] und daß die Aussagen früherer SS-Angehöriger in der Regel unglaubwürdig sind. Auch scheuten einzelne Staatsanwälte sich nicht, Verteidiger und Angeklagte persönlich und in teilweise beleidigender Form anzugreifen, was in einem normalen Strafverfahren undenkbar wäre. Sie konnten sich das leisten, weil der Vorsitzende derartige Verstöße gegen eine sachliche Amtsführung regelmäßig unbeachtet ließ und selbst ausdrücklichen Rügen der Verteidiger nicht immer Beachtung schenkte (91). Es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, wie diese Staatsanwälte die Angeklagten schon in dem sich über Jahre hinziehenden Ermittlungsverfahren seelisch zermürbt haben mögen. Die Wahrheitsfindung dürfte daher durch die Staatsanwaltschaft eher behindert als gefördert worden sein, was indessen völlig der Rolle der Ankläger in einem Schauprozeß entspricht.

Bei ihrem Bemühen, das politisch geforderte Bild von Auschwitz auf dem Rücken der Angeklagten zu entwickeln, wurde die Staatsanwaltschaft durch die sog. Nebenklagevertreter nachhaltig unterstützt. Für sie bestand freilich auch keine Rechtspflicht zur objektiven Wahrheitsfindung. Sie hatten nach ihrer Stellung im Prozeß lediglich die Vertretung der Angehörigen angeblicher Auschwitz-Opfer wahrzunehmen. Ihnen kam es offenbar — wie Laternser hervorhebt — besonders darauf an, in der Öffentlichkeit durch rechtlich unzutreffende Anträge unrichtige Vorstellungen über die Zahl der Opfer zu erwecken und damit Aufsehen zu erregen (92). Der Nebenklagevertreter Kaul versuchte darüber hinaus wiederholt, im Gerichtssaal kommunistische Propaganda zu treiben und leitende Persönlichkeiten der westdeutschen Industrie mit dem KL Auschwitz in Verbindung zu bringen (93). Allein- schon die Tatsache, daß dieser Mann als profilierter Repräsentant eines kommunistischen Regimes überhaupt Gelegenheit erhielt, vor einem — angeblich — rechtsstaatlichen Gericht zu agieren, unterstreicht, daß der Auschwitz-Prozeß wirklich nichts weiter als ein Schauprozeß war.

c) Die Verteidigung

Die Verteidigung im Auschwitz-Prozeß bot leider kein geschlossenes Bild. Sie konnte sich kaum jemals zu einer gemeinsamen Haltung durchringen, wie Laternser mit einer gewissen Bitterkeit feststellt. Einige Verteidiger sollen seiner Darstellung nach sogar das gemeinsame Anwaltszimmer gemieden und es vorgezogen haben, sich in den Verhandlungspausen mit Staatsanwälten und Nebenklagevertretern zu unterhalten (94). Vermutlich wollten sie damit eine gewisse Distanzierung von den durch [323] sie vertretenen Angeklagten zum Ausdruck bringen, obwohl dieses Verhalten auch anders gedeutet werden kann. Man kann sich aber vorstellen, wie deprimierend und entmutigend schon das äußere Verhalten der Verteidiger auf die Angeklagten gewirkt haben muß. Wenn sie im Verlauf der Verhandlungen,wie wir noch sehen werden, in Grundsatzfragen kaum Widerstand leisteten und nur ihre eigene Haut zu retten suchten, so ist das zum Teil wohl darauf zurückzuführen.

Weit schwerwiegender und bemerkenswerter ist freilich die sich aus allen Prozeßdokumentationen ergebende Tatsache, daß auch nicht einer der Verteidiger die Grundlage des Prozesses — nämlich die Behauptung, Auschwitz sei ein “Vernichtungslager” gewesen — in Frage gestellt hat. Vielleicht wären dazu einige zeitgeschichtliche Studien erforderlich gewesen, wenn auch angesichts der geradezu absurden Behauptungen, von denen die Vernichtungslegende lebt, eigentlich schon der berühmte gesunde Menschenverstand Zweifel hätte aufkommen lassen müssen. Offensichtlich verließen sich alle Verteidiger insoweit aber allein auf das von der Medienpropaganda verbreitete Auschwitzbild, obwohl man von ihnen in diesem nicht nur für die Angeklagten bedeutsamen Strafprozeß gerade hinsichtlich der zeitgeschichtlichen Grundlagen eigentlich ein Mindestmaß an selbstständiger Information und von eigenständigem Denken hätte erwarten sollen. Zumindest hätte man erwarten dürfen, daß aus den Reihen der Verteidigung der Antrag gestellt wurde, einen profilierten Vertreter der Gegenmeinung und besonders guten Kenner der KL-Materie, den französischen Historiker Prof. Paul Rassinier, als Sachverständigen — etwa zur Frage der praktischen Durchführung der angeblichen “Vergasungen” oder der Echtheit der in diesem Prozeß eine gewisse Rolle spielenden Höß-Aufzeichnungen — zu hören. Rassinierswichtigste Bücher lagen bei Prozeßbeginn bereits in deutscher Sprache vor (95). Da kein einziger Verteidiger hierzu den Mut fand, ist auch die Verteidigung in ihrer Gesamtheit nicht von dem Vorwurf frei, sich ebenfalls schauprozeßtypisch verhalten zu haben, indem sie den mit dem Prozeß verbundenen politischen Bestrebungen nicht mit den gebotenen Mitteln und der im Interesse unseres ganzen Volkes liegenden notwendigen Festigkeit entgegentrat. Offenbar konnte oder wollte kein Verteidiger die über das Verfahren hinausgehende Bedeutung dieses Prozesses erkennen und dementsprechend handeln. Jeder von ihnen sah seineAufgabe allein darin, für “seinen” Angeklagten einen Freispruch oder doch wenigstens eine möglichst milde Bestrafung zu erreichen.

Das alles gilt leider auch für den standfestesten und deshalb nicht selten angegriffenen Verteidiger Dr. Laternser. Er versuchte zwar stets, [324] allen Beweiserhebungen, die über die angeblichen Tathandlungen der Angeklagten hinausgingen und erkennbar nur den politischen Bestrebungen des Prozesses dienen sollten, entgegenzutreten. Andererseits aber ließ er zu keiner Zeit einen Zweifel darüber, daß er die Sage vom “Vernichtungslager” und den “Gaskammern” für eine historische Tatsache hielt. Zu Beginn seines Grundsatzplädoyers stellte er in Übereinstimmung mit der Staatsanwaltschaft sogar ausdrücklich fest, daß es “noch niemals in der Geschichte eine Judenverfolgung von solch diabolischer Konsequenz und von solchem Ausmaß” gegeben habe wie “diejenige des nationalsozialistischen Regimes”. Und er behauptete weiter, daß allein die Entwicklung der Kriegslage und “nicht etwa Einsicht oder ein sonst anzuerkennendes Motiv” ursächlich dafür gewesen sei, daß “Hitler und seine Komplicen die Vernichtung der europäischen Juden” nicht mehr hätten vollenden können (96).

Ich bin mir nicht sicher, ob ein so kluger und erfahrener Jurist wie Laternser das wirklich selbst glaubte oder ob er sich nur aus prozeßtaktischen Gründen so verhielt. Für letzteres könnte u. a. sprechen, daß er von diesem Standpunkt aus ohne Rücksicht auf die Beweislage den Vorwurf zurückweisen konnte, die Angeklagten hätten bereits durch Teilnahme an einer “Selektion” sich der “Beihilfe zum Mord” schuldig gemacht, weil die dabei als “arbeitsunfähig” ausgesonderten Häftlinge jeweils unmittelbar danach “vergast” worden seien. Laternser hielt dem entgegen, daß Hitler die Tötung allernach Auschwitz deportierten Juden befohlen habe, so daß durch die “Selektion” in Wahrheit ein Teil der ankommenden Juden vor der unmittelbaren Vernichtung bewahrt geblieben sei. Da die anderen auch ohne “Selektion” in die “Gaskammern” gekommen wären, könne die bloße Teilnahme an einer “Selektion” strafrechtlich keine Bedeutung haben (97).

Abgesehen hiervon mag auch Laternser der Meinung gewesen sein. daß ein Angehen gegen die Vernichtungslegende hoffnungslos war und für die Angeklagten möglicherweise zusätzliche Nachteile mit sich bringen konnte. Wir kennen diese Einstellung schon aus den Nürnberger Prozessen; sie scheint aber überhaupt zum Wesen aller Schauprozesse zu gehören, auf deren politische Kernsubstanz sich die Angeklagten- sei es auf Grund rationaler tlberlegungen, sei es nach erfolgreicher Gehirnwäsche — fast ausnahmslos einzustellen pflegen. Wenn ein Verteidiger sich entsprechend verhält, dem von ihm verteidigten Angeklagten diese Haltung vielleicht sogar selbst aufnötigt, so mag das in Einzelfällen dem Angeklagten durchaus nützlich sein. Moralisch freilich ist dieses Vorgehen jedenfalls dann nicht zu billigen, wenn es wider besseres Wissen erfolgt.

325

d) Die Angeklagten

Bestreitet man die behaupteten Massenvergasungen von Juden in Auschwitz-Birkenau, so wird einem nicht selten erwidert, daß doch selbst die Angeklagten im Auschwitz-Prozeß diesen Tatbestand zugegeben hätten. Auch Langbein schreibt in seinem Buch “Menschen in Auschwitz” (Seiten 24-25): “Kein angeklagter SS-Angehöriger hat das Vorhandensein von Vergasungseinrichtungen in Auschwitz abzuleugnen versucht.”

Nun vermag zwar diese Behauptung den immer noch fehlenden Beweis für die Existenz von “Gaskammern” in Birkenau nicht zu ersetzen. Sonst ließe sich mit ebenso viel Recht behaupten, es gebe Hexen, weil auch die Angeklagten mittelalterlicher Hexenprozesse — zum Teil ohne Anwendung der Folter- “geständig” waren (98). Sie ist aber auch in dieser allgemeinen Formulierung irreführend. Die meisten der Angeklagten, an die überhaupt eine entsprechende Frage gerichtet wurde, erklärten, davon nur “gehört” zu haben. Lediglich zwei der Angeklagten (Stark und Hofmann) gaben zu, bei einzelnen “Vergasungen” beteiligt gewesen zu sein. Hierauf werde ich weiter unten noch zurückkommen. Ferner behauptete der Angeklagte Broad, eine “Vergasung” von Juden im alten Krematorium aus einem Versteck heraus beobachtet zu haben, eine Behauptung, deren Fragwürdigkeit schon im einzelnen nachgewiesen wurde (vgl. oben Seiten 189ff und 212ff). Eine ganze Reihe von Angeklagten (Boger, Schoberth, Bischoff, Scherpe, Neubert und Bednarek) äußerten sich jedoch zur Frage der Gaskammern nicht ausdrücklich, sofern die Prozeßdokumentationen insoweit vollständig sind. Vermutlich wurden sie auch nicht danach gefragt, weil die Anklagepunkte gegen sie anderer Art waren und zwei von ihnen schon in einem sehr frühen Stadium durch Tod (Bischoff) bzw. Krankheit (Neubert) aus dem Prozeß ausschieden. Hätte man sie gefragt, so würden sie allerdings die “Tatsache” der “Vergasungen” wohl ebenfalls nicht abgestritten haben.

Wenn Langbein in den einleitenden Betrachtungen zu seiner Prozeßdokumentation meint, daß nichts die Angeklagten habe daran hindern können, übertriebene Darstellungen zurückzuweisen und zu widerlegen (99), so erscheint das aus seiner Sicht zwar verständlich, wird aber den tatsächlichen Verhältnissen in keiner Weise gerecht. Eine “Widerlegung” der Gaskammerlegende war von diesen geistig durchweg einfach konstruierten Menschen ohnehin nicht zu erwarten. Möglicherweise glaubten sie auch selbst an irgendwann einmal gehörte Gerüchte dieser Art. Vor allem aber mußten die gesamte Prozeßatmosphäre, die [325] Einstellung aller anderen Prozeßbeteiligten einschließlich ihrer eigenen Verteidiger und der seelische Druck, dem alle Angeklagten schon während des jahrelangen Ermittlungsverfahrens ausgesetzt waren, bei ihnen eine weitgehende Anpassung an die gegebenen und anscheinend unveränderbaren Verhältnisse fast zwangsläufig zur Folge haben. Insofern war auch ihr Verhalten schauprozeßtypisch.

Es ist in Schauprozessen die Regel, daß die Angeklagten hinsichtlich des Tatbestandes, um dessentwillen ein solcher Prozeß überhaupt inszeniert wird, “geständig” sind, wobei es gleichgültig ist, ob dies die Folge einer “Gehirnwäsche” ist oder darauf beruht, daß die Angeklagten hierin einen Vorteil für ihre Verteidigung sehen. Im Auschwitz-Prozeß war im allgemeinen wohl letzteres der Fall, wenn es auch bei einigen Angeklagten ihrem Verhalten nach nicht ausgeschlossen erscheint, daß sie Opfer einer psychischen Beeinflussung geworden waren, die sie selbst an die “Massenvergasungen” glauben ließ. Wir kennen dieses Phänomen schon aus den Nürnberger Prozessen.

Für die Frage, ob die Aussagen der Angeklagten im Auschwitz-Prozeß zeitgeschichtliche Bedeutung haben, kommt es indessen nicht auf die “Geständnisse” als solche, sondern auf deren Inhalt und Glaubwürdigkeit an. Auch das Geständnis eines Angeklagten bedarf, wie bereits ausgeführt wurde, grundsätzlich einer Überprüfung anhand aller bekannten Umstände und Tatsachen, die Schlußfolgerungen auf den Wahrheitsgehalt der Aussage zulassen. Die Richter im Auschwitz-Prozeß kamen ihrer richterlichen Auflklärungspflicht jedoch auch dort nicht nach, wo es unbedingt erforderlich gewesen wäre, nämlich im Falle der Aussagen von Stark und Hofmann über ihre angebliche Beteiligung an Vergasungsaktionen. Hier hätte angesichts der Bedeutung dieses Tatbestands einerseits und der weitgehenden Unbestimmtheit ihrer Angaben andererseits durch Zusatzfragen noch eine ganze Reihe wichtiger Einzelheiten geklärt werden müssen, die für die Glaubwürdigkeit der berichteten Vorgänge entscheidend gewesen wären. Solche Fragen wurden aber nicht gestellt, wenn man den Prozeßdokumentationen von Naumann und Langbein trauen darf. Das entspricht freilich der Vorstellung vom Auschwitz-Prozeß als einem Schauprozeß und war vom Standpunkt des Gerichts und der Anklagevertreter aus nur folgerichtig. Denn für die Richter wie für die Ankläger galten die “Judenvergasungen” ja von vornherein als nicht mehr beweisdürftige Tatsache, ein Vorurteil, dem sich — wie gezeigt wurde — selbst die Verteidiger beugten. Ob die Richter erkannten, daß ihre eigentliche Aufgabe in diesem Prozeß die “Absegnung” dieses “Tatbestandes” war, ist unerheblich. Der gerade in diesem [327] Zusammenhang besonders klar hervortretende Schauprozeßcharakter des Verfahrens blieb so oder so gewahrt.

Es kann im übrigen kaum ein Zweifel daran bestehen, daß die Zugeständnisse der Angeklagten an ein allgemeines Glaubensdogma dem Bestreben entsprangen, Gericht und Staatsanwaltschaft nicht durch scheinbare Halsstarrigkeit zu verärgern. Es handelte sich mit Sicherheit nur um reine Gefälligkeitsaussagen, zu denen wahrscheinlich die Verteidiger sogar geraten hatten. Wenn ein Verteidiger es fertig brachte, einen der Angeklagten zu dem — wahrheitswidrigen- Eingeständnis zu bewegen, er habe selbst Häftlinge erschossen (100), so dürfte es noch weniger Schwierigkeiten bereitet haben, den Angeklagten klarzumachen, daß es nur ihrem Vorteil dienlich sein könne, die angeblichen “Judenvergasungen” wenigstens vom “Hörensagen” zu bestätigen oder eine gewisse, angeblich nicht besonders ins Gewicht fallende Beteiligung daran einzuräumen. Man kann von Menschen, die wie diese Angeklagten zum Teil jahrelang rechtswidrig in Untersuchungshaft festgehalten wurden, die unter der Leitung des jüdischen Generalstaatsanwalts Bauer möglicherweise einer “Gehirnwäsche” unterzogen worden waren, denen vielleicht auch der mysteriöse Tod ihres so wenig “geständnisfreudigen” Kommandanten Baer zu denken gegeben hatte, die sich dann schließlich in einer unverkennbar hysterischen Umgebung wiederfanden und nicht zuletzt eindeutig voreingenommenen Richtern gegenübersahen, wohl auch kaum etwas anderes erwarten als eine mehr oder weniger weitgehende Anpassung an das Prozeßdogma vom “Vernichtungslager” .

Das alles ist ohne weiteres plausibel bei den Angeklagten, die ihr “Wissen” über die “Vergasungen” auf “Hörensagen” beschränkten, es gilt aber ebenso für jene Angeklagten, die eine — wenn auch sehr eingeschränkteBeteiligung an den behaupteten Judenmorden zugaben. Es blieb ihnen nämlich kaum eine andere Wahl, wenn sie die Generallinie der Verteidigung, die Zweckbestimmung von Auschwitz als “Vernichtungslager” und die “Judenvergasungen” nicht in Frage zu stellen, nicht verlassen wollten. Die hierzu erforderliche charakterliche Stärke brachte keiner von ihnen auf.

Die Aussage des Angeklagten Stark ist allerdings — genau genommen — für unser Problem ohnehin bedeutungslos. Stark war nämlich nur bis November 1942 im Stammlager Auschwitz gewesen und hatte Birkenau überhaupt nicht kennengelernt. Zeugen wollten ihn bei einer “VergaSung” von Juden im alten Krematorium gesehen haben. Er gab an, vom Kommandanten Höß damals aufs Dach des Krematoriums geschickt [328] worden zu sein, um dort beim “Einschütten” von Zyklon B in die “Einfüllöffnungen” des Daches behilflich zu sein. Hierfür habe nur ein Mann vom Desinfektionskommando zur Verfügung gestanden. Bei den Opfern habe es sich um etwa 150 bis 200 Juden und Polen gehandelt, die wie man ihm gesagt habe — standgerichtlich zum Tode verurteilt worden waren. Er habe den Befehl nicht verweigern können, weil der Kommandant, als er zögerte, gedroht habe, ihn selbst in die “Gaskammer” zu schicken (101) .

Die Bedeutungslosigkeit dieser Aussage im Hinblick auf die Legende ist offensichtlich, weil es sich bei dem Vorgang — wenn man den Angaben Starks folgt — nicht um eine Judenvernichtung aus rassischen Gründen. sondern um die Vollziehung eines Standgerichtsurteils handelte, die möglicherweise durch Erschießen — keinesfalls durch Gas! — erfolgte. Die Angabe Starks, die Exekution sei durch Verwendung von Zyklon B vollzogen worden, ist unglaubwürdig. Sie muß auf Grund aller bekannten Umstände als Lüge bezeichnet werden.

Aus den bereits in anderem Zusammenhang behandelten Dokumenten NI-9098 und NI-9912 wissen wir, daß Zyklon B ein äußerst giftiges Gas war, daß es sofort wirkte, daß seine Anwendung eine besondere Ausbildung erforderte und daß schließlich die hierbei zu tragende Gasmaske sogar eines speziellen Filtereinsatzes bedurfte (vgl. oben Seite 271). Das alles ergab auch die Vernehmung des Angeklagten Breitwieser, der eine Zeit lang Leiter des Desinfektionskommandos in Auschwitz gewesen war (102). Stark erwähnte indessen weder etwas davon. daß er auf diesem Gebiet überhaupt eine Ausbildung erhalten hatte. noch davon, daß er bei der beschriebenen Tätigkeit des GaseinwurfK eine Gasmaske mit Spezialfilter trug. Da er seinen Angaben zufolge bei dieser “Aktion” zunächst ohnehin keine besonderen Aufgaben hatte. wäre es auch unwahrscheinlich gewesen, wenn er behauptet hätte, eine solche Gasmaske bei sich gehabt zu haben. Das Gericht überging diese naheliegenden Fragen — vielleicht aus Unkenntnis der Materie, vielleicht aber auch absichtlich.

Überdies behauptete Stark auf Befragen des Gerichtsvorsitzenden. die Opfer in der “Gaskammer” hätten nach Einwurf des Gases noch etwa zehn bis fünfzehn Minuten geschrieen, was in Anbetracht der augenblicklichen Wirkung von Zyklon B unmöglich ist. Auf die Frage nach dem Aussehen der Gastoten vermochte er bezeichnenderweise keinc präzise Antwort zu geben. Über die Aussagen dieses “Vergasungszeugen” ist nach alledem kein Wort weiter zu verlieren. Er erhandelte sich damit jedenfalls weitgehende Milde des Gerichts und kam mit 10 Jahren [329] “Jugendstrafe” davon, weil er zur Zeit der “Tat” noch nicht volljährig war und nach dem Urteil eines vom Gericht bemühten Sachverständigen damals auch noch nicht die entsprechende geistige Reife hatte (103).

Der andere Angeklagte, der — wie es in den Gründen des AuschwitzUrteils heißt — “nach anfänglichem Leugnen” eine gewisse Beteiligung an Judenvergasungen in einer Birkenauer “Gaskammer” einräumte, war der ehemalige Schutzhaftlagerführer von Auschwitz Franz Johann Hofmann. Er war von April bis September 1943 für das Zigeunerlager in Birkenau verantwortlich (104), zu einer Zeit also, als der Legende zufolge die “Vergasungen” in den “Gaskammern” der neu errichteten Krematorien gerade begonnen hatten. Hofmann mußte über diese Geschehnisse, wenn es sie wirklich gegeben hat, besonders gut unterrichtet sein, da er in Birkenau eine leitende Funktion innehatte und das seiner persönlichen Aufsicht unterstehende Zigeunerlager ganz in der Nähe der neuen Krematorien lag. Nichtsdestoweniger blieben seine Angaben hierzu vage und unbestimmt. Nach den übereinstimmenden Darstellungen von Naumann und Langbein lauteten sie im wesentlichen wie folgt (105):

“Da hat es Schläge und Prügel gegeben, mit denen die Judenkommandos die Häftlinge in die als Duschräume getarnten Gaskammern getrieben haben. Die Kommandos wurden dann ebenfalls vergast. Das war ja immer ein großer Wirrwarr,ich mußte sogar darauf achten, daß nicht Funktionshäftlinge mitvergast wurden. Ja, und manchmal haben wir dann auch mitgeschoben. Ja. was sollten wir denn machen? Es war uns ja befohlen worden!”

Das ist alles, was der Angeklagte Hofmann von “Vergasungen” und “Gaskammern” mitzuteilen wußte. Es ist gewiß nicht viel und hätte weitere Fragen geradezu herausfordern miissen. Seine Darstellung steht zudem im Widerspruch zu allen sonstigen Schilderungen, nach denen das Verbringen der Häftlinge in die “Gaskammern” stets in größter Ruhe vor sich gegangen sein soll, da man die “Opfer” über ihr angebliches Schicksal ja “täuschte” und nur zu diesem Zweck die “Gaskammern” als Duschräume “tarnte”. Letzteres sagte auch Hofmann und führte damit seine Aussage selbst ad absurdum.

Das Gericht freilich bemerkte von all dem nichts oder wollte nichts daVon bemerken. Es stellte die sich in diesem Zusammenhang aufdrängendenFragen nicht. Und als Staatsanwalt Kügler sich nach Einzelheiten erkundigte, antwortete Hofmann wörtlich (106): “Ich kann keine näheren Auskünfte geben.”

Die Bedeutungslosigkeit seines “Geständnisses” als zeitgeschichtliche Quelle läßt sich kaum eindeutiger unterstreichen.

[330] Es bleibt die Frage nach den Motiven für Hofmanns Selbstbeschuldigung. Sicherlich blieb ihm im Hinblick auf seine einstige Stellung in Birkenau nur die Wahl, entweder wahrheitsgemäß zu erklären, in Birkenau “Gaskammern” nicht gesehen zu haben, oder in Übereinstimmung mit seinen Schicksalsgenossen deren Existenz anzuerkennen. Wenn er sich zu letzterem entschloß, so mußte das zwangsläufig seine irgendwie geartete Beteiligung an den “Vergasungen” einschließen, weil er nun einmal in Birkenau eine leitende Stellung bekleidete. Ihm mag das tragbar erschienen sein, wenn er seinen “Tatbeitrag” als möglichst geringfügig hinstellte. Dies um so mehr, da er sich den ganzen Umständen nach ausrechnen konnte, daß es zwecklos sein mußte, als einziger die wesentlichste Basis des ganzen Prozesses schlicht zu bestreiten, obwohl dies allein der Wahrheit entsprochen hätte.

Es gab für Hofmann aber noch ein besonderes Motiv dafür, sich der allgemeinen Sprachregelung in diesem Prozeß anzuschließen und nicht Gericht und Staatsanwaltschaft durch scheinbare Uneinsichtigkeit gegen sich einzunehmen. Hofmann war nämlich schon durch rechtskräftiges Urteil des Schwurgerichts München II am 19. Dezember 1961 zu einer lebenslangen Zuchthausstrafe verurteilt worden, die er seitdem verbüßte. Dieser Verurteilung lagen zwei Morde zugrunde, die Hofmann angeblich im KL Dachau begangen haben sollte. Offenbar war Hofmann seinerzeit das Opfer von “Berufszeugen” geworden, wie viele andere ehemalige SS-Männer auch, die in den KL Dienst tun mußten. Jedenfalls war in dieser Sache ein sog. Wiederaufnahmeverfahren eingeleitet worden, das zur Zeit des Auschwitz-Prozesses noch nicht abgeschlossen war (107). Wenn Hofmann sich nun im Auschwitz-Prozeß wiederum eine lebenslange Freiheitsstrafe einhandelte, wäre der von ihm offenbar erwartete Erfolg des Wiederaufnahmeverfahrens nutzlos gewesen. Ihm mußte also daran liegen, im Auschwitz-Prozeß wenigstens mit einer zeitlich begrenzten Freiheitsstrafe davonzukommen, auf die bei einem Erfolg des Wiederaufnahmeverfahrens in der früheren Strafsache die bereits erlittene Haftzeit zur Anrechnung gebracht wurde. Das aber — und diesen Rat werden ihm vermutlich seine Verteidiger gegeben haben — war vor diesem Gericht und in diesem Verfahren nach menschlichem Ermessen nur dann zu erreichen, wenn Hofmann einerseits das Prozeßdogma nicht in Frage stellte und andererseits seine — ohnehin vom Gericht nicht bezweifelte — Beteiligung an den angeblichen Gaskammermorden so darstellte, daß er äußerstenfalls wegen Beihilfe zum Mord verurteilt werden konnte, was sich freilich später als Fehlrechnung erwies.

[330] So wurde Hofmann wahrscheinlich teils durch fremde Einwirkung, teilsdurch eigene Fehlkalkulation zu seinem falschen Geständnis getrieben. Dafür spricht auch sein Zornesausbruch, als der Gerichtsvorsitzende ihn zu weiteren Selbstbezichtigungen zu drängen versuchte. Er soll daraufhin — wie Naumann und Langbein im wesentlichen übereinstimmend berichten (108) — “laut und aufbrausend” folgende Worte hervorgestoßen haben: “Wenn ich es noch mal zu tun hätte, dann würde ich gar nichts mehr sagen. Ein Verfahren nach dem anderen habe ich da am Hals. Wenn ich damals gewußt hätte, was mir da noch alles bevorstand, gar nichts mehr würde ich sagen. Überall schreit man nach Hofmann: das ist der Hofmann und das ist nicht der Hofmann, alles schreit, Hofmann hat schuld. Ich weiß überhaupt nicht, was man von mir will.”

Das ist der Aufschrei eines Verzweifelten, nicht aber eines schuldbeladenenMörders. Hofmann war augenscheinlich ein durch langjährige Verfolgung und Haft seelisch gebrochener Mann, der sich schon früher zu Aussagen hatte drängen lassen, die er wohl selbst nicht verantworten konnte. Möglicherweise wurden die neu ins Lager kommenden Häftlinge tatsächlich von Judenkommandos in der von Hofmann geschilderten Weise in bestimmte Räume getrieben — nur handelte es sich nicht um “Gaskammern”, sondern wirklich um Duschräume. Nichts war natürlicher, als neu in das Lager aufgenommene Häftlinge zunächst einer gründlichen Reinigung und eventuell auch Entlausung zu unterziehen (109).

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß kein einziger Angeklagter im Auschwitz-Prozeß die Existenz von “Gaskammern” in diesem Lager glaubwürdig bestätigt hat. Ihre diesbezüglichen Aussagen dienten erkennbar nur der Anpassung an eine gegebene Lage (110), wobei manche Angeklagte freilich “des Guten zuviel” taten. Das ist nicht nur an den Aussagen von Stark und Hofmann, sondern auch noch an einigen weiteren Aussagen abzulesen, die deutlich zeigen, wie man sich um vermeintlicher Prozeßvorteile willen einem Dogma unterwarf und dabei in Einzelheiten verstrickte, die nicht dazu paßten.

So erklärte z. B. der Angeklagte Baretzki sein angebliches Wissen um die “Judenvergasung” durch die Behauptung. er sei von seinen Vorgesetzten darüber “belehrt” worden, daß die “Judenvernichtung notwendig” sei (111). Da Baretzki — auch nach den Feststellungen des Gerichts — an den behaupteten “Vergasungen” nicht unmittelbar beteiligt war, sondern nur bei “Selektionen” mitgewirkt hatte, liegt die Unwahrheit seiner Behauptung auf der Hand. Denn allen Berichten zufolge gingen die eigentlichen “Vergasungen” unter strengster Geheimhaltung vor sich; der [332] Kreis der Mitwisser soll so klein wie möglich gehalten worden sein. Es ist daher völlig unwahrscheinlich, daß jemand, der wie Baretzki bei den “Selektionen” Wachdienst verrichtet hatte, von seinen Vorgesetzten über die Notwendigkeit der “Judenvernichtung” belehrt worden sein sollte. Baretzki ging hier mit seiner Unterwürfigkeit dem Gericht gegenüber einen Schritt zu weit. Man nahm es ihm natürlich nicht übel!

Ebenso unüberlegt und überdies unlogisch war die Einlassung des Angeklagten Dr. Schatz, dem die Teilnahme an “Selektionen” auf der Bahnrampe von Birkenau zum Vorwurf gemacht wurde, er habe “nie im Leben geglaubt”, daß ihm “der Komplex >Rampe< einmal zum Verhängnis werden” würde (112). Denn das konnte nichts anderes heißen, als daß er während seiner Tätigkeit in Auschwitz nichts von dem angeblichen Zweck der “Selektionen” als der Vorstufe für die “Vergasungen” gewußt hatte. Zuvor hatte er jedoch im Widerspruch hierzu, aber in Übereinstimmung mit der generellen Linie der Verteidigung behauptet. es sei damals “allgemein bekannt” gewesen, daß “Auschwitz ein Vernichtungslager war” und worum es “bei dem Selektionsdienst ging” (113). So geriet auch bei diesem Angeklagten die Anpassung an die Prozeßsituation in einen offensichtlichen Gegensatz zur ihm bekannten Wahrheit, daß die Aufteilung der Neuankömmlinge in Arbeitsfähige und Nichtarbeitsfähige mit irgendwelchen Mordaktionen nicht das Geringste zu tun hatte.

Am deutlichsten jedoch entlarvte der Angeklagte Hantl sein angebliches Wissen über “Vergasungen” als bloßes Zugeständnis an anscheinend unabdingbare prozessuale Gegebenheiten. Er behauptete nämlich nach vorheriger Distanzierung von den angeblichen Gaskammermorden in Auschwitz, er selbst habe noch gegen Ende des Krieges in Mauthausen Häftlingen, die “vergast” werden sollten, das Leben gerettet (114). Sein “Wissen” über “Vergasungen” im KL Mauthausen entsprach offensichtlich seinem “Wissen” über “Vergasungen” in Auschwitz-Birkenau. Daß es in Mauthausen weder “Vergasungen” noch hierzu bestimmte “Gaskammern” gab, bestreitet heute nicht einmal mehr das Institut für Zeitgeschichte in München. Es war auch schon während des Auschwitz-Prozesses bekannt. Wenn einer der Angeklagten gleichwohl unwidersprochen eine solche Aussage machen konnte, weil sie nun einmal zur Vergasungslegende paßte, so zeigte sich darin wieder einmal der Schauprozeßcharakter des Verfahrens. Es entsprach der Atmosphäre der gesamten Veranstaltung.

[333]

3. Die Beweistührung

Das Kernstück eines jeden Strafprozesses ist die Beweisaufnahme. Sie dient der Feststellung der tatsächlichen Grundlagen des Sachverhalts, der Gegenstand der Anklage ist. Das Gericht trifft diese Feststellungen mit Hilfe der nach der Strafprozeßordnung vorgesehenen Beweismittel, deren Handhabung im Auschwitz-Prozeß wir in diesem Abschnitt einer näheren Betrachtung unterziehen wollen.

Die gegen die Angeklagten des Auschwitz-Prozesses erhobenen Vorwürfe waren recht unterschiedlicher Art. Neben Mißhandlungen wurden einigen von ihnen Morde an einzelnen oder kleineren Gruppen von Häftlingen vorgeworfen, wozu beispielsweise auch die Teilnahme an Exekutionen auf Grund von Standgerichtsurteilen gehörte. Der Hauptvorwurf gegen fast alle Angeklagten bestand jedoch darin, in irgendeiner Weise bei den angeblichen Massenvergasungen von Juden mitgewirkt zu haben. Bei den meisten von ihnen erschöpfte sich dieser Vorwurf in der Behauptung, sie hätten sich an sog. “Selektionen” beteiligt, derenalleiniger Zweck die Aussonderung der Gaskammeropfer gewesen sei. Einige wurden auch beschuldigt, die zur “Vergasung” bestimmten Häftlinge zu den Gaskammern geführt oder sogar das Einwerfen von Zyklon B in die Gaskammern überwacht zu haben (115).

Der Vorwurf, mittelbar oder unmittelbar an “Vergasungen” beteiligt gewesen zu sein, setzte natürlich voraus, daß es überhaupt “Gaskammern” gab. Wie wir im Verlauf dieser Untersuchung gesehen haben, ist aber gerade das bis zum heutigen Tage zweifelhaft geblieben. Genau dieser Punkt hätte also der sorgfältigsten Beweisführung bedurft. Das Gericht wie auch alle übrigen Prozeßbeteiligten behandelten die Frage jedoch von Anfang an im wesentlichen als längst durch die Zeitgeschichtsforschung geklärt. So wurden denn “Gaskammern” und “Vergasungen”, sobald die Sprache darauf kam, trotz zahlreicher Widersprüche und Ungereimtheiten stets als unbestreitbare Tatsache hingenommen. Die Fragwürdigkeit ihrer sachlichen und technischen Voraussetzungen gab niemand Anlaß zum Zweifel. Auch die Angeklagten und Verteidiger hüteten sich, die zum Prozeßdogma erhobene Gaskammerlegende in Frage zu stellen, was hier nicht oft genug betont werden kann, weil dadurch überhaupt erst die völlig unzureichende Beweiserhebung ermöglichtr zumindest aber erleichtert wurde.

Es drängt sich in diesem Zusammenhang wieder einmal der Vergleich mit den Nürnberger Schauprozessen der Alliierten auf. Damals galt der Grundsatz, daß “allgemein bekannte Tatsachen” keines Beweises [334] bedürften, sondern vom Gericht “von Amts wegen zur Kenntnis zu nehw men” seient (116). Diese Devise galt offensichtlich auch im Auschwitz-Prozeß. Denn selbstverständlich waren auch die legendären “Gaskammern” von Auschwitz auf Grund der an der zionistisch-bolschewistischen Greuelpropaganda ausgerichteten Umerziehung “allgemein bekannt” und zur “geschichtlichen Tatsache” gemacht worden. Auch die Richter im Auschwitz-Prozeß hatten sie also gewissermaßen “von Amts wegen” zur Kenntnis zu nehmen, wollten sie sich nicht selbst schwersten Nachteilen und Angriffen aussetzen. So beschränkte sich also die Beweisaufnahme insoweit darauf, in der Regel für sich allein wertneutrale d. h. auf kein Verbrechen hindeutende — Handlungen der Angeklagten festzustellen, die ihr Gewicht nur dadurch erhielten, daß sie durch stillschweigende oder ausdrückliche Übereinstimmung der Prozeßbeteiligten zum wesentlichen Bestandteil imaginärer “Verbrechen” gemacht wurden. Die “Verbrechen” selbst wurden dagegen nicht oder nur unvollkommen unter Beweis gestellt.

Obwohl es unter diesen Umständen an sich müßig erscheint, noch im einzelnen darauf einzugehen, welcher Beweismittel sich das Auschwitz-Gericht bediente und wie es diese handhabte, sollen diese Fragen im folgenden doch kurz erörtert werden, weil dadurch der Schauprozeßcharakter des ganzen Prozesses zusätzlich verdeutlicht wird.

a) Die Sachverständigen

Sachverständige sind Beweismittel im Sinne der Strafprozeßordnung (vgl. §§ 72ff. StPO). Nach Langbeins Darstellung wurden im Auschwitz-Prozeß insgesamt 12 Sachverständigengutachten erstattet (117). Zum Teil betrafen diese Gutachten Einzelfragen, die für unsere Untersuchung unwichtig sind. Als wichtigste Gutachten werden allgemein die der zeitgeschichtlichen Sachverständigen angesehen. Sie wurden vom Institut für Zeitgeschichte nach Abschluß des Prozesses unter dem Titel “Anatomie des SS-Staates” (2 Bände) veröffentlicht. Diese Dokumentation enthält die folgenden Gutachten:

Dr. Hans Buchheim, “E)ie SS – das Herrschaftsinstrument” und “Befehl und Gehorsam”;

Dr. Martin Broszat, “Nationalsozialistische Konzentrationslager 1933-1945”;

Dr. Hans-Adolf Jacobsen, “Kommissarbefehl und Massenexekutionen sowjetischer Kriegsgefangener”;

Dr. Helmut Krausnick, “Judenverfolgung im Dritten Reich”.

[335] Laternser zufolge erstattete Dr. Broszat außerdem noch ein Gutachten über “NS-Polenpolitik”, das in der Dokumentation des Instituts für Zeitgeschichte nicht enthalten ist (118).

Schon an den Themen der Gutachten ist abzulesen, daß sie mit dem eigentlichen Gegenstand des Auschwitz-Prozesses und den angeblichen Taten der Angeklagten im allgemeinen recht wenig oder sogar überhaupt nichts zu tun hatten. Dieser Eindruck wird bestätigt, wenn man die Gutachten näher studiert. Vor allem die angeblichen “Gaskammern” von Auschwitz-Birkenau — das Kernstück der Legende — werden nur in dem insgesamt 165 Druckseiten langen Gutachten von Krausnick auf nicht ganz4 Seiten ausführlicher behandelt. Der Gutachter stützte sich dabei im wesentlichen auf die Krakauer Höß-Aufzeichnungen, die wir insoweit bereits als völlig unzuverlässig und offensichtlich gefälscht erkannten (vgl. oben Seiten 253ff). Laternser spricht deshalb völlig zu Recht von “Gutachten im luftleeren Raum” und “in Bezug auf das Prozeßgeschehen sachverständige Freiübungen” (119). Das Gericht aber hat zweifellos, als es sich diese Gutachten erstatten ließ, die Aufgabe des Sachverständigen in einem Strafprozeß verkannt.

Sachverständige sind nach deutschem Prozeßrecht Gehilfen des Richters, die lediglich die Aufgabe haben, diesem die besonderen Fachkenntnisse zu vermitteln, über die er selbst nicht verfügt, die aber für die richterliche Entscheidung unbedingt notwendig sind. Es kann sich dabei um technische, medizinische oder andere Sachfragen handeln, die sich im Verlauf des Verfahrens als für die Urteilsfindung unentbehrlich herausschälen. Sie müssen also in enger Beziehung zu dem konkreten Sachverhalt, der den Gegenstand des Verfahrens bildet, oder zur Person des Angeklagten stehen. Die an den Sachverständigen zu richtenden Fragen werden daher auch normalerweise vom Gericht eng umschrieben und meist auf bestimmte Punkte hin genau fixiert. “Allgemeinbildende Vorlesungen” über einen zum Gegenstand des strafrechtlichen Vorwurfs nichtin unmittelbarer Beziehung stehenden Sachkomplex — wie die oben erwähnten Prozeßgutachten im Auschwitz-Prozeß — verfehlen den prozessualen Zweck und sind daher abwegig. Das würde jedenfalls gelten, wenn dieser Prozeß wirklich nur ein normaler Strafprozeß gewesen wäre. Gerade das sollte er nach den Zielsetzungen seiner Urheber — wie wir schon sahen- ja aber nicht sein. So wird die Zulassung dieser Gutachten durch das Gericht nur dann verständlich, wenn man den Schauprozeßcharakter dieses Verfahrens, seine “gesellschaftspädagogische Bedeutung” (Naumann) in Rechnung stellt, der das Gericht auch und vor allem durch die Beweisaufnahme ersichtlich Genüge tun wollte. So [336] gesehen waren die Gutachten eine Art von Unterricht zur Zeitgeschichte aus erwünschter Sicht für Publikum und Presse, vielleicht auch für die Geschworenen und andere Prozeßbeteiligte, deren Anschauungen noch nicht allzu gefestigt erschienen.

Dabei wäre es von der Zielsetzung eines Strafprozesses aus durchaus wichtig gewesen, zu zahlreichen sich aus der Vernichtungslegende ergebenden Fragen Sachverständige zu hören, nicht zuletzt, um damit auch einen Eindruck von der Glaubwürdigkeit vieler Zeugen sowie einiger “Dokumente” zu gewinnen. Nur einige dieser Fragen seien hier herausgestellt:

In welcher Zeit wirkte das Gas Zyklon B und wie zeigte sich diese Wirkung?

Wie lange war das Gas in einem geschlossenen Raum wirksam (ohne Lüftung bzw. bei sofortiger Durchlüftung nach Anwendung)?

Konnten durchgaste Räume — wie ja behauptet wird — bereits eine halbe Stunde nach Anwendung des Gases Zyklon B ohne Gasmaske wieder betreten werden?

War es möglich, Leichen in einem Krematoriumsofen innerhalb von 20 Minuten vollständig zu verbrennen?

Lassen sich Krematoriumsöfen Tag und Nacht hindurch ununterbrochen benutzen?

Ist es möglich, menschliche Leichen in mehrere Meter tiefen Gruben zu verbrennen und gegebenenfalls in welcher Zeit?

Hätte das Gericht allerdings diese und andere Fragen durch qualifizierte Sachverständige beantworten lassen, so wären aller Voraussicht nach viele Behauptungen der Anklage ebenso in sich zusammengefallen wie die meisten “Augenzeugen” der angeblichen Judenvernichtung als Lügner entlarvt worden wären. Die “Schau” wäre in diesem Fall nicht mehr gelaufen! Das Gericht konnte sich solche ketzerischen Fragen kaum leisten und die Sachverständigen stellten sie von sich aus ebenfalk nicht. Die Aufrechterhaltung der Vernichtungslegende war schließlich ihr Broterwerb (120).

Wissenschaftliche Vertreter der Gegenposition wurden als Gutachte in diesem Verfahren selbstverständlich nicht herangezogen. Ein Mann wie der französische Historiker Prof. Paul Rassinier, der sich als ehemaliger Häftling der KL Buchenwald und Dora große Verdienste um die Aufhellung des tatsächlichen Geschehens in den KL erworben hatte. wurde im Auschwitz-Prozeß nicht einmal als Prozeßbeobachter zugelassen. Man fürchtete wohl seinen scharfen Verstand nicht minder wie seine spitze Feder (121).

[337] Dabei hätte eigentlich nichts näher gelegen, als gerade ihn, der sich damals schon mehr als ein Jahrzehnt hindurch intensiv mit KL-Fragen wissenschaftlich befaßt hatte, ebenfalls als Gutachter heranzuziehen, Soweit es überhaupt auf zeitgeschichtliche Aspekte ankam. Man kann diese offensichtliche und besonders weitgehende Ausschaltung von Sachverständigen, deren Gegenposition zur offiziellen Lehrmeinung bekanntwar, einmal mehr als Indiz dafür nehmen, daß das Vernichtungsdogma in diesem Prozeß ein Tabu war, an dem nicht gerührt werden durfte. Das Gericht machte hiervon keine Ausnahme.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, daß die Sachverständigen im Auschwitz-Prozeß weitgehend unter dem Gesichtspunkt ausgewählt worden waren, dem Prozeß den “richtigen” zeitgeschichthchen Hintergrund für die beabsichtigte “Schau” zu liefern. Das Gericht setzte dem nicht nur keinen Widerstand entgegen, sondern förderte dieses Bestreben sogar. Die sehr umfangreichen Gutachten der zeitgeschichtlichenSachverständigen des im Dienste der “Umerziehung”” stehenden Insituts für Zeitgeschichte dienten in keiner Weise Beweiszwecken, weil sie entweder überhaupt beweisunerheblich waren oder “Tatsachen” mit durchaus unzureichender Begründung bestätigten, von denen alle Prozeßbeteiligten — vor allem auch das Gericht — ohnehin als gegeben ausgingen (122). Auf diese Weise wurde der Sachverständigenbeweis zu einem schauprozessualen Requisit herabgewürdigt.

b) Urkunden

Der Urkundenbeweis ist im allgemeinen das sicherste und zuverlässigste Beweismittel, soweit eine Urkunde zutreffende Aussagen über einen bestimmten Sachverhalt enthält und ihre Authentizität unzweifelhaft ist. Die Beweisführung erfolgt bei Schriftdokumenten durch Verlesung der Urkunde (§ 249 StPO). In strafprozessualer Hinsicht fallen unter den Begriff derUrkunde aber alle Sachen, die einen Gedanken zum Ausdruck bringen, gleichviel aus welchem Stoff sie bestehen oder in welcher Form oder mit welchem Mittel der Gedanke erkennbar gemacht ist(123). Im Auschwitz-Prozeß spielten nur Schriftdokumente eine Rolle. Sie gingennicht über das hinaus, was wir im Rahmen dieser Untersuchung Schon kennengelernt haben, lieferten also ebenfalls keinen Beweis dafür, daß es in Auschwitz “Gaskammern” und “Vergasungen” gab. Es ohnt sich nicht, sie hier einer nochmaligen Betrachtung zu unterziehen. Nur einige ergänzende Bemerkungen sind erforderlich.

Wenn Langbein in seiner Prozeßdokumentation schreibt, im [338] Auschwitz-Prozeß sei “eine Fülle von Dokumenten” verlesen worden (124), so soll damit zweifellos der Eindruck erweckt werden, daß die Auschwitzlegende durch diesen Prozeß auch dokumentarisch- also in besonders zuverlässiger Form — bestätigt worden sei. Davon kann indessen überhaupt keine Rede sein. Soweit Langbeins Bemerkung nicht schon quantitativ weit übertrieben ist, muß jedenfalls darauf hingewiesen werden daß der überwiegende Teil der zur Verlesung gekommenen Dokumente bezüglich der Gaskammerfrage nur zweitrangige Bedeutung hatte, d. h. allenfalls mittelbar damit in Zusammenhang zu bringen war. Auch hat Langbein in seine Behauptung vermutlich die sehr zahlreichen Vernehmungsprotokolle abwesender oder verstorbener Zeugen einbegriffen. Die Verlesung derartiger Protokolle ersetzt unter bestimmten Bedingungen die persönliche Vernehmung der betreffenden Zeugen in der Hauptverhandlung, die die Regel ist. Sie beweist aber nur, daß ein bestimmter Zeuge über einen Sachverhalt eine bestimmte Aussage gemacht hat, nicht dagegen die Richtigkeit des von ihm bekundeten Sachverhalts. Solche Urkunden beweisen also die vom Zeugen behaupteten Tatsachen ebensowenig wie jede andere Zeugenaussage schon aus sich heraus. Tatsächlich ist ihr Beweiswert sogar noch geringer als der der unmittelbaren Zeugenaussage in der Hauptverhandlung, weil der für die Glaubwürdigkeit der Aussage sehr wesentliche persönliche Eindruck von dem Zeugen fehlt.

In besonderem Maße gilt das vorstehend Gesagte für die vom Gericht angeordnete Verlesung von Vernehmungsprotokollen aus dem 1946 von der britischen Besatzungsmacht durchgeführten Belsen-Prozeß. Es handelte sich um die Aussagen des ehemaligen Birkenau-Kommandanten Josef Kramer sowie der Auschwitz-Ärzte Dr. Klein und Dr. Entreß (125). Es ist fast unglaublich, aber wiederum kennzeichnend für den Auschwitz-Prozeß, daß ein deutsches Gericht noch im Jahre 1964/6n Vernehmungsprotokolle aus Militärgerichtsverfahren einer Besatzungsmacht als Beweismittel heranzog, obwohl doch kein Zweifel mehr daran bestehen konnte, daß die Angeklagten jener Verfahren weitgehend inhumanen und rechtlich fragwürdigen Behandlungsmethoden ausgesetzt waren. Soweit sie “Vergasungen” in Auschwitz bestätigten. waren ihre Aussagen erpreßt oder gefälscht. Keinesfalls können sie nach den ganzen Umständen, unter denen jene Prozesse stattfanden, als beweiskräftig angesehen werden (126). Diese Art der “Beweiserhebung” hatte wieder einmal nichts mit Rechts- oder Wahrheitsfindung zu tun. Sie war nur in einem Schauprozeß möglich.–

Größte Bedeutung wurde dem sog. Broad-Bericht (vgl. oben Seiten [339] 189ff, 212ff), der vollständig zur Verlesung kam (127), und den Krakauer Aufzeichnungen von Rudolf Höß (vgl. oben Seiten 253 ff), die auszugsweise Gegenstand des Urkundenbeweises waren (128), beigemessen. Von beiden Urkunden standen dem Gericht nur Fotokopien zur Verfugung Wenn auch der Urkundenbeweis mit Hilfe von Fotokopien gefuhrt werden kann (129), so muß es bei der Fragwürdigkeit gerade dieser beiden Dokumente doch befremden, daß das Gericht sich in diesem Fall mit Fotokopien und einigen zusätzlichen Erklärungen zufrieden gab. Wie wir schon sahen, handelte es sich bei der Fotokopie des Broad-Berichts sogar nur um die Fotokopie einer Abschrift des handschriftlichen Originalberichts von Broad, deren Übereinstimmung mit dem Original nur durch höchst fragwürdige Zeugenaussagen “erhärtet” werden konnte (vgl. oben Seiten 213f) (130). Hinsichtlich der Hößaufzeichnungen begnügte sich das Gericht damit, daß der Sachverständige Dr. Broszat “glaubhaft versicherte”, die von ihm vorgelegten Fotokopien stimmten mit den in Polen unter Verschluß gehaltenen “Originalen” überein (131). Darüber, ob die “Originalaufzeichnungen” echt waren, machte sich das Gericht offenbar überhaupt keine Gedanken (132). Gerade hieran istdeutlich erkennbar, daß die Kernfrage des ganzen Prozesses nämlich die angeblichen “Gaskammern” von Auschwitz — in Wirklichkeit gar nicht Gegenstand der Beweiserhebung war, sondern — wie bereits festgestellt wurde — von vornherein als “geschichtliche Tatsache” hingenommen wurde. Andernfalls hätte man sich vor allem über die Echtheit der Höß-Aufzeichnungen Gedanken machen müssen, soweit sie für die Beurteilung dieser Frage von Bedeutung sein konnten. Ihr übriger Inhalt war im Rahmen des Prozesses unerheblich.

Die Verlesung dieser beiden “Dokumente”, die über die Beteiligung der einzelnen Angeklagten an den angeblichen Judenmorden nichts aussagten, konnte mithin nur den Sinn haben, mit Hilfe entsprechender Presseberichte darüber Emotionen zu schüren und so in der Öffentlichkeit die Vorstellung von Auschwitz als dem größten “Vernichtungslager” noch zu verstärken. Sie waren also nicht eigentlich Beweismittel, Sondern vielmehr ebenfalls schauprozessuale Demonstrationsmittel. Es ist bei Schauprozessen jeder Art nicht ungewöhnlich, daß in dieser oder ahnlicher Weise für die “Lehre”, die durch sie erteilt werden soll “stimmung gemacht” wird. Ein Gericht, das sich nur der Wahrheit und dem Recht verpflichtet fühlte, hätte diese nach Herkunft und Inhalt äußerst obskuren “Beweisurkunden” zumindest kritisch betrachtet. Das Auschwitz-Gericht stellte nicht einmal ihre formale Echtheit in Frage. —

[340]

c) Augenschein

Als “Augenschein” wird jede Art von Beweisaufnahme bezeichnet. die nicht als Zeugen-, Sachverständigen- oder Urkundenbeweis oder wie die Vernehmung des Beschuldigten gesetzlich besonders geregelt ist (133). Hierzu gehören vor allem die Besichtigung des Tatorts, der Tatwerkzeuge oder anderer mit der Tat zusammenhängender Gegenstände. aber auch das Abhören von Tonbändern oder die Überprüfung von Lichtbildern, Ortsskizzen und ähnlichen Unterlagen über den Täter oder den Tathergang. Soweit damit der Täter zuverlässig identifiziert bzw. der Tathergang zweifelsfrei rekonstruiert werden kann, was selbstverständlich die Authentizität oder die Originalität der jeweiliger, Augenscheinsobjekte voraussetzt, steht dieses Beweismittel in seiner Bedeutung dem Urkundenbeweis nicht nach.

Im Auschwitz-Prozeß beantragte der Nebenklagevertreter Rechtsanwalt Henry Ormond am 8. Juni 1964, dem 53. Verhandlungstag, die “Besichtigung des Tatortes Auschwitz” mit der Begründung, daß noch so gute Skizzen und Schaubilder nicht den persönlichen Eindruck von dem “Vernichtungslager” ersetzen könnten (134). Hiermit spielte er offenbar auf die im Gerichtssaal ausgehängten Lagerpläne und das Abbild des Modells einer “Gaskammer” an, die das polnische Auschwitz-Museum für den Prozeß zur Verfügung gestellt hatte.

Die Einnahme des Augenscheins als Beweismittel kann aus prozessualen Gründen nur durch das vollbesetzte Gericht unter Teilnahme aller übrigen Prozeßbeteiligten erfolgen (135). Hiergegen hatte das Schwurgericht offenbar gewisse Bedenken. Am 22. Oktober 1964 wurde jedenfalis der Beschluß des Gerichts verkündet, daß nur ein Mitglied de Richterkollegiums, Amtsgerichtsrat Hotz, im ehemaligen KL Auschwitv eine Ortsbesichtigung vornehmen solle, falls das durch staatliche Vcreinbarungen zwischen Bonn und Warschau ermöglicht werde. Diese Ortsbesichtigung fand in der Zeit vom 14. bis 16. Dezember 1964 statt. Den übrigen Prozeßbeteiligten war die Teilnahme daran freigestellt worden; lediglich den 14 in Untersuchungshaft befindlichen Angeklagten wurde die Erlaubnis zur Reise nach Auschwitz von vornherein verweigert. Außer Amtsgerichtsrat Hotz nahmen alle vier Staatsanwälte sowie die drei Nebenklagevertreter daran teil. Dagegen fuhren nur 13 Verteidiger — also nicht einmal die Hälfte der Verteidiger — und von den sechs auf freiem Fuß befindlichen Angeklagten nur ein einziger — Dr Lucas — mit nach Auschwitz. Rechtsanwalt Laternser hatte sich von Anfang an sehr energisch gegen die beantragte Ortsbesichtigung [341] ausgesprochen und gewichtige Bedenken dagegen geltend gemacht. In seiner Stellungnahme vom 22. Juni 1964 wies er darauf hin, daß nach Ablauf von 20 Jahren nicht allein “die naturgemäßen Veränderungen ein völlig anderes Bild” ergeben müßten, sondern daß der zu besichtigende Ort auch “musealen Zwecken gewidmet” worden sei, die “umfangreiche Wiederinstandsetzungen” und “tendenziöse Verdeutlichungen” voraussetzten (136). .

So war es auch in der Tat. Wir haben schon gesehen, daß z. B. das alte Krematorium des Stammlagers Auschwitz erst nach dem Kriege von den Polen in seinen jetzigen Zustand versetzt wurde und erst damals auch die angebliche “Gaskammer” erhielt (vgl. oben Seite 77). Aber auch sonst unterlag die ehemalige Auschwitz-Region während ihrer etwa zehnjährigen Abschirmung gegenüber der Außenwelt mit Sicherheit zahlreichen jetzt nicht mehr kontrollierbaren Einwirkungen der sowjetischen Besatzungsmacht und der Polen. Es ist möglich, daß das Schwurgericht Frankfurt hiervon im einzelnen keine Kenntnis hatte. Es mußte aber doch nach Ablauf zweier Jahrzehnte damit rechnen, daß zwischenzeitliche Veränderungen einen zuverlässigen Augenscheinsbeweis nicht mehr zuließen, zumal da Rechtsanwalt Laternser ausdrücklich darauf hingewiesen hatte. Wenn es trotzdem zwar nicht den Augenschein als prozessuales Beweismittel, aber doch immerhin eine dem im wesentlichen gleichkommende Ortsbesichtigung durch ein Mitglied des Richterkollegiums beschloß, so war das zweifellos eine verfahrensrechtlich überflüssige und wahrscheinlich nur aus Opportunitätsgründen getroffene Maßnahme. Das über diese Ortsbesichtigung aufgenommene Protokoll wurde später in der Hauptverhandlung verlesen, womit der strafprozessual nicht korrekt vorgenommene Augenschein über den Umweg des Urkundenbeweises schließlich doch auch verfahrensrechtlich zur Wirkung kam.

Indessen war das Ergebnis der Ortsbesichtigung anscheinend so unbedeutendb daß es den finanziellen Aufwand für die Reise kaum gelohnt haben dürfte. Jedenfalls lassen die Urteilsgründe nicht erkennen, daß dle Ortsbesichtigung für die Urteilsfindung unumgänglich war, was sie allein hätte rechtfertigen können. Allerdings wurde der Angeklagte Breitwieser im wesentlichen unter Hinweis auf das Ergebnis der Ortsbesichtigung freigesprochen, weil der einzige Belastungszeuge dieses Angeklagten dadurch widerlegt wurde. Dieser wollte nämlich den Angeklagten bei einer im sog. Bunker vorgenommenen “Vergasung” von aftlingen beobachtet haben. Bei der Ortsbesichtigung wurde jedoch festgestelltu daß der Zeuge von seinem angegebenen Standort aus den [342] Angeklagten gar nicht hätte sehen können, weil zwischen diesem Standort und dem “Bunker” ein die Sicht versperrendes weiteres Gebäude lag. Gab es dieses Gebäude aber damals wirklich schon? Dem Zeugen hätte freilich bereits deshalb nicht geglaubt werden dürfen. weil er den Angeklagten Breitwieser aus einer Entfernung von 70 bis 80 Metern zur Nachtzeit (!) an der angegebenen Stelle erkannt zu haben behauptete (137) .

Immerhin gab der Ortstermin den mitreisenden Journalisten reichlich Gelegenheit, durch gefühlvoll-dramatische Berichte den Schaueffekt des Prozesses nochmals in seinen Wirkungen zu steigern. Die Auslassungen von Bernd Naumann, die auch in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschienen, sind nur ein Beispiel hierfür (138). Und Langbein, der den “Lokalaugenschein” als “wichtiges Ereignis im Prozeßverlauf” hezeichnet, meint hierzu (139):

“Alle, die an ihm teilnahmen. hatten an Ort und Stelle starke, noch weit nachhaltiger wirkende Eindrücke empfangen. als es diejenigen sind, welche Aussagen und Dokumente vermitteln konnten. Richter Hotz, der als einziges Mitglied des Gerichts nach Polen fuhr, schaltete sich nach seiner Rückkehr wesentlich aktiver in die Befragungen ein; und mancher Verteidiger ist in Auschwitz und Birkenau nachdenklich geworden.”

Vielleicht ist das richtig. Sicherlich war es sogar der Zweck der ganzen Veranstaltung, wenigstens einige Verteidiger “weich” zu machen. Nur muß bezweifelt werden, daß die von den Beteiligten der Auschwitz-Reise gewonnenen Eindrücke der einstigen Wirklichkeit von Auschwitz entsprachen. Doch diese Frage wurde — von den vorsichtigen Andeutungen Laternsers abgesehen — niemals gestellt. Sie wäre eben nur in einem normalen Strafprozeß wichtig gewesen!–

Von ähnlicher Fragwürdigkeit wie die Ortsbesichtigung waren übrigens die bereits erwähnten, zum Zwecke des Augenscheins im Gerichtssaal ausgehängten Schaubilder. Die Frage. ob die Lagerpläne authentisch waren oder nach welchen Unterlagen das Gaskammermodell angefertigt worden war, wurde offenbar ebenfalls von niemandem gestellt. Die Herkunft dieser Augenscheinsobjekte aus dem polnischen Auschwitz-Museum ersetzte vermutlich den Echtheitsbeweis, obwohl daraus eher das Gegenteil hätte gefolgert werden müssen. Bezeichnend ist, daß das Gericht und seine Helfer — wie Langbein mit törichter Genugtuung feststellt — auf den Lagerplänen besser “zu Hause waren”, als manche Zeugen, die Auschwitz als Häftlinge kennen gelernt hatten. Zur Erläuterung des Gaskammer-Modells stand dem Gericht nur ein einziger Zeuge zur Verfügungl (140). Selbstverständlich bestätigte er die Richtigkeeit [343] der Darstellung; denn dazu hatte man ihn ja aus Polen nach Frankfurt zitiert. Langbein glaubt seine “Bedeutung” noch mit folgendem Satz unterstreichen zu müssen:

“Erst seine Worte verliehen dem Modell volles Gewicht.”

Zweckmäßiger wäre es wohl gewesen, dem Gericht auch die angeblichen Unterlagen für dieses Gaskammermodell zur Verfügung zu stellen oder den Hersteller des Modells als Zeugen über seine Konstruktionsgrundlagen berichten zu lassen. Doch auch daran dachte anscheinend niemand in diesem makabren Prozeß.–

d) Die Zeugen

Wie wir sahen, stand bei den bisher behandelten Beweismitteln der politische Demonstrationseffekte auf den es den Drahtziehern des Verfahrens entscheidend ankam. im Vordergrund. Zur Belastung oder Entlastung der einzelnen Angeklagten trugen sie kaum etwas bei. Insoweit kam es also im wesentlichen auf die Zeugenaussagen an, die indessen in diesem Verfahren noch weit problematischer waren. als das ohnehin schon in jedem Strafprozeß der Fall ist. Das Schwurgericht selbst beklagte in seinem Urteil die durchaus unzureichenden Erkenntnismöglichkeiten, indem es ausführte (141):

“Dem Gericht fehlten fast alle in einem normalen Mordprozeß zur Verfügung stehenden Erkenntnismöglichkeiten, um sich ein getreues Bild des tatsächlichen Geschehens im Zeitpunkt des Mordes zu verschaffen. Es fehlten die leichen der Opfer. Obduktionsprotokolle. Gutachten von Sachverständigen über die Ursache des Todes und die Todesstunde, es fehlten Spuren der Täter, Mordwaffen usw. Eine Überprüfung der Zeugenaussagen war nur in seltenen Fällen möglich.”

Dieses Bekenntnis spricht fur sich und zeigt das ganze Dilemma des Prozesses in strafrechtlicher Hinsicht auf. Bemerkenswert ist die vom Gericht eingestandene Tatsache, daß es in Auschwitz keinerlei Spuren der sagenhaften “Gaskammern” gibt. Denn so muß man die allerdings etwas vage Wendung “es fehlten… Mordwaffen usw.” wohl auffassen, wenn man daran denkt, daß den meisten Angeklagten gerade die Beteiligung an den angeblichen Gaskammermorden zur Last gelegt wurde. Doch diese hielt man ja ohnehin für eine unumstößliche geschichtliche Tatsache, so daß bei den darauf bezüglichen Zeugenaussagen selbst den Richtern eine Überprüfung offenbar entbehrlich erschien.

Die Vernehmung der insgesamt 409 Zeugen nahm mehr als ein volles Jahr in Anspruch. 248 von ihnen waren ehemalige Auschwitzhäftlinge, [344] 91 hatten der SS angehört und 70 gehörten keiner dieser beiden Gruppen an (142). Selbstverständlich handelte es sich ganz überwiegend um Belastungszeugen; sie kamen sogar teilweise aus den Reihen der ehemaligen SS (143). Entlastungszeugen waren von der Verteidigung- ähnlich wie in den Nürnberger Prozessen — nur unter größten Schwierigkeiten aufzutreiben. Waren solche Zeugen in den Ostblockländern ansässig, so erhielten sie in der Regel nicht die Ausreisegenehmigung, da die Justizbehörden dieser Länder – wie Laternser in einigen Fällen nachweisen konnte- sich die Entscheidung über ihre Unentbehrlichkeit im Prozeß durch das deutsche Gericht nicht aus der Hand nehmen ließen (144). Konnten solche Zeugen aber doch ausreisen oder wurden sie in ihren Heimatländern vernommen, so konnte man sicher sein, daß sie inzwischen zu Belastungszeugen “umgedreht” worden waren (145). Deutsche Entlastungszeugen waren in ihren Aussagen naturgemäß äußerst zurückhaltend.

In diesem Zusammenhang soll uns nicht nochmals das bereits behandelte Problem der Zuverlässigkeit des Zeugenbeweises an sich beschäftigen (vgl. Drittes Kapitel, I; oben Seiten 143f). Es sei nur wiederholt, daß der Zeugenbeweis im allgemeinen das unzuverlässigste Beweismittel ist. Gerade deshalb bedarf jede Zeugenaussage grundsätzlich der Überprüfung anhand sicher bekannter Umstände. Das Auschwitz-Gericht aber hatte hierzu — wie es selbst zugab — kaum die Möglichkeit. Die Aussagen ausländischer Belastungszeugen wagte es anscheinend ohnehin nicht in Frage zu stellen. Laternser bemerkt hierzu (146):

“Sie (die Zeugen) erschienen vor Gericht, machten ihre Angaben — deren Zustandekommen nicht nachprüfbar war — und reisten wieder ab. Für ihre Aussagen trugen sie keinerlei praktische Verantwortung. Ein solches Verantwortungtragen-Müssen ist aber ein sehr wichtiger Faktor für die Beurteilung einer Aussage. Bei einer Reihe von Zeugen ergab sich nach der Meinung der Verteidigunt der Eindruck, daß sie davon ausgingen, es komme bei diesen Angeklagten — diesen >Bestien in Menschengestalt<, wie sie in einem großen Teil der Presse genannt wurden — auf die Aussagen im einzelnen gar nicht mehr so genau an.

Welche Mühe und welches Maß von Aufklärung wird in normalen Strafprozessen aufgewendet, um die Richtigkeit einer Aussage und ihr Werden nachzuprüfen! In dieser Richtung hat sich während des Auschwitzverfahrens nur die Verteidigung betätigt,… Es schien so, als ob die anderen Prozeßbeteiligten die Aussagen ausländischer Zeugen jeweils so hinnehmen wollten, wie sie gemacht worden waren. Und es entstand der Eindruck, die Staatsanwaltschaft wolle es auf alle Fälle verhindern, daß ausländische Zeugen einer genauen und ins einzelne gehenden Befragung ausgesetzt werden. Die Nebenklagevertreter vertraten die Interessen dieser Zeugen in ganz besonderem Maße. Leider gab das [345] Schwurgericht der überwiegenden Zahl der Einsprüche sowohl der Staatsanwaltschaft als auch der Nebenklagevertreter gegenüber Fragen der Verteidigung statt. Auf diese Weise waren die meisten Versuche der Verteidigung zur Erfolgslosigkeit verurteilt “

Wieder einmal muß festgestellt werden, daß diese Einstellung des Gerichts und der Anklagevertreter durchaus in das Bild eines Schauprozesses paßt, in dem nicht die Wahrheitsfindung, sondern der politische Demonstrationseffekt die Hauptsache ist.

Indessen galt das nicht immer nur für die ausländischen Zeugen. Auch inländischen Zeugen wurde nicht weiter “auf den Zahn gefühlt”, wenn sie mit ihrer Aussage “richtig” lagen. Im umgekehrten Fall konnte es allerdings vorkommen, daß der Zeuge im Gerichtssaal verhaftet wurde (147), was ausländischen Zeugen selbst bei erwiesenen Falschaussagen nicht passieren konnte. Das Gericht freilich versuchte in seinen Urteilsgründen diesen Eindruck dadurch zu verwischen, daß es die oben zitierte Passage über die Unzulänglichkeit seiner Erkenntnismöglichkeiten wie folgt fortsetzte:

“Die Glaubwürdigkeit der Zeugen mußte daher besonders sorgfältig geprüft werden…. Soweit bei einzelnen Zeugen der Eindruck bestand, daß sie aus einer gewissen Geltungssucht oder sonstiger Veranlagung heraus zum Erzählen phantasievoller Geschichten neigten… hat das Gericht die Aussagen insgesamt nicht verwertet.”

Das war indessen nur eine Floskel, um dem Leser des Urteils zu suggerieren, wie “genau” das Gericht alle Zeugenaussagen geprüft habe. Die Wirklichkeit sah nämlich anders aus. Auch solche Zeugen wurden vom Gericht als “glaubwürdig” akzeptiert, die den phantastischsten Unsinn erzählten. Das soll an einigen Beispielen belegt werden, die noch um weitere vermehrt werden könnten.

Zunächst sei hier nochmals der Zeuge Dr. Morgen erwähnt, mit dessen Person wir uns bereits im Rahmen des IMT-Prozesses beschäftigten. Er bekundete folgendes über einen “Ende 1943 oder Anfang 1944” stattgefundenen Besuch im “Vernichtungslager Birkenau” (148):

“In dem riesigen Krematorium war alles spiegelblank. Nichts hat darauf hingedeutet, daß dort noch eine Nacht zuvor Tausende Menschen vergast und verbrannt worden waren. Nichts von ihnen ist übrig geblieben, nicht einmal ein Stäubchen auf den Ofenarmaturen.”

Wir erinnern uns, daß Morgen im, IMT-Prozeß Monowitz als das “Vernichtungslager” bezeichnet hatte (vgl. oben Seite 173f). [346] Inzwischen hatte er sich offensichtlich der gängigen Version angepaßt, was dem Gericht jedoch keinen Anlaß gab, seine Glaubwürdigkeit in Frage zu stellen. Doch auch im übrigen trägt seine Aussage den Stempel der Lüge. Denn daß Tausende von Menschen innerhalb einer Nacht so restlos vernichtet werden können, daß “nicht einmal ein Stäubchen auf den Ofenarmaturen” mehr davon Kunde gibt, ist schlechthin unmöglich.

Morgens Aussagen standen übrigens in keinerlei Zusammenhang mit irgendwelchen Handlungen der Angeklagten (149). Er belastete keinen der Angeklagten direkt. Somit erscheint die Vermutung nicht unbegründet daß seine Ladung nur im Interesse des Schauprozeßcharakters erfolgte. der diesem Prozeß zugedacht war.

Ein weiterer Zeuge, dessen Unglaubwürdigkeit sozusagen offenkundig ist, wenn man sich nur ein wenig mit der einschlägigen Literatur über Auschwitz befaßt hat, war der aus England angereiste Dr. Rudolf Vrba. Hinsichtlich der Person und der angeblichen Erlebnisse dieses Zeugen in Auschwitz sei auf die bisherigen Ausführungen verwiesen (vgl. oben Seiten 123ff, 208ff). Im Auschwitz-Prozeß ließ sich dieser Zeuge — wenn man den vorliegenden Prozeßdokumentationen insoweit trauen darf auf verfängliche Einzelheiten nicht ein und wurde auch vom Gericht auf die Widersprüche und Ungereimtheiten in seinen früheren schriftlichen Zeugnissen nicht angesprochen. Vrba belastete vor allem den Angeklagten Mulka schwer, der allein auf Grund der Aussage dieses notorischen Lügners wieder in Haft genommen wurde, nachdem ihm erst wenige Monate zuvor in Anbetracht seiner angeschlagenen Gesundheit Haftverschonung gewährt worden war (150). Auch diesen Erzähler “phantasievoller Geschichten” hielt das Gericht mithin für glaubwürdig. Es mag dahingestellt bleiben, ob die Richter die Glaubwürdigkeit dieses Zeugen nicht anzuzweifeln wagten oder ob sie nur seine literarischen Zeugnisse nicht kannten. Im letzteren Fall wäre ihnen allerdings der Vorwurf zu machen, sich auf diesen Prozeß nicht hinreichend vorbereitet zu haben

Ein besonders schönes Beispiel dafür, daß das Gericht jede auch noch so unsinnige Aussage widerspruchslos entgegennahm und dem betreffenden Zeugen trotzdem glaubte, ist der tschechische Zeuge Filip Müller. Er gehörte seiner Darstellung nach dem Sonderkommando für dic Krematorien an. Vrba behauptet in seinem Buch “Ich kann nicht vergeben”, Müller sei in einem der Krematorien als “Heizer” beschäftigt und in der Lage gewesen, anhand des Brennstoffverbrauchs die Zahl der verbrannten Leichen zu errechnen! (aaO. Seiten 200-201) Wunderbarerweise teilte Müller, der — wiederum nach eigenen Angaben — seit 1942 beim Sonderkommando für die Krematorien arbeitete, nicht das [347] übliche Schicksal der Angehörigen dieses Kommandos, die der Legende zufolge jeweils im Abstand von 3 bis 4 Monaten aus Geheimhaltungsgründen selbst “vergast und verbrannt” worden sein sollen. Eine überzeugende Erklärung für sein Überleben blieb er schuldig; im übrigen aber war er besonders redselig (15l).

So berichtete dieser verhinderte Märtyrer z. B. über zwei große Leichenverbrennungsgruben in der Nähe des Krematoriums IV, die er wie folgt beschrieb:

“Die vierzig Meter langen und ungefähr sechs bis acht Meter breiten und zweieinhalb Meter tiefen Gruben hatten an den Enden Vertiefungen, in die das Menschenfett hineingeflossen ist. Mit diesem Fett mußten die Häftlinge die Leichen übergießen, damit sie besser brannten.”

Weiter behauptete er, daß der “Chef des Krematoriums” Oberscharführer Moll lebende Kinder “in das kochende Leichenfett… hineingeworfen” habe. Auch wußte er über “Experimente” in den Krematorien zu berichten. So sei einmal “ein Buckliger in ein Faß mit verschiedenen Salzen und Säuren gesteckt worden, um sein Skelett zu gewinnen”. Ferner hätten SS-Männer “den in den Krematorien Erschossenen Fleisch aus den Oberschenkeln geschnitten”. Zu welchem Zweck das geschehen sein soll, wußte der “Zeuge” allerdings auch nicht.

Ein Kommentar hierzu erübrigt sich. Man muß sich nur darüber wundern, daß erfahrene Richter sich diesen ganzen — z.T. physikalisch unmöglichen — Unsinn überhaupt anhörten, anstatt sofort nach den ersten offensichtlichen Lügen auf die weitere Vernehmung eines solchen “Augenzeugen” zu verzichten. Darüber hinaus stützte das Gericht auf einige Aussagen dieses Mannes sogar die Verurteilung der Angeklagten Stark, Dr. Lucas und Dr. Frank (152). Obwohl er ersichtlich “zum Erzählen phantasievoller Geschichten” neigte, hatte das Gericht also keine grundsätzlichen Zweifel hinsichtlich seiner Glaubwürdigkeit.

Schon auf Grund dieser wenigen Beispiele dürfte der Schluß gerechtfertigt sein, daß das Gericht die Glaubwürdigkeit der Zeugen wohl kaum so “besonders sorgfältig geprüft” hat, wie es mit dem oben zitierten Satz aus seinen Urteilsgründen glauben machen wollte. Es scheute sich offensichtlich, die Aussagen ausländischer Belastungszeugen auch nur im geringsten in Zweifel zu ziehen.

Das Gericht nahm dementsprechend auch in keiner Weise Notiz davon, daß wohl die meisten Zeugen in irgendeiner Hinsicht abhängig und ihre Aussagen weitgehend fremdbestimmt waren. Laternser hat das anhand zahlreicher Beispiele belegt (153). Seine wohl gravierendste [348] Feststellung ist, daß es sogar “Informationsblätter des Auschwitz-Komitees” gab, die an alle Zeugen zu deren Orientierung versandt wurden. Sie enthielten neben Angaben über die allgemeinen Lagerverhältnisse in Auschwitz und über die angeblichen Verbrechen der einzelnen Angeklagten auch deren Bilder sowie ihre persönlichen Lebensdaten und ihre Sitznummern im Verhandlungsraum (154). Es ist fast unvorstellbar, paßt jedoch ins Bild eines Schauprozesses, daß das Gericht unter diesen Umständen dem angeblichen Wiedererkennen eines Angeklagten durch ehemalige Häftlinge überhaupt noch irgendeinen Wert beimessen konnte.

Die Tatsache, daß viele Aussagen trotz der weitgehenden “Vorbereitung” der Zeugen höchst widerspruchsvoll waren, soll hier nur am Rande erwähnt werden. Der interessierte Leser mag sich selbst hiervon anhand der vorliegenden Prozeßdokumentationen überzeugen, in dic allerdings die auffälligsten Widersprüche vermutlich noch nicht einrr.al aufgenommen wurden. Insoweit ergab der Auschwitz-Prozeß kein anderes Bild, als es uns bereits aus der Literatur über Auschwitz bekannt geworden ist.

Sehr wichtig für die Beantwortung unserer Frage, ob der Auschwitz-Prozeß ein Schauprozeß war, ist jedoch die Feststellung, daß die meisten Zeugen sich nicht darauf beschränkten, zu den gegen die einzelnen Angeklagten erhobenen Vorwürfen etwas auszusagen. Sie ergingen sich vielmehr daneben auch in allgemeinen Schilderungen der Lagerverhältnisse oder eigener angeblicher Erlebnisse, die mit den konkreten Anklagepunkten nur wenig oder nichts zu tun hatten. Auch hier begegnen wir wieder dem beabsichtigten politischen Demonstrationseffekt, der auch in diesem Zusammenhang wieder allein durch den Gerichtsvorsitzenden ermöglicht oder sogar gefördert wurde. Denn er hätte als Verhandlungsleiter derartige Abschweifungen von vornherein unterbinden können und müssen (155).

Daß auch dieser Teil der Beweisaufnahme dem Schauprozeßcharakter des gesamten Verfahrens Rechnung trug, zeigt wohl am eindeutigsten die Tatsache, daß die drei ersten Häftlingszeugen — wie Langbein mit unverkennbarer Befriedigung vermerkt — dem Gericht “nur einen allgemeinen Überblick” zu geben hatten. Es handelte sich um die Zeugen Wolken, Lingens-Reiner und den an der Vorbereitung des Auschwitz-Prozesses maßgeblich beteiligten Hermann Langbein selbst. Hierbei konnte z.B. der Zeuge Otto Wolken (156) an zwei vollen Verhandlungstagen (!) dem Gericht neben der Schilderung angeblicher Lagerverhältnisse, die ersichtlich den Charakter von Auschwitz als einem [349] “Vernichtungslager” unterstreichen sollten, eine Aneinanderreihung bekannter und unbekannter, aber in keiner Weise nachprüfbarer Greuelgeschichten bieten, die zu den Vorwürfen gegenüber den einzelnen Angeklagten in keinerlei Beziehung standen. Mit den Zeugen Lingens-Reiner und Langbein verhielt es sich ähnlich. Als der Verteidiger Laternser endlich bei dem “Zeugen” Langbein den vorsichtigen Versuch machte, dessen Aussage auf das für den Prozeß Wesentliche zu beschränken, tat der Gerichtsvorsitzende so, als habe er diese Mahnung nicht verstanden, und ließ den “Zeugen” weiter schwafeln (157).

Insbesondere diese “allgemeinbildenden” Pauschalschilderungen vieler Zeugen, die jeden konkreten Bezugspunkt zu den angeblichen Taten der Angeklagten vermissen ließen, trugen dazu bei, dem Verfahren das Gepräge eines Schauprozesses zu geben. Denn wenn man die Aufgabe eines Schauprozesses zweifellos u. a. darin sehen kann, der Öffentlichkeit bestimmte Vorstellungen, Forderungen oder — wie vor allem in den KL-Prozessen — Schuldkomplexe durch ein schauartiges Prozeßgeschehen regelrecht einzuhämmern, dann ist für diesen Zweck wohl nichts besser geeignet als eine Vielzahl von den Durchschnittsbürger schon rein gefühlsmäßig beeindruckenden Aussagen angeblicher Augenzeugen für das, was man den Menschen nahebringen möchte. Und man kann sicher sein, daß das Internationale Auschwitz-Komitee und ähnliche Organisationen unter diesem Gesichtspunkt für ein entsprechend geschultes Zeugenaufgebot gesorgt hatten, das in der deutschen Prozeßgeschichte damals wohl ohne Beispiel war. Für die Verbreitung der so gewonnenen Prozeßergebnisse auch bei denen, die nicht unmittelbar am Prozeßgeschehen teilnehmen konnten, sorgten die einheitlich gelenkten Massenmedien, die alles, was die “Zeugen” erzählten, ohne weiteres in den Rang von unbestreitbaren Tatsachen erhoben. Auf diese Weise bekam der Auschwitz-Prozeß dann auch jene umfassende “gesellschaftspädagogische Bedeutung”, von der der Prozeßberichterstatter Naumann spricht.

Ob das durch die Zeugenaussagen vermittelte Auschwitz-Bild auch einmalwie Langbein meint (158) — “historisches Gewicht” haben wird und dem “Historiker von morgen Quellenmaterial liefern” kann, muß allerdings schon auf Grund des Bildes, das der seiner Grundeinstellung nach gewiß unverdächtige Verteidiger Laternser von der Handhabung des Zeugenbeweises entworfen hat, bezweifelt werden — vom Inhalt der meisten Aussagen einmal ganz abgesehen.

Eine jeden Zweifel ausschließende Beschreibung vom Aussehen der “Gaskammern” und von der Durchführung der “Vergasungen” konnte [350] keiner der Zeugen geben. Das ist offenbar selbst dem “Experten” für die Gaskammerlegende Hermann Langbein aufgefallen. Denn er gibt im Hinblick auf die Birkenauer Krematorien zu (159): “Nur sehr wenig von dem, was sich vor und in diesen größten Gebäuden des Lagers Auschwitz abgespielt hat, können heute Augenzeugen bekunden.”

Mit anderen Worten also: Niemand von den Zeugen hatte wirklich umfassenden Einblick in jenen Gebäudekomplex, hinter dessen Mauerrl die Judenvernichtung angeblich vor sich gegangen sein soll. Der einzige Zeuge, der das vom Auschwitz-Museum zur Verfügung gestellte Modellbild einer Gaskammer “erläuterte” (vgl. oben Seite 342), ist gewiß kein Gegenbeweis. Langbein gibt bezeichnenderweise weder seinen Namen noch seine berufliche Tätigkeit preis, und Naumann erwähnt ihn überhaupt nicht. Vermutlich handelte es sich um einen Angestellten des Auschwitz-Museums, der auch nur dieses Modell kannte, das unzweifelhaft ein Phantasieprodukt war.

Wir sind damit am Ende unseres Überblicks über die Beweismittel des Auschwitz-Prozesses, die — wie wir gesehen haben — ebenfalls in weitestem Umfang der den Hintermännern des Prozesses erwünschten “Schau” dienstbar gemacht wurden. Daß diese “Schau” in der Öffentlichkeit ihre Wirkungen gehabt hat, ist unbestreitbar. Die Geschichte aller Schauprozesse zeigt jedoch, daß die damit verbundenen Auswirkungen immer nur zeitbedingt waren. Für den Auschwitz-Prozeß wird nichts anderes gelten. Daß das Auschwitz-Gericht selbst schon in seinem Urteil die Vergasungs-Legende auf Grund widersprüchlicher Zeugenaussagen ad absurdum geführt hat, wird sich im folgenden Abschnitt noch zeigen.

ANMERKUNGEN

Die Anmerkungen sind zum Verständnis des Textes nicht unbedingt erforderlich. Sie enthalten im wesentlichen die Quellenbelege. Dem Leser, der sich mit dem Stoff gründlicher befassen mochte, sollen sie darüber hinaus ergänzende, vertiefende und weiterführende Hinweise geben.

73) Das Frankfurter Schwurgericht setzte sich aus drei Berufsrichtern — einschließlich des Vorsitzenden — und sechs Geschworenen zusammen. Ferner wurden zur Verhandlung zwei Ergänzungsrichter und fünf Hilfsgeschworene hinzugezogen, um die Fortsetzung des Verfahrens bei Ausfall eines Richters oder Geschworenen sicherzustellen. Im einzelnen vgl. Laternser aaO. Seite 23-25.

Die Rolle der Geschworenen — in der Mehrzahl Frauen — kann hier unberücksichtigt bleiben. Sie waren in diesem Mammutprozeß hilflos den Berufsrichtern ausgeliefert. Laternser meint. sie seien gar nicht in der Lage gewesen, bei der Urteilsberatung “eine Richterstimme abzugeben” (aaO. Seite .S4). Daß sie zumindest ebenso wie die Berufsrichter unter dem “Druck” der Massenmedien standen, ist selbstverständlich.

74) Naumann aaO. Seiten 274-275 Bezeichnenderweise erwähnt Langbein diesen Teil der Urteilsbegründung in seiner Prozeßdokumentation nicht, obwohl er darin die mündlichen Urteilsgründe ebenfalls behandelt hat. Laternser hat sich darauf beschrankt, den Tenor des Auschwitz-Urteils mitzuteilen (aaO. Seiten 43S438).

75) Laternser aaO. Seite 35.

76) Naumann aaO. Seite 274. Auch diese Ausführungen erwähnt Langbein nicht. Sie paßten vermutlich nicht in sein Konzept.

77) AaO. Seite 28. Anlaß für diese Bemerkung Laternsers war die von ihm beklagte Anwendung verschiedener Maßstäbe durch das Gericht gegenüber Verteidigern und Angeklagten einerseits und der Anklagevertretung andererseits. die zweifellos aus einer gewissen Voreingenommenheit in der Sache selbst entsprang. Voreingenommenheit hat nicht selten ihre Grundlage in einer opportunistischen Haltung.

78) Vgl. Laternser aaO. Seiten 28-53, die speziell von der Verhandlungsführung im allgemeinen sprechen. Daneben enthalten auch die meisten anderen Abschnitte aus Laternsers Bericht einschlägige Beispiele.

79) Laternser aaO. Seite 29.

80) Über das “Zeugnis” vom Hörensagen ausführlich Hellwig in “Psychologie und Vernehmungstechnik bei Tatbestandsermittlungen” (Seiten 167-169). Hellwig weist in diesem Zusammenhang auf das lawinenhafte Anwachsen der Greuelbeschuldigungen im Ersten Weltkrieg hin, die auch Ponsonby in “Absichtliche Lügen in Kriegszeiten” (engl. Originaltitel: “Falsehood in War Time”) anschaulich beschrieben hat. Maßgebende Vertreter der Alliierten haben längst zynisch bekannt, daß sie die Lüge als “legitimes” Mittel der Politik auch im 2. Weltkrieg und danach gebrauchten. Udo Walendy hat einen kleinen Teil dieser Äußerungen in “Die Methoden der Umerziehung” zusammengestellt. Trotzdem pflegt man diese Tatsache geflissentlich zu übersehen — so auch im Auschwitz-Prozeß.

Butz behandelt an vielen Stellen seines Buches den Einfluß von Propaganda und Gerücht auf die Entstehung und Verbreitung der Vergasungslegende.

Die Erlebnisberichte von ehemaligen KL-Insassen leben in weitestem Umfang von der bloßen Wiedergabe von Lagergerüchten, wie in den meisten Fällen den Schilderungen selbst entnommen werden kann. Nicht einmal Rückerl (NSProzesse, Seite 26) kann bestreiten, daß sich nur allzuoft bei Zeugen selbst Erlebtes und nur Gehörtes “unentwirrbar vermengen”. Der Vorsitzende des Auschwitz-Gerichts löste das Problem “elegant”, indem er dem “Hörensagen” sogar “erhöhte Bedeutung” beimaß.

81) Laternser aaO. Seiten 34-36, 38, 57-58, 85-110.

82) Laternser aaO. Seite 29.

83) Naumann aaO. Seiten 278-279.

84) Laternser aaO. Seiten 30-32.

85) Laternser aaO. Seiten 28-30, 32, 37-38, 44-48.

86) Laternser aaO. Seite 28.

87) Zitiert nach Laternser (aaO. Seite 33), der leider Titel und Ausgabe der betreffenden Zeitung, die wohl als “weißer Rabe” anzusehen ist, nicht nennt.

88) Die Staatsanwaltschaft wurde durch den 1. Staatsanwalt Großmann sowie die Staatsanwälte Kügler, Vogel und Wiese vertreten; letzterer war zu Beginn des Verfahrens noch Gerichtsassessor. Als Vertreter der Nebenkläger traten die Frankfurter Rechtsanwälte Ormond und Raabe sowie der SED-Anwalt Prof. Kaul aus der DDR auf. Vgl. Laternser aaO. Seiten 24, 56 und 63.

89) Laternser aaO. Seiten 59-60 und 259. Die Staatsanwaltschaft legte gegen den zwangsläufig erfolgten Freispruch des Angeklagten Dr. Schatz sogar noch Revision ein, die allerdings erfolglos blieb.

90) Laternser aaO. Seiten 32 und 56, Fußnote 1.

91) Laternser aaO. Seiten 56ff.

92) Laternser aaO. Seite 64.

Ob überhaupt und gegebenenfalls auf welche Weise geprüft wurde, ob die durch sie vertretenen Nebenkläger Angehörige in Auschwitz durch Mord verloren hatten, ist nicht bekannt.

93) Laternser aaO. Seiten 69-75.

94) Laternser aaO. Seite 76.

95) Prof. Paul Rassinier wollte als Berichterstatter der “Deutschen Wochenzeitung” am Frankfurter Auschwitz-Prozeß teilnehmen. Der Frankfurter Landgerichtspräsident hatte ihm eine Eintrittskarte mit der Nummer 113 reservieren lassen. Man scheute sich jedoch offenbar. dieses makabre Justizschauspiel vor den Augen dieses kritischen Beobachters abrollen zu lassen. Als Rassinier nämlich am 18. Dezember 1963 über Saarbrücken nach Frankfurt reisen wollte, wurde er auf Weisung des Bundesinnenministeriums von deutschen Kriminalbeamten aus dem Zug geholt und als “unerwünschter Ausländer” (!) über die Grenze nach Frankreich abgeschoben. Seine Proteste beim damaligen Innenminister Höcherl und beim deutschen Botschafter in Paris wurden nicht einmal beantwortet. Vgl. “Deutsche Wochenzeitung” vom 4. August 1967.

Es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, daß hinter diesem Vorgehen gegen einen Mann, der unserem Volk und der geschichtlichen Wahrheit unschätzbare Dienste geleistet hat, die jüdischen Drahtzieher des Auschwitz-Prozesses standen. Ihr schlechtes Gewissen konnte kaum deutlicher unter Beweis gestellt werden.

96) Vgl. Laternsers Grundsatzplädoyer in “Die andere Seite im Auschwitz-Prozeß” Seite 129, und Seite 9 des Vorworts aaO.

97) Laternser aaO. Seiten 185-191 (Grundsatzplädoyer) und 249-252 (Plädoyer für Dr. Frank).

98) Vgl. Soldan/Heppe, “Geschichte der Hexenprozesse”. Wenn die in diesen Prozessen abgegebenen Bekenntnisse der Angeschuldigten auch zum Teil als “freiwillig” frisiert wurden oder deshalb “freiwillig” erfolgten, um sich die Qualen der Tortur zu ersparen oder die mildere Strafe der Hinrichtung durch das Schwert zu verdienen (Soldan/Heppe aaO. Band 2, Seite 413), so gab es daneben doch auch noch andere Motive. Die “Hexe” Christina Plum in Köln klagte sich sogar selbst der “Hexerei” an. Vgl. “Damals”, Heft 5/1977, Seiten 459ff., insbesondere Seiten 464 und 470.

Es dürfte im ührigen nicht abwegig sein, die psychischen Drangsalierungen, denen die Angeklagten des Auschwitz-Prozesses in der Untersuchungshaft und während des Verfahrens zweifellos ausgesetzt waren, fur nicht weniger wirkungsvoll zu halten als die körperlichen Torturen des Mittelalters. Die Menschen sind heute im allgemeinen sehr viel sensibler und widerstandsunfähiger als zu jenen Zeiten.

99) “Der Auschwitz-Prozeß”, Band l, Seite 10.

100) Laternser aaO. Seite 81.

101) Naumann aaO. Seiten 54-55; Langbein, “Der Auschwitz-Prozeß”, Band 1, Seiten 438442.

102) Naumann aaO. Seite 70; Anmerkung 176 zu Kapitel 3.

103) Naumann aaO. Seiten 238, 271, 280-281; Langbein, “Der AuschwitzProzeß”, Band 2, Seiten 883-885; Urteilsgründe Seiten 24g275.

104) Naumann aaO. Seite 25; Langbein, “Der Auschwitz-Prozeß”, Band 1. Seite 231; Urteilsgründe Seite 363.

105) Naumann aaO. Seite 64; Langbein, “Der Auschwitz-Prozeß”, Band 1. Seiten 240-241.

106) Zitiert nach Langbein, “Der Auschwitz-Prozeß”, Band 2, Seite 570.

107) Naumann aaO. Seite 25; Langbein, “Der Auschwitz-Prozeß”, Band l, Seite 231; Urteilsgründe Seite 364.

108) Naumann aaO. Seite 65; Langbein, “Der Auschwitz-Prozeß”, Band 1. Seite 233.

109) Vgl. Butz, “Hoax” Seiten 1 22 und 13 1; deutsche Ausgabe, Seiten 16 1 und 171. Rassinier hat verschiedentlich aus eigenem Erleben berichtet, wie groß die Angst der Häftlinge vor den notwendigen Reinigungsprozeduren war, weil sie auf Grund entsprechender Gerüchte in den betreffenden Räumen “Gaskammern” vermuteten; vgl. z.B. “Die Lüge des Odysseus”, Seiten 120 und 154.

110) Das Phänomen der sog. Gefälligkeitsaussage — manchmal um geringster Vorteile willen — ist seit langem bekannt. Daß Fälle vorkommen, in denen Angeklagte ein Geständnis ablegen, “bloß um sich dem Richter gefällig zu machen und dadurch eine bessere Behandlung im Gefängnis oder sonst einen augenblicklichen Vorteil zu erlangen”, hat schon der bekannte Strafrechtslehrer Paul Johann Anselm von Feuerbach in seinem Werk “Aktenmäßige Darstellung merkwürdiger Verbrechen” (Gießen 1829, Band 2, Seite 454) festgestellt. Vgl. Hellwig aaO. Seite 27. Jeder Strafrechtspraktiker weiß, daß so motivierte Aussagen keine Seltenheit sind.

111) Langbein, “Der Auschwitz-Prozeß”, Band 1. Seite 3 16: Naumann aaO. Seiten 175-176.

112) Langbein, “Der Auschwitz-Prozeß”, Band 2, Seite 704.

113) Langbein, “Der Auschwitz-Prozeß”, Band 2. Seite 703.

114) Langbein, “Der Auschwitz-Prozeß”, Band 2, Seite 774; Naumann aaO. Seite 95.

115) Naumann aaO. Seiten 16-35; Langbein, “Der Auschwitz-Prozeß”, Band 1 Seiten 163ff., 213ff., 231ff., 249ff., 258ff.. 367ff., 435ff., 485ff., 509ff.. 543ff., 561ff. und Band 2, Seiten 599ff., 643ff., 689ff., 701 ff., 709ff. 763ff.. 773 ff., 785 ff., 793 ff.

116) Vgl. Artikel 21 des den Nachkriegsprozessen der Alliierten zugrunde liegenden Londoner Statuts vom 8. August 1945; zitiert z.B. bei Walendy, “Die Methoden der Umerziehung”, Seite 10.

117) Langbein, “Der Auschwitz-Prozeß”, Band 1, Seite 43, und Band 2, Seiten 973-975, 980, 986.

Der vom sowjetzonalen Nebenklägervertreter Dr. Kaul gestellte Sachverständige Dr. Kuczinski wurde nach Erstattung seines Gutachtens über “Die Verflechtung von sicherheitspolizeilichen und wirtschaftlichen Interessen bei der Einrichtung und im Betrieb des KZ Auschwitz und seiner Nebenlager” wegen Befangenheit abgelehnt; vgl. Laternser aaO., Seite 69 und Langbein aaO. Band 2, Seite 941. Hier wurde indessen nur scheinbar “Objektivität” demonstriert, da die übrigen zeitgeschichtlichen Gutachter gewiß nicht weniger “befangen” waren.

118) Laternser aaO. Seite 83. Auf den Inhalt der Sachverständigengutachten gehen weder Laternser noch Langbein näher ein. Bernd Naumann (aaO. Seiten 156-159) behandelt nur das Gutachten von Dr. Buchheim zur Frage des Befehlsnotstandes.

119) AaO. Seite 82.

120) Der amerikanische Historiker David Hoggan behauptet, das Institut werde von Rockefelier unterstützt: “Der Unnötige Krieg”, Seite 275. Jedenfalls aber kann kaum ein Zweifel über die völlig einseitige “Ausrichtung” des Instituts für Zeitgeschichte bestehen. Das zeigen nicht nur seine einschlägigen Veröffentlichungen, sondern auch entsprechende Äußerungen von Mitarbeitern des Instituts. Vgl. hierzu Sündermann, “Das Dritte Reich” (erweiterte Auflage 1964), Seite 17. Siehe hierzu auch Walendy, “Methoden der Umerziehung”, Seiten 30ff. und Stäglich, “Historiker oder Propagandisten?”.

121) Rassiniers Arbeiten haben insbesondere deshalb Gewicht, weil sich in ihnen wissenschaftliche Redlichkeit mit eigenem KL-Erleben verbinden.

122) Das gilt z. B. für die Frage, ob es einen Führerbefehl zur Judenvernichtung gab, ebenso wie für die Frage, ob das KL Auschwitz ein speziell für die angebliche Judenvernichtung eingerichtetes Lager war und ob es entsprechende Einrichtungen (Gaskammern) hatte. Die Sachverständigen gingen ohne weiteres hiervon aus, ohne dies durch einwandfreie Quellen belegen zu können. Vgl. hierzu nochmals die allgemeinen Ausführungen zur Fragwürdigkeit der von den sog. Zeitgeschichtlern bisher präsentierten Quellen zur Judenvernichtung (Erstes Kapitel III 2).

123) Löwe-Rosenberg, Anm. 3 zu § 249 StPO.

124) “Der Auschwitz-Prozeß”, Band 1, Seite 43.

125) Langbein, “Der Auschwitz-Prozeß”, Band 2, Seiten 949 und 983. Hinsichtlich der widerspruchlichen Aussagen Kramers vgl. nochmals Anm. 35 zu Kapitel 3.

126) Über die brutale Behandlung der gefangenen SS-Leute in Belsen durch die britischen Vernehmer existiert ein sehr anschaulicher Bericht eines britischen Journalisten, der in “Nation Europa”, Nr. 5/1968 nachgedruckt wurde. Vgl. auch Heinz Roth, “Was geschah nach 1945?”, Teil 2, Seiten 70-71.

127) Naumann aa O. Seiten 141 ff.; Langbein, “Der Auschwitz-Prozeß”, Band l, Seite 537. Vgl. auch Langbein aaO. Band 1, Seiten 87,105f.,120f.,133-135, 139, 146, 229f. und 358f.

128) Langbein, “Der Auschwitz-Prozeß”, Band 2, Seiten 949 und 952.

129) Löwe-Rosenberg. Anm. 4 zu § 249 StPO.

130) In den Gründen des Auschwitz-Urteils wird der Zeuge Rothmann, der Langbein zufolge (aaO. S.537) dem Gericht die später verlesene Fotokopie des Broad-Berichts überreichte, nicht erwähnt. Die Verlesung dieses “Dokuments” machte — wie Langbein versichert (aaO. S.538) — “einen nachhaltigen Eindruck auf alle”. Nichts weiter war wohl auch beabsichtigt, da das “Dokument” konkrete “Verbrechen” der einzelnen Angeklagten nicht zum Gegenstand hatte.

131) Seite 87 der Gründe des Auschwitz-Urteils. Das vollständige Urteil wurde m. W. bisher nicht veröffentlicht. Eine Abschrift stand mir für einige Tage zur Verfügung.

132) Selbstverständlich bedeutet die Verlesung einer Urkunde und erst recht nicht der Fotokopie einer Urkunde, daß das Dokument auch echt ist. In jedem normalen Strafprozeß wäre bei derart fragwürdigen Urkunden wie den Höß-Aufzeichnungen ein Schriftsachverständiger hinzugezogen worden, der sich auch kaum mit der Prüfung einer Fotokopie begnügen würde. Nach einer Entscheidung des Oberlandesgerichts Braunschweig stellt ein Sachverständiger seine Sachkunde in Frage, wenn er sich allein auf Fotokopien verläßt, obwohl er die Originalschriften haben könnte (Neue Juristische Wochenschrift 1953, S .1035; Juristen-Zeitung 1953, S .515) . Vgl. auch Löwe-Rosenberg, Anm.5 a zu § 93 StPO.

133) Löwe-Rosenberg, Anm. 2 zu § 86 StPO.

134) Naumann aaO. Seite 149; Langbein, “Der Auschwitz-Prozeß”, Seite 41.

135) Löwe-Rosenberg, Anm. 6a zu § 86 StPO.

136) Naumann aaO. Seiten 149, 184, 186, 208-215; Langbein, “Der Auschwitz-Prozeß”, Band 2, Seiten 837ff.; Laternser aaO. Seiten 48-49, 411-413.

137) Naumann aaO. Seiten 71-72,116,283; Langbein, “Der Auschwitz-Prozeß”, Band 2, Seiten 787-789, 791-792, 898.

138) Naumann aaO. Seiten 210ff., der seiner Darstellung die pathetische Überschrift “Keine Spur mehr von Millionen Füßen” gegeben hat. Darin sollte wohl zugleich ein Hinweis auf die angebliche Opferzahl (2-4 Millionen!) liegen.

139) “Der Auschwitz-Prozeß”, Band 1, Seite 41.

140) Vgl. hierzu Langbein, “Der Auschwitz-Prozeß”, Band 1, Seiten 35-36.

141) Seite 109 der Urteilsgründe.

142) Vgl. den bei Langbein (“Der Auschwitz-Prozeß”, Band 2, Seiten 937ff.) im einzelnen dargestellten zeitlichen Ablauf des Prozesses. Langbeins Dokumentation enthält 193 Häftlingsaussagen,43 SS-Aussagen und 37 Aussagen von anderen Zeugen, wobei die Auswahl selbstverständlich einseitig im Sinne der Auschwitz-Legende getroffen wurde (aaO. Band 1, Seiten 15, 43-45).

143) Ein wichtiger SS-Zeuge war z. B. der ehemalige SS-Mann Richard Böck, der zur Fahrbereitschaft des Lagers Auschwitz als Kraftfahrer gehörte. Man zitiert seine zum Teil phantastischen Aussagen verschiedentlich in der einschlägigen Literatur, wobei sich mitunter auch Widersprüche ergeben: vgl. einerseits Kaul, “Ärzte in Auschwitz” (Seite 245) und andererseits Langbein, “Der Auschwitz-Prozeß” (Band 1, Seite 74).

Erst unlängst wurde Böck auch wieder in einer Fernsehsendung vorgestellt, und zwar in einer englischen TV-Serie “World at War”, die vom 3. deutschen Fernsehprogramm im Frühjahr 1978 unter dem Titel “Welt im Krieg” übernommen wurde. Nach einer Mitteilung des englischen Produzenten an den Verfasser vom 15. Juni 1978 ist Böck “Ehrenmitglied” der “Vereinigung ehemaliger Auschwitz-Insassen”!

144) “Die andere Seite im Auschwitz-Prozeß”, Seiten 42 43, 111-112.

145) Diesen Eindruck vermittelt jedenfalls Langbeins Darstellung; vgl. “Der Auschwitz-Prozeß”, Band 1, Seiten 42-43.

146) “Die andere Seite im Auschwitz-Prozeß”, Seiten 85-86.

147) So erging es z. B. dem deutschen Zeugen Walter, ehemaliger SS-Hauptscharführer in Auschwitz; erst nach “Berichtigung” seiner Aussage in der Haft wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt. Vgl. Langbein, “Der Auschwitz-Prozeß”, Band 1, Seiten 219-223, 314, und Band 2, Seiten 955, 981; Laternser aaO., Seiten 58-59, 110-111.

148) Zitiert nach Langbein, “Der Auschwitz-Prozeß”, Band 1, Seite 144; vgl. auch Naumann aaO. Seite 112.

149) Morgen berichtete über seine ehemalige Tätigkeit als SS-Richter, vor allem über die von ihm angeblich 1944/45 in Auschwitz durchgeführten Ermittlungen in Korruptionsfällen. Vgl. Langbein, “Der Auschwitz-Prozeß”, Band 1, Seiten 143f., 243f., 335f. und Naumann aaO., Seiten 111-113.

150) Langbein, “Der Auschwitz-Prozeß”, Band 1, Seiten 77f.,122-124,198; Naumann aaO. Seite 209.

151) Vgl. hierzu und zum folgenden Langbein, “Der Auschwitz-Prozeß”, Band 1, Seiten 86f., 88-89, 91, 131-133, 424f., 459-463; Band 2, Seiten 499, 549, 569f., 698f.; Naumann aaO. Seiten 181-184.

152) Seiten 116, 254 und 472 der Gründe des Auschwitz-Urteils. Vgl. auch Langbein, “Der Auschwitz-Prozeß”, Band 2, Seiten 884-885, 889 und 893.

153) “Die andere Seite im Auschwitz-Prozeß”, Seiten 85-126.

Langbein ist in seiner Prozeßdokumentation eifrig bemüht, den Vorwurf der Zeugenbeeinflussung als ungerechtfertigt hinzustellen, zumindest aber ihn abzuschwächen. Er kommt jedoch auch nicht an der durch entsprechende Briefe bewiesenen Tatsache vorbei, daß z. B. die polnischen Zeugen vor ihrer Ausreise nach Deutschland aufgefordert wurden, sich zunächst mit dem Internationalen Auschwitz-Komitee in Warschau und der Hauptkommission zur Verfolgung von Naziverbrechen in Polen in Verbindung zu setzen. Vgl. “Der Auschwitz-Prozeß”, Band 2, Seiten 843ff., insbesondere 864-865.

154) “Die andere Seite im Auschwitz-Prozeß”, Seiten 91-93.

155) Vgl. hierzu Laternser aaO. Seite 34.

156) Wolken war ein in Wien approbierter Arzt. Er war seiner Darstellung zufolge nach Auschwitz “als Jude verschleppt” worden (Naumann aaO. Seite 98). Der österreichische Jurist und Historiker Dr. Scheidl behauptet hingegen, Wolken sei wegen des kriminellen Delikts der Notzucht und der Abtreibung ins KL eingeliefert worden; auch den Doktortitel habe man ihm aus diesem Grunde aberkannt. Vgl. Scheidl, “Geschichte der Verfemung Deutschlands”, Band 4, Seiten 168-169 (unter Berufung auf die “Deutsche Wochenzeitung”, vom 31.7. 1964, S. 4).

157) Laternser, “Die andere Seite im Auschwitz-Prozeß”, Seite 34. Vgl. zum ganzen auch Naumann aaO. Seiten 98-105, 107-110; ferner Langbein, “Der Auschwitz-Prozeß”, Band 1, Seite 39 und Band 2, Seiten 938-939 (zum Inhalt der Aussagen im einzelnen vgl. die im Namensregister aaO. angegebenen Seitenzahlen).

158) “Der Auschwitz-Prozeß”, Band 1, Seiten 10 und 12.

159) “Der Auschwitz-Prozeß”, Band 1, Seite 88.

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Ende teil 13

 

( Fonte: www.aaargh.codoh.info )

Der Auschwitz Mythos – Legende oder Wirklichkeit – Dr. Wilhelm Stäglich (Teil 12)

24 Ott

Der Auschwitz Mythos


Dr. Wilhelm Stäglich

 

 

Viertes Kapital: Der Auschwitz-Prozeß

I. GERICHTSVERFAHREN ALS GESCHICHTSQUELLE?–

 

ANSPRUCH UND WIRKLICHKEIT

 

Teil 12

[28l]

Als die Beweisaufnahme im sog. Auschwitz-Prozeß abgeschlossen war und das Verfahren sich mit den Plädoyers der Anklagebehörde, der Vertreter der Nebenklage und der Verteidigung seinem Ende zuneigte, erhielt das bis dahin vor der Offentlichkeit nur mühsam gewahrte Bild von einem “ganz normalen Strafprozeß” (1) einen sicherlich unbeabsichtigten, aber bezeichnenden Schönheitsfehler. Mit nur schlecht verhehlter Genugtuung erklärte nämlich der Nebenklagevertreter, Rechtsanwalt Henry Ormond, am Ende seines Plädoyers folgendes (2):

“Wenn die letzten Überlebenden der Hölle von Auschwitz nicht mehr Zeugnis ablegen könnten — und darauf warte man in gewissen Kreisen-, dann werde Auschwitz in nicht zu ferner Zukunft nur noch eine Legende sein,… Ohne den jetzigen Prozeß, bei dem aus dem Munde der Überlebenden die Wahrheit bekundet worden sei, hätten die Unbelehrbaren ihre Bagatellisierungsversuche fortgesetzt. Daß dies nun nicht mehr möglich sei, werde man neben der Bestrafung der Schuldigen als das große, das bleibende Verdienst dieses mustergültig geführten Prozesses ansehen können.”

Das war entlarvend genug, wenn auch der nüchterne Beobachter jenes Prozesses von vornherein den Eindruck gewinnen mußte, daß dieser in erster Linie — wenn nicht gar ausschließlich — dem Ziel diente, einen damals in weitesten Kreisen immer noch als durchaus zweifelhaft angesehenen zeitgeschichtlichen Sachverhalt als “gerichtsnotorisch” festzustellen, um ihm damit eine historisch tragfähige Grundlage zu geben. Nun aber war dieser Hauptzweck des Verfahrens von einem Vertreter jener Kreise offen ausgesprochen worden, die hinter dem ganzen Justizschauspiel standen. Kein Wunder also, daß der bekannte Strafverteidiger Dr. Laternser in seinem Plädoyer für den Angeklagten Dr. Capesius diese und ähnliche Äußerungen anderer Prozeßbeteiligter eindeutig als rechtsfremd rügte (3) und in seinem Schlußplädoyer vom 6. August 1965 sogar von einem “Schauprozeß” sprach, ein Vorwurf, der offenbar von anderen Verteidigern schon vorher erhoben worden war (4). Wir werden [282] noch sehen, daß dieser Vorwurf durchaus nicht so abwegig war, wie es im Rahmen deutscher Gerichtsbarkeit zunächst scheinen mag.

Der Nebenklagevertreter Ormond blieb übrigens mit seiner öffentlich bekundeten Meinung über den Zweck des Auschwitz-Prozesses nicht lange allein. Auch der Generalsekretär des Internationalen Auschwitz-Komitees Hermann Langbein, der trotz seiner Inanspruchnahme als Zeuge ständiger Beobachter des Prozesses und an dessen Zustandekommen maßgebend beteiligt gewesen war, gab in der Schlußbetrachtung seiner zweibändigen Prozeßdokumentation ähnlichen Gedanken Raums (5).

Er sieht in dem Gerichtsverfahren eine “Dokumentation über das größte Vernichtungslager Hitlers, gegen die keine sachlichen Einwendungen bestehen können”, die “künftigen Historikern, vor allem aber der jungen Generation in Deutschland Möglichkeit zur Orientierung und Stoff zum Nachdenken bieten” solle. Und wörtlich schließt er diesen Gedanken mit dem für einen der Hintermänner des Auschwitz-Prozesses bemerkenswerten Eingeständnis ab:

“Um diesem Zweck uneingeschränkt dienen zu können, war das Bild über das Vernichtungslager Auschwitz unter der Leitung deutscher Richter zusammenzustellen. “

Dementsprechend hat sich in letzter Zeit Robert M. W. Kempner, der ehemalige Ankläger des Militärtribunals von Nürnberg, für seine Behauptung, die “Vernichtung der Juden” sei durch ein “plan — und verwaltungsmäßiges Zusammenarbeiten sämtlicher Reichs — und Parteibehörden” erfolgt, nicht etwa auf inzwischen bekannt gewordene Forschungsergebnisse unabhängiger Historiker, sondern auf “Dokumente und Zeugenaussagen vor deutschen Gerichten” berufen, wobei er ausdrücklich den “Auschwitzprozeß in Frankfurt” erwähnt (6).

Doch mag auch die Absicht, mit diesem Prozeß ein Stück Zeitgeschichte festzuschreiben, für den Ablauf des gesamten Verfahrens beherrschend gewesen sein und in der Gegenwart sogar weitgehend zu dem gewünschten Erfolg geführt haben, so wird sich — auf die Dauer gesehen — dieses Vorhaben gleichwohl als ein untauglicher Versuch erweisen. Denn letztlich ist und bleibt das Urteil der Historiker maßgebend für das, was einmal als historisch gesicherte Erkenntnis in die Geschichtswerke eingehen wird. Mythen werden kaum jemals zu historischen Tatsachen, und an dem im wesentlichen auf Legenden aufgebauten Auschwitzbild des Frankfurter Gerichtsverfahrens, mit dessen wichtigsten Grundlagen wir uns bereits in den vorhergehenden Kapiteln [283] beschäftigten, wird sich eine um die historische Wahrheit bemühte Geschichtswissenschaft mit Sicherheit nicht orientieren. Unvoreingenommene Historiker, die jener Zeit nicht mehr unmittelbar verhaftet und daher frei von Emotionen sein werden, werden wahrscheinlich nur noch den Kopf schütteln oder entsetzt sein, wenn sie die Haltlosigkeit der im Auschwitz-Prozeß verwendeten Dokumente feststellen sowie den ganzen Unsinn und die Widersprüchlichkeit der Zeugenaussagen erkennen werden. Nicht einmal Langbein ist es gelungen, seinen doch sicherlich sehr sorgfältig redigierten Prozeßbericht von solchen Widersprüchen und Ungereimtheiten freizuhalten.

Die eben angedeutete kritische Distanz, die eine seriöse Geschichtswissenschaft den Ergebnissen und Grundlagen des Auschwitz-Prozesses und ähnlicher Gerichtsverfahren sicherlich einmal entgegenbringen wird, ist freilich von beamteten Historikern der Gegenwart noch nicht zu erwarten. Andernfalls würden sie ihre berufliche Stellung aufs Spiel setzen. Das Grundrecht der Meinungsfreiheit ist insoweit — jedenfalls für Beamte — eingeschränkt. Das gilt für deutsche Historiker diesseits und selbstverständlich auch jenseits der innerdeutschen Grenze. Doch ist die Außerachtlassung jenes Tabus auch für ausländische Historiker nicht risikofrei, wie der französische Historiker Professor Paul Rassinier und letzthin auch der US-amerikanische Professor Arthur R. Butz erfahren mußten (7). Der britische Historiker der Universität London, der die Schrift “Did Six Million Really Die? ” verfaßte, zog es vor, sich das Pseudonym Harwood zuzulegen. Und sehr treffend zeichnete jener amerikanische Historiker die Lage, der eine Studie mit dem Titel “The Myth of the Six Million” im Jahre 1969 als “Anonymous” herausgab. Er schrieb in der Einführung, daß die Notwendigkeit der Anonymität durch seine Stellung als “college professor” gegeben sei, was er auch zu bleiben beabsichtige, ebenso wie er auch eines Tages seine wohlverdiente Pension erhalten wolle (8).

So schweigen denn heute Historiker, die noch ernst genommen werden wollen, zum Thema Judenvernichtung im Dritten Reich. Oder sie halten sich in dem durch die Nürnberger Prozesse und die vorhergehende Kriegspropaganda vorgezeichneten Rahmen und versuchen dem Klischeebild durch den Hinweis auf Prozesse wie den Auschwitz-Prozeß einengrößeren Anschein von Glaubwürdigkeit zu verleihen. Hierfür ist die in Heft 2 der “Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte” des Jahrgangs 1976 veröffentlichte Abhandlung von Arndt/Scheffler “Organisierter Isfassenmord an Juden in Nationalsozialistischen Vernichtungslagern” ein vortreffljches Beispiel (9). Daran ändert auch nichts die grundsätzlich [284] richtige Feststellung der Verfasser (aaO. Seite 115, Fußnote 20), daß “verantwortliche Geschichtsschreibung allein aufgrund von Gerichtsurteilen” nicht möglich sei. Denn sie haben sich selbst nicht daran gehalten, da sie sich z. B . hinsichtlich des Auschwitz-Komplexes im wesentlichen auf das Frankfurter Schwurgerichtsurteil und — was auf dasselbe hinausläuft — die durch dieses Urteil gewissermaßen sanktionierten Krakauer Höß-Aufzeichnungen berufen, die neben den fragwürdigsten Zeugenaussagen vom Gericht vorbehaltlos als Beweis akzeptiert wurden, obwohl den Richtern nur Fotokopien davon vorlagen.

Daß die soeben zitierte Feststellung von Arndt/Scheffler kaum mehr als ein Lippenbekenntnis ist, zeigen im übrigen schon die Vorbemerkungen Broszats zu ihrer Abhandlung. Er weist nämlich darauf hin, daß “die Justiz der Bundesrepublik gerade im Bereich der Vernichtungslager mit ihrem umfangreichen, viele Jahre lang tätigen Ermittlungsapparat zur Aufklärung dieses nationalsozialistischen Verbrechenskomplexes vielfach mehr geleistet” habe, als es “den Historikern möglich gewesen wäre”. Und es ist erst recht bezeichnend, daß Broszat — wie seine weiteren Ausführungen ergeben — eine Widerlegung der revisionistischen Literatur zur Frage der Judenvernichtung von der bevorstehenden Veröffentlichung der wesentlichsten Ergebnisse jener Gerichtsverfahren aus dem “Bereich der Vernichtungslager” erwartet (10).

Damit wird freilich dem Institut für Zeitgeschichte, dessen Spezialgebiet ja gerade die Geschichte des Dritten Reiches ist und das unter der Leitung von Prof. Broszat steht, ein Armutszeugnis ausgestellt. Denn damit wird zugegeben, daß sich jene Historiker, die um den Nachweis der angeblichen Judenvernichtungen bemüht sind, mehr oder weniger auf die Ergebnisse der Strafprozesse gegen sog. NS-Gewaltverbrecher (NSG-Verfahren) angewiesen fühlen. Das ist um so bemerkenswerter. weil es zu den Binsenweisheiten gehören dürfte, daß die Feststellung historischer Sachverhalte nicht die Sache von Richtern ist, sondern ausschließlich in die Kompetenz der historischen Wissenschaft fällt. Die in den NSG-Verfahren tätigen Richter pflegen das auch meist zu betonen und ziehen deshalb zur Beurteilung des historischen Hintergrunds der Verfahren regelmäßig Sachverständige heran, auf deren Darlegungen sie sich mangels besseren Wissens bisher stets ohne weiteres verlassen haben. Bei den Sachverständigen aber handelt es sich, wie auch Broszat nicht unbekannt sein dürfte, gewöhnlich um Mitarbeiter jenes Instituts für Zeitgeschichte, dessen Direktor er zur Zeit ist. Es fällt schwer, hierüber keine Satire zu schreiben (11).–

Da es jedoch nun einmal eine Tatsache ist, daß heutzutage die Justiz [285] sozusagen zum Eidhelfer für das gemacht wird, was man als “wissenschaftliche Erkenntnisse” über die angebliche Judenvernichtung auszugeben pflegt, erscheint es erforderlich, hier kurz die Erkenntnismethoden zu beleuchten, die für die Arbeit des Historikers einerseits und für die Feststellungen in einem gerichtlichen Strafverfahren andererseits maßgebend sind. Beide Arbeitsweisen sind durchaus verschieden, und so wird auch kein vernünftiger Mensch erwarten, daß Richter im Rahmen eines Strafprozesses historische Sachverhalte endgültig und verbindlich aufzuklären in der Lage sind, ganz abgesehen davon, daß der Strafprozeß einem anderen Zweck zu dienen hat.

Die Methodik der Geschichtswissenschaft besteht im wesentlichen aus Quellenforschung, vergleichender Quellenkritik, Quellenbewertung und schließlich zusammenfassender Darstellung des sich aus den Quellen ergebenden Geschehens. Die wirklichkeitsgetreue Zusammenschau und Darstellung geschichtlicher Ereignisse ist erst möglich, wenn alle verfügbaren Quellen — wie z. B. schriftliche Dokumente, zeitgenössische Berichte, gegenständliche Relikte usw. — gesammelt, nach ihrer Bedeutung gesichtet, miteinander verglichen und schließlich unter Berücksichtigung aller wesentlichen bekannten Tatsachen und Umstände bewertet worden sind. Das alles erfordert viel Zeit und mitunter auch besondere Spezialkenntnisse, kann also niemals von einem Gericht im Rahmen eines Strafprozesses geleistet werden.

Quellenforschung ist selbstverständlich eine unabdingbare Grundlage für die Geschichtswissenschaft. Sie war — wie schon früher erwähnt wurde (vgl. oben S. 19-20) — bisher kaum möglich, weil die beim Zusammenbruch des Reiches von den Alliierten geraubten deutschen Archivmaterialien bis zum heutigen Tage nicht vollständig zurückgegeben wurden und in der Regel nicht einmal der Aufbewahrungsort jener Dokumente bekannt ist, auf denen die alliierten Sieger in ihren gegen Deutsche durchgeführten Schauprozessen ihre Beschuldigungen aufbauten. Kein verantwortungsbewußter Historiker wird aber bei einem so schwerwiegenden Tatbestand wie der angeblichen Judenvernichtung darauf verzichten können, die diesem Vorwurf zugrunde liegenden Dokumente auch im Original zu prüfen, soweit sie ihm wesentlich erscheinen. Insbesondere aber wird sich die Quellenforschung noch auf solche Dokumente zu erstrecken haben, die bis heute zurückgehalten wurden. Denn das deutsche Archivmaterial wurde bisher nur unter dem Gesichtspunkt der Belastung Deutschlands gesichtet. Entlastende Dokunlente kamen nur durch Zufall an die Offentlichkeit.

Liegen alle wesentlichen Quellen offen, so ist im weiteren ihr [286] kritischer Vergleich und ihre Bewertung unerläßlich. Den heutigen Historikern ist der Vorwurf zu machen, daß sie den ihnen bekannt gewordenen Quellen gegenüber diese kritische Distanz so gut wie überhaupt nicht gewahrt haben. Gerade auf dem Gebiet der Geschichte ist es nicht selten, daß dem Forscher gefälschtes Material untergeschoben wird. Deshalb kann auf eine Prüfung sowohl der formalen als auch der inhaltlichen Echtheit einer Quelle niemals verzichtet werden. Nimmt man jedoch zeitgeschichtliche Werke über die Judenvernichtung zur Hand, so ist davon nichts zu spüren, wenn auch mitunter — wie z. B. bei den Höß-Niederschriften — so getan wird, als habe man sich über die Echtheit der Quelle Gedanken gemacht. Darüber hinaus lassen die wichtigsten der bekannten Quellen zur Judenvernichtung unterschiedliche Interpretationen zu. Hinsichtlich der Auschwitz-Legende hat Butz überzeugend nachgewiesen, daß fast jede Einzeltatsache eine doppelte Bedeutung hat, d. h. sowohl einen völlig normalen Vorgang bezeichnete, aber auch wenn man dies wollte — im Sinne der Legende gedeutet werden konnte (12) .

Bei jeder Quelle ist also nicht nur zu fragen, ob sie auch wirklich das ist, wofür sie sich ausgibt; es ist sehr oft auch noch die Frage zu stellen, ob sie wirklich das aussagt, was man glaubt oder in sie hineinlegen möchte. Die Beantwortung beider Fragen erfordert umfassende Untersuchungen, Vergleiche und manchmal komplizierte Gedankenoperationen. Bei Verneinung dieser Fragen, deren jede auch auf einen Teil der Quelle bezogen werden kann, liegt im ersten Falle Fälschung, im zweiten Irrtum vor.

Die zusammenfassende Darstellung schließlich kann nur das Ergebnis dieser methodischen Forschungen sein, die hier nur sehr vereinfacht angedeutet werden konnten (13). Erst dabei darf der persönlichen Auffassung in gewissen Grenzen Raum gegeben werden. Neudeutsche Historiker freilich — das sei am Rande vermerkt — pflegen umgekehrt vorzugehen, sobald das Dritte Reich in ihr Blickfeld gerät. Sie haben eine vorgefaßte, von der alliierten Umerziehung bestimmte Meinung, der sie Auswahl und Interpretation der Quellen unterordnen. Mit Geschichtswissenschaft hat das nichts zu tun.

Daß der Strafrichter weder von seiner Ausbildung her noch aus zeitlichen Gründen in der Lage ist, einen auch nur begrenzten zeitgeschichtlichen Sachverhalt in Anwendung der eben geschilderten historischen Methode zu klären und darzustellen, dürfte auf der Hand liegen. Seine Aufgabe ist grundsätzlich anderer Art als die des Historikers. Er hat einen zumeist eng begrenzten, strafrechtlich relevanten Tatbestand zu ermitteln und gegebenenfalls dem Gesetz entsprechend zu ahnden. Dabei [287] gilt bekanntlich der Grundsatz “in dubio pro reo”, der bedeutet, daß im Zweifelsfalle zugunsten des Angeklagten entschieden werden muß. Anders ausgedrückt: der Richter braucht einen mit den gerichtllchen Beweismitteln nicht auflklärbaren Tatbestand nicht in bestimmter Weise festzustellen, während der Historiker sich nicht der Aufgabe entziehen kann, so lange zu forschen, bis er das vollständige und nach seiner Überzeugung wirkliche Bild eines historischen Zeitabschnitts vor sich liegen hat. Es ist daher barer Unsinn, zu behaupten, die Ergebnisse irgendeines gerichtlichen Verfahrens hätten “gesicherte Erkenntnisse der Zeitgeschichte” zu Tage gefördert, wie das z.B. hinsichtlich des AuschwitzProzesses immer wieder geschieht. Völlig unverständlich ist es aber, wenn sogar Historiker, wie die erwähnten Mitarbeiter des Instituts für Zeitgeschichte, die Bestätigung ihrer Thesen in erster Linie in bestimmten Schwurgerichtsurteilen sehen. Das kann man nur mit Befremden zur Kenntnis nehmen.

Zur Aufklärung des Sachverhalts in einem Strafprozeß dient die Beweisaufnahme, die nach den Regeln der Strafprozeßordnung (StPO) erfolgt (14). Dabei hat das Gericht den Sachverhalt von Amts wegen zu erforschen und ist nicht einmal an ein Geständnis des Angeklagten gebunden. Es hat die Beweisaufnahme auch grundsätzlich nur auf die Tatsachen und Beweismittel zu erstrecken, die für die Entscheidung des ihm vorliegenden Falles von Bedeutung sind (§ 244 Abs. 2 StPO). Natürlich kann hierbei unter Umständen eine Aufklärung des Tathintergrundes erforderlich werden, um z. B. die eventuell für die Strafzumessung bedeutsamen Motive des Täters kennen zu lernen. Immer hat aber die einzelne Tat und nicht etwa ein zeitgeschichtlicher Sachverhalt im Vordergrund zu stehen, was in den NSG-Verfahren häufig — besonders bei der Anhörung von Zeugen oder Sachverständigen — nicht beachtet wird. Werden in einem Strafverfahren einmal zeitgeschichtliche Feststellungen getroffen, so können diese aber jedenfalls nicht als endgültige Erkenntnisse im Sinne der historischen Wissenschaft gelten. Schon die in einem Strafverfahren zur Verfügung stehende Zeit reicht regelmäßig nicht aus, um einen zeitgeschichtlichen Sachverhalt mit der erforderlichen Gründlichkeit nach den oben kurz erörterten historischen Methoden zu klären, abgesehen davon, daß den Richtern die hierzu erforderliche Ausbildung fehlt (15).

Nun ziehen allerdings die Gerichte gewöhnlich Sachverständige hinzu, soweit es nach Ansicht der Richter auf die Feststellung eines bestimmten zeitgeschichtlichen Sachverhalts ankommt. Auch der Sachverständige ist ein Beweismittel im Sinne der StPO. Gerade hieran wird [288] aber erkennbar, daß die Gerichte keineswegs den Historikern ihre Arbeit abnehmen. Unsere neudeutschen “Historiker” hindert das freilich nicht, sich in ihren Arbeiten weitgehend auf die Urteile von Schwurgerichten in NSG-Prozessen zu berufen, in denen sie selbst zuvor als “Sachverständige” aufgetreten waren. Die Ansicht, deutsche Gerichte hätten “gesicherte Erkenntnisse” über Durchführung und Umfang der angeblichen Judenvernichtung im Dritten Reich zu Tage gefördert, mag zu einem nicht unwesentlichen Teil darauf beruhen.

Und noch ein Hinweis erscheint in diesem Zusammenhang angebracht. Den Gerichten wie den Historikern stehen — wie neuerdings aus der Arbeit von Arndt/Scheffler “Organisierter Massenmord an Juden in nationalsozialistischen Vernichtungslagern” (vgl. oben Seite 283) wieder einmal deutlich wird — keinerlei gegenständliche Anhaltspunkte für die angebliche Judenvernichtung zur Verfügung (16). Wenn in den NSGProzessen zumeist trotzdem — so auch im Auschwitz-Prozeß — eine Ortsbesichtigung vorgenommen wird, so hat das also mit sachlicher Aufklärung kaum noch etwas zu tun. Eine bessere Fundierung des (wirklichen oder angeblichen) zeitgeschichtlichen Sachverhalts wird damit in keinem Fall erreicht.

Die Entdeckung der historischen Wahrheit in Strafprozessen wie den NSG-Verfahren muß aber nicht nur daran scheitern, daß der Zweck des Strafprozesses ein anderer ist und die darauf abgestellten richterlichen Erkenntnismethoden ungeeignet zur Aufklärung zeitgeschichtlicher Sachverhalte sind. Sie ist auch in der Regel unmöglich wegen der verschiedenen Interessenrichtungen der Prozeßbeteiligten, also des oder der Angeklagten, der Verteidiger, der Staatsanwälte und nicht zuletzt der Richter. Sie alle fördern durch ihr Zusammenwirken auf keinen Fall die Erkenntnis der historischen Wahrheit, sondern eher deren Verzerrung. So wird als Ergebnis des Verfahrens allenfalls eine Art von Prozeßwahrheit in bezug auf den historischen Hintergrund der dem einzelnen Angeklagten vorgeworfenen Handlung erreicht. Der Historiker mag Einzelheiten daraus nach sorgfältiger Überprüfung und nach gewissenhaftem Vergleich mit anderen Quellen brauchbar finden. Er würde jedoch seinen Ruf als Wissenschaftler aufs Spiel setzen, wenn er das in NSG-Verfahren gezeichnete historische Gesamtbild ohne weiteres als “gesicherte Erkenntnis” übernehmen würde. Denn keinem der Prozeßbeteiligten kommt es auf die Feststellung der historischen Wahrheit an. Sie verfolgen allenur ihre höchstpersönlichen Interessen oder Aufgaben, die der historischen Wahrheitsfindung durchaus nicht dienlich sind.

Der Angeklagte eines jeden Strafprozesses ist natürlicherweise [285] bestrebt, freigesprochen zu werden oder doch wenigstens mit einer möglichst geringen Strafe davonzukommen. Der schuldige Angeklagte versucht das durch Leugnen oder falsche Angaben zu erreichen. Reuige und geständige Übeltäter gehören zu den Seltenheiten der Kriminalgeschichte. Die Wahrheit spielt bei den Aussagen schuldiger Verbrecher meist überhaupt keine oder nur eine untergeordnete Rolle.

Doch auch der unschuldige Angeklagte bleibt durchaus nicht immer bei der Wahrheit, so z. B. wenn gewisse Indizien gegen ihn sprechen, die er durch ein falsches Alibi oder andere Unwahrheiten entkräften zu müssen glaubt.

Andererseits gibt es aber auch — wie jeder Strafrechtspraktiker weiß zahlreiche Fälle in der Kriminalgeschichte, wo nachweisbar Unschuldige sich selbst eines Verbrechens bezichtigten, und zwar aus den verschiedensten Gründen (17). Schon das erste deutsche Strafgesetzbuch, die Constitutio Criminalis Carolina von 1532, bestimmte deshalb in Artikel 54, daß der Richter den Angeschuldigten nach solchen Umständen fragen solle, die kein Unschuldiger wissen könne (18). Mag dieser Bestimmung auch die Tatsache zugrunde gelegen haben, daß damals Geständnisse noch vielfach durch die Folter erpreßt wurden, so ist doch gleichwohl ihre Aufnahme in ein kaiserliches Strafgesetzbuch bemerkenswert. Ausschließlich psychologische Erkenntnisse werden jedoch vor rund 150 Jahren den damals berühmten Strafrechtslehrer Carl Joseph Anton Mittermaier zu der Forderung bewogen haben, daß auch Geständnisse auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft werden müßten. Er führte hierzu in seinem Buch “Die Lehre vom Beweise im deutschen Strafprozeß” u. a. aus (19):

“Vorzüglich aber sucht der prüfende Verstand, der die höchste Wahrheit ausmitteln vill, noch einen Überzeugungsgrund von der Wahrheit des Geständnisses darin, daß die eingestandenen Tatsachen auf andere Art sich ergeben und daß der Gestehende Umstände angibt, die außer dem Verbrecher niemand wissen kann, von denen man daher auch nicht begreifen könnte, wie sie ein Unschuldiger wissen sollte.”

Heute ist in der forensischen Psychologie unbestritten, daß Geständnisse nicht immer, zumindest aber nicht in allen Punkten der Wahrheit entsprechen müssen. Die in NSG-Verfahren tätigen Richter kümmern sich allerdings kaum darum. Sie nehmen in der Regel jede Äußerung der Angeklagtenn die in den vorgezeichneten Rahmen paßt, geradezu mit Erleichterung entgegen, ohne sich über deren Wahrheitsgehalt auch nur die geringsten Gedanken zu machen.

In den NSG-Verfahren ist der geschichtliche Hintergrund aus der [290] Sicht des Angeklagten, sei er nun schuldig oder nichtschuldig, im allgemeinen unwichtig. Er wird daher gerade insoweit um so leichter geneigt sein, es mit der Wahrheit — falls er sie überhaupt kennt — nicht besonders genau zu nehmen und das zu bestätigen, was man von ihm hören will. Das ist menschlich verständlich und wurde — wie wir wissen — auch in den Nachkriegsprozessen der Alliierten schon so gehandhabt (20). Hinzu kommt, daß die Angeklagten der NSG-Verfahren angesichts aller Umstände von vornherein den Eindruck gewinnen müssen, daß es völlig zwecklos ist, die zumeist schon lange vor Prozeßbeginn in der Öffentlichkeit verbreiteten Darstellungen über Massenmorde an Juden, an denen sie beteiligt gewesen sein sollen, als solche zu bestreiten oder auch nur abzuschwächen. So muß es ihnen am zweckmäßigsten erscheinen, die behaupteten Morde nicht in Frage zu stellen, wohl aber ihre eigene Beteiligung daran. Ist ihr eigenes Alibi dann auch nur einigermaßen brauchbar, so dürfen sie des Wohlwollens der Richter sicher sein. Darin und in dem sich daraus ergebenden Freispruch liegt im allgemeinen das ausschließliche Interesse des Angeklagten.

Es kann nicht zweifelhaft sein, daß dieses Prozeßverhalten wohl der meisten Angeklagten in nicht wenigen Fällen sogar auf den Rat ihrer Verteidiger zurückzuführen ist. Bei diesen besteht naturgemäß die gleiche Interessenrichtung. Jeder Verteidiger ist selbstverständlich bestrebt für seinen Schützling mit allen Mitteln einen Freispruch oder doch wenigstens eine möglichst niedrige Strafe herauszuholen. Hierbei kommt es — neben der Herausstellung aller entlastenden Tatsachen — darauf an, das Gericht und vielleicht sogar die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten günstig zu stimmen, auf jeden Fall aber eine Verärgerung dieser für die Entscheidung maßgebenden Justizorgane zu vermeiden. Laternser zufolge soll es im Auschwitz-Prozeß zumindest in einem Fall sogar vorgekommen sein, daß ein Verteidiger dem von ihm vertretenen Angeklagten geraten hatte, wider besseres Wissen ein Teilschuldgeständnis abzugeben, um dem Gericht “goldene Brücken” zu bauen (21). Das muß nun allerdings geradezu als ungeheuerlich angesehen werden und ist mit den Standespflichten eines Rechtsanwalts auch wohl kaum zu vereinbaren. Es kann eigentlich nur damit erklärt werden, daß der betreffende Rechtsanwalt insgeheim selbst von der Schuld dieses Angeklagten überzeugt war. Daß aber wohl jeder Verteidiger in einem NSG-Verfahren aus den erwähnten Gründen den zeitgeschichtlichen Rahmen des Prozesses nicht in Frage stellen wird, dürfte selbstverständlich sein, zumal da die meisten von ihnen selbst von der Judenmordlegende überzeugt sein werden. Schon deshalb werden sie auf die Angeklagten entsprechend [291] einzuwirken versuchen. Ausnahmen bestätigen hier wie immer die Regel.

So hat also auch der Verteidiger in NSG-Prozessen im allgemeinen nicht das geringste Interesse an der Feststellung irgendeiner historischen Wahrheit. Er ist nicht einmal dazu verpflichtet, einen Beitrag zur Aufklärung jenes begrenzten Sachverhalts zu leisten, der dem von ihm vertretenen Angeklagten zum Vorwurf gemacht wird. Er kann und wird sich daher in seinem Vorbringen auf das beschränken, was seinem Mandanten günstig ist, diesem aber zumindest nicht schadet. Er wird auch die erhobenen Beweise ausschließlich zugunsten des Angeklagten würdigen. Auf jeden Fall kann es ihm völlig gleichgültig sein, wie es sich mit dem historischen Hintergrund der angeklagten Taten in Wirklichkeit verhält, sofern er nur nachweisen oder doch wenigstens Zweifel daran erwecken kann, daß der Angeklagte persönlich nicht daran beteiligt war. Denn dann müßte dieser jedenfalls nach dem prozeßrechtlichen Grundsatz “in dubio pro reo” freigesprochen werden. Diese die zeitgeschichtliche Wahrheit eher verdunkelnde Prozeßtaktik dürfte die Regel sein, da sie auch die wenigsten Schwierigkeiten bietet.

Umgekehrt liegt die Interessenrichtung bei der Staatsanwaltschaft. Ihr sollte allerdings — wie dem Gericht — in erster Linie die Wahrheitsfindung am Herzen liegen, wie es das geltende deutsche Strafprozeßrecht sogar fordert. Auch hören es deutsche Staatsanwälte nicht ungern, wenn man ihre Behörde als die “objektivste Behörde der Welt” bezeichnet. Nach § 160 Abs. 2 StPO ist die Staatsanwaltschaft nämlich verpflichtet, nicht nur die zur Belastung, sondern auch die der Entlastung des Beschuldigten dienenden Umstände zu ermitteln. Im Volk ist allerdings, wenn man sich umhört, eher der Glaube zu finden, daß der Staatsanwalt nur darauf ausgehe, die Verurteilung des Beschuldigten zu erreichen. Das ist nun freilich in dieser Allgemeinheit sicher nicht richtig. Doch gelten in den NSG-Verfahren ganz offensichtlich besondere Grundsätze, wie jeder, der einmal einem solchen Verfahren selbst beigewohnt hat, zugeben wird.

Diese Tatsache hat verschiedene Gründe. Selbstverständlich sind auch Staatsanwälte nicht von den zeitgeschichtlichen Vorurteilen frei, die der deutschen Öffentlichkeit durch jahrzehntelange Propaganda eingeimpft wurden. Damit aber ist bereits die Grundlage für eine höchst einseitige Beurteilung des einzelnen Beschuldigten gelegt. Auch darf nicht übersehen werden, daß der Staatsanwalt ein weisungsgebundener Beamters also von den in diesem Staat wirksamen politischen Kräften abhängig ist. Deren Einstellung aber bedarf keiner Erläuterung. Sie [292] leben gewissermaßen von einer permanenten Verteufelung jenes Regimes, das sie nach dem Zusammenbruch des Reichs auf Anordnung der Besatzungsmächte ablösen durften. Daran hat sich im Verlauf der nachfolgenden Jahrzehnte nichts geändert. So meint sicherlich mancher in NSG-Verfahren tätige Staatsanwalt nicht ganz zu Unrecht, daß möglicherweise seine Beförderung mit davon abhängig sein könnte, ob es ihm gelingt, möglichst zahlreiche “NS-Verbrecher” zu “überführen”. Es ist also in diesen Prozessen das vom Gesetz geforderte Bemühen, auch den Beschuldigten entlastende Umstände ausfindig zu machen und zur Geltung zu bringen, auf Seiten der Staatsanwaltschaft erkennbar kaum vorhanden. In jedem Fall aber wird von den Staatsanwälten der zeitgeschichtliche Hintergrund der Verfahren widerspruchslos so akzeptiert, wie er von den Hintermännern dieser ausschließlich politisch inspirierten Prozesse festgelegt worden ist. Und damit kommen wir zu einer Besonderheit im Bereich der Staatsanwaltschaft, wie sie nur auf dem Gebiet der NSG-Verfahren zu finden ist.

Gemeint ist die Einrichtung der “Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Auflklärung nationalsozialistischer Verbrechen” kurz “Zentrale Stelle” genannt — in Ludwigsburg, die im Herbst 1958 auf Grund eines entsprechenden Beschlusses der Konferenz der Landesjustizminister und -senatoren der deutschen Bundesländer eingerichtet wurde und am 1. Dezember 1958 ihre Tätigkeit aufnahm. Nach den Angaben des derzeitigen Leiters dieser im föderativen Aufbau der Bundesrepublik Deutschland nicht recht einzuordnenden Dienststelle, des Oberstaatsanwalts Dr. Adalbert Rückerl, ist ihre Aufgabe die umfassende und systematische Auflklärung der sogenannten NS-Gewaltverbrechen, d. h. der angeblich von den Einsatzgruppen des SD oder in den Konzentrationslagern begangenen Gewalttaten und Tötungsaktionen (22). Der Charakter dieser unter starkem politischem Druck entstandenen Sonderstaatsanwaltschaft, die institutionell und funktionell auf rechtlich schwankendem Boden steht (23), bedingt geradezu eine völlig einseitige “Auflklärung” der genannten Tatbestände, wie sich unschwer dem von Rückerl herausgegebenen Buch “NS-Prozesse” entnehmen läßt.

Da ist zunächst die Tatsache zu erwähnen, daß das “Dokumentenmaterial”, aus dem die Staatsanwälte der Zentralen Stelle die sachlichen Grundlagen für die Anklageerhebung zusammenbasteln, vor allem aus den “Archiven” — richtiger wäre wohl “Fälscherwerkstätten” — des Ostblocks stammt (24). Aber auch mit — wie Rückerl es ausdrückt — “zuständigen Stellen” westlicher Länder und “nichtzuletzt mit Israel” entwickelte sich eine “rege Zusammenarbeit”. Von Mitarbeitern der Zentralen [293] Stelle wurden zahlreiche Reisen in diese Länder unternommen, um belastende Dokumente aufzuspüren (25). Bezeichnend ist auch, daß ein Sachbearbeiter der Zentralen Stelle mit sichtlicher Zufriedenheit vermerkt, er habe “wichtige Beweismittel” in der Stadt Ludwigsburg selbst entdeckt: das 42 Bände umfassende Werk “Der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher”, das die Besatzungsmächte seinerzeit “großzügig an die deutsche Justiz bis hinab zu den Amtsgerichten” verteilt hätten (26). Es handelt sich um die Nürnberger IMT-Protokolle, mit denen wir uns schon an verschiedenen Stellen dieser Arbeit auseinandersetzten.

So machte man sich also auf der Suche nach Belastungsmaterial vollständig von jenen Kräften abhängig, die ideologisch und finanziell daran interessiert waren und sind, dem deutschen Volk möglichst zahlreiche Verbrechen an anderen Völkern — besonders den Juden — anzuhängen. Eine große Hilfe sieht die Zentrale Stelle dabei in den Veröffentlichungen des jüdischen historischen Instituts in Warschau und des Instituts Yad Washem in Jerusalem (27). Es ist unter diesen Umständen beinahe selbstverständlich, daß in Rückerls Buch auch die Nürnberger IMT-Prozesse gerechtfertigt werden (28). Im Grunde arbeitet die Zentrale Stelle ja auch nach den damals von den alliierten Anklagebehörden entwickelten Methoden weiter. Wie zu jener Zeit auf der Grundlage der durch die Greuelpropaganda vorgegebenen Tatkomplexe die größte Menschenjagd der Weltgeschichte (29) durchgeführt wurde, so suchten die Staatsanwälte der Zentralen Stelle zu Beginn ihrer Arbeit zunächst in der entsprechenden Literatur nach Ansatzpunkten für ihre Ermittlungen und überprüften sodann systematisch alle Angehörigen der ehemaligen deutschen Dienststellen, die für die in der Literatur behaupteten Verbrechenin Betracht kamen (30). Für ihre Menschenjagd standen ihnen z. B. im Jahre 1965 rund 200 Kriminalbeamte zur Verfügung, die in Sonderkommissionen zusammengefaßt hauptamtlich und ausschließlich dieser Tätigkeit oblagen (31). Inzwischen wird sich die Zahl noch erhöht haben, so daß es kein Wunder ist, wenn die Aufldärungsquote bei den gegenwärtig begangenen Verbrechen beständig sinkt. Erst nach “Klärung des wesentlichen Sachverhalts” erfolgt die Abgabe der Sache an die eigentlich zuständigc Staatsanwaltschaft, die sich natürlich an das Ergebnis des Vorermittlungsverfahrens gebunden fühlen muß. Die Frage der Zuständigkeit steht also nicht am Anfang, sondern am Ende der Ermittlungen (32). Die Zugehörigkeit zu der in irgendeinem Teil der Greuelliteratur belasteten Organisation oder Dienststelle reicht als Tatverdacht zunächst vollkommen aus. Und sind erst einmal Namen bekannt, so finden sich selbstverständlich auch genügend Zeugen, die die betreffenden [294] Namensträger “einwandfrei” als Mörder an mindestens einigen Tausend Juden wiedererkennen und das sogar auf ihren Eid nehmen. Die von den Ermittlungsbeamten aufgenommenen Fotografien der “Mörder” unterstützen erforderlichenfalls das Gedächtnis der “Zeugen”, das regelmäßig durch den Zeitablauf kaum getrübt ist (33).

Wiederholt kommt in Rückerls Buch auch zum Ausdruck, daß die Aneignung entsprechender zeitgeschichtlicher Kenntnisse für die Staatsanwälte der Zentralen Stelle ganz wesentlich war, weil — so Rükkerl — “gerade bei der Beurteilung eines NS-Verbrechens… die Tat… in ihrem historischen Zusammenhang zu sehen” sei (34). Was dabei dann herauskommt, wird besonders in dem Beitrag von Oberstaatsanwalt Manfred Blank deutlich. Er gibt unter anderem aus einem Urteil des Schwurgerichts Düsseldorf die Darstellung der “Gaskammern” von Treblinka wieder, die ihrerseits vermutlich auf entsprechende “Feststellungen” der Zentralen Stelle zurückgeht. Danach gab es dort “6 oder 10 Räume” dieser Art mit dem “ungefähren Maß von 8 x 4 x 2 Metern”, die “je 400 bis 700 Menschen faßten” (35). Abgesehen von der bemerkenswerten “Genauigkeit” dieser Feststellungen kann man, wenn man das liest, den Mitarbeitern der Zentralen Stelle ebenso wie den abschreibenden Richtern nur empfehlen, zunächst einmal den offenbar in der Schule versäumten Rechenunterricht nachzuholen, bevor sie noch einmal solche “Erkenntnisse” niederlegen. Denn wenn man in einen Raum von rund 32 m2 Grundfläche und 2 m Höhe, der den angegebenen Maßen entsprechen würde, auch nur 400 Menschen pressen will, so kämen fast 13 Menschen auf den Quadratmeter: eine glatte Unmöglichkeit. Weitere ähnliche Beispiele für die Abwegigkeit und Unsinnigkeit der Arbeitsergebnisse der Zentralen Stelle könnten angeführt werden, doch mag es hierbei bewenden.

Bei der vorstehend skizzierten Arbeitsweise und Einstellung der Zentralen Stelle, die den Anklagevertretern in den einzelnen NSG-Prozessen die Unterlagen für ihre Anklage liefert, wäre es wirklichkeitsfremd, anzunehmen, daß auch nur ein einziger Staatsanwalt in einem solchen Prozeß einen sachdienlichen und historisch verwertbaren Beitrag zum zeitgeschichtlichen Hintergrund des Verfahrens leisten kann. Wegen ihrer bereits erwähnten Abhängigkeit und Weisungsgebundenheit werden diese Staatsanwälte auch kaum ein Verlangen danach verspüren und sich daher um so lieber ausschließlich auf das Material verlassen, das ihnen die Zentrale Stelle zur Verfügung gestellt hat.

Die Aufgabe der in NSG-Verfahren tätigen Richter schließlich besteht allein darin oder sollte doch ausschließlich darin bestehen, festzu [295] stellen, ob der einzelne Angeklagte durch das ihm vorgeworfene Verhalten die Merkmale eines strafgesetzlichen Tatbestandes erfüllt hat und deshalb zu bestrafen ist. Auf eine Feststellung des gesamten zeitgeschichtlichen Hintergrundes kommt es dabei grundsätzlich überhaupt nicht an. Daß die Richter sich nicht immer daran halten, werden wir am Beispiel des Auschwitz-Prozesses noch sehen. Es wäre jedoch wiederum wirkdichkeitsfremd, zu erwarten, daß sie sich trotz ihrer verfassungsmäßig garantierten Unabhängigkeit der “verordneten historischen Wahrheit”, wie sie auch ihnen von der Zentralen Stelle — unterstützt von einseitig festgelegten Zeugen und “Sachverständigen” — geliefert wird, entziehen könnten. Auch Richter sind Menschen, die weder ihr Amt noch ihr berufliches Fortkommen aufs Spiel setzen wollen. Sehr oft tragen sie aber auch geistige Scheuklappen, da eine jahrzehntelange gezielte Diffamierung einer ganzen Epoche der deutschen Geschichte bei ihnen ebenfalls nicht ohne Wirkung geblieben ist.

Die vorstehenden Überlegungen zeigen, daß Strafprozesse zur Feststellung zeitgeschichtlicher Vorgänge und Zusammenhänge schon aus allgemeinen, in der Natur der Sache liegenden Gründen nicht geeignet sind. Bei weitgehend politisch bestimmten Strafprozessen wie den NSG-Verfahren gilt das natürlich erst recht. Denn es liegt auf der Hand, daß hier von den weisungsgebundenen Anklagebehörden nicht die historische Wahrheit, sondern eine “politische Wahrheit” angestrebt wird, der Angeklagte und Verteidiger aus Selbsterhaltungsgründen kaum zu widersprechen wagen. Da ferner die Richter aus den verschiedensten Gründen zeitgeschichtlich sozusagen “vorprogrammiert” sind, ist mithin von solchen Prozessen — selbst bei strengster und sorgfältigster Wahrung eines justizförmigen Ablaufs, worauf man in der Regel selbstverständlich Bedacht nimmt — die Feststellung von für die historische Wissenschaft maßgebenden Sachverhalten nicht im geringsten zu erwarten. Im Gegenteil ist der zeitgeschichtliche Hintergrund dieser Strafprozesse schon lange vor Prozeßbeginn — nicht zuletzt durch die Massenmedien vollkommen fixiert und beinhaltet bereits eine weitgehende Wahrscheinlichkeit der den Angeklagten gemachten Vorwürfe (36). Mindestens aber dient er dazu, die besondere Verwerflichkeit der den Angeklagten zur Last gelegten Handlungen zu unterstreichen. Werden solche politisch bestimmten Strafprozesse wie die NSG-Verfahren aber ausschließllch oder doch überwiegend gerade wegen des zeitgeschichtlichen Hintergrunds durchgeführt, um diesen einer noch zweifelnden Öffentlichkeit als unumstößliche Wahrheit zu präsentieren und vielleicht sogar den blsher insoweit erfolglosen Historikern “Beweisunterlagen” [296] zuzuspielen, so geraten sie zweifellos in die Nähe eines Schauprozesses, bei dem der Angeklagte nur noch Mittel zum Zweck ist.

Unter einem Schauprozeß ist ein Gerichtsverfahren mit politischem Demonstrationseffekt vor einer breiten Öffentlichkeit zu verstehen. Gewöhnlich verbindet man den Begriff mit den politischen Säuberungen in der Sowjetunion während der 20er und 30er Jahre. Es ist jedoch falsch, ihn nur in diesem Sinne zu verstehen und allein auf kommunistische Herrschaftssysteme zu beziehen, wie das häufig geschieht. Ein Schauprozeß braucht nicht nur der Ausschaltung mißliebiger Personen zu dienen, er kann auch daneben oder ausschließlich den Zweck haben die Bevölkerung einzuschüchtern oder in einem bestimmten Sinn zu beeinflussen. Wesentlich an solchen Verfahren ist eben, daß mit ihnen an sich rechts — und justizfremde, in der Regel politische Zwecke in der Form eines vor breitester Öffentlichkeit durchgeführten äußerlich justizmäßigen Verfahrens verfolgt werden. Solche Prozesse haben zu allen Zeiten und unter den verschiedensten Regierungssystemen stattgefunden. Sehr häufig, doch keineswegs immer, sind sie durch im Wege der Folter oder Gehirnwäsche erpreßte Schuldgeständnisse der Angeklagten gekennzeichnet. Daß auch sogenannte demokratische Regierungen Schauprozesse zu inszenieren verstehen, haben die westlichen Alliierten nach dem 2. Weltkrieg auf deutschem Boden zur Genüge unter Beweis gestellt (37).

Die zu Beginn dieses Kapitels angeführten Zitate legen schon den Verdacht nahe, daß auch mit dem Frankfurter Auschwitz-Prozeß nichts anderes als ein Schauprozeß beabsichtigt war. Ob die beteiligten Richter und Staatsanwälte sich dessen bewußt waren, ist dabei nicht entscheidend. Es soll hier nicht angezweifelt werden, daß sie alle subjektiv durchaus der Meinung gewesen sein mögen, an einem “ganz normalen Strafprozeß” mitzuwirken. Möglicherweise sind sie unbewußt zu rechtsfremden Zwecken mißbraucht worden. Das alles mag sein, wie es will. Die Frage jedoch, ob der Auschwitz-Prozeß zumindest den Charakter eines Schauprozesses hatte und einem solchen auch in seinen Wirkungen gleichkam, ist nicht unwichtig. Ihre Bejahung könnte der schon gewonnenen Erkenntnis, daß Strafprozesse wie die NSG-Verfahren als zeitgeschichtliche Erkenntnisquelle bedeutungslos sind, speziell für den Auschwitz-Prozeß weiteres Gewicht verleihen.

Wir wollen daher im folgenden Abschnitt noch im einzelnen untersuchen, wie dieser Prozeß durchgeführt wurde und welche Folgerungen daraus zu ziehen sind.

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II. DER AUSCHWITZ-PROZESS — EIN SCHAUPROZESS?

 

 

A. Die Vorgeschichte

Der in seiner Bedeutung wohl einmalige Auschwitz-Prozeß entwikkelte sich aus einer fast banal zu nennenden Episode. Am 1. März 1958 erstattete ein ehemaliger Auschwitz-Häftling namens Adolf Rögner, der damals in der Strafanstalt Bruchsal einsaß, Strafanzeige gegen den früheren SS-Oberscharführer Wilhelm Boger wegen angeblich im KL Auschwitz begangener Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Der Darstellung von Bernd Naumann zufolge befand sich Rögner zur Zeit seiner Strafanzeige in Untersuchungshaft und war über die Beschlagnahme für ihn bestimmter Medikamente verärgert; seiner diesbezüglichen Beschwerde an die Staatsanwaltschaft Stuttgart soll er die Anzeige gegen Boger beigefügt haben (38). Langbein dagegen bezeichnet den Anzeigeerstatterin seiner Dokumentation “Der Auschwitz-Prozeß” als Strafgefangenen. Er nennt einen unmittelbaren Anlaß für die Strafanzeige nicht und bemerkt lediglich, der Auschwitz-Prozeß sei also nur “durch einen Zufall ausgelöst” worden (39).

Beide Erklärungen sind ziemlich unwahrscheinlich. Tatsächlich dürfte die Strafanzeige Rögners, die letztlich sehr weitreichende und noch über den Auschwitz-Prozeß hinausgehende Folgen haben sollte, weder auf einer Verärgerung Rögners noch auf einem reinen Zufall beruhen. Denn es gibt Anhaltspunkte dafür, daß gewisse Mächte im Hintergrund, die aus verschiedenen Gründen ein erhebliches Interesse an einer andauernden und möglichst sogar noch erweiterten Verfolgung sog. NS-Gewaltverbrechen ,hatten, Rögner als ehemaligen Auschwitz-Häftling zu seiner Anzeige veranlaßten.

Schon der von Langbein mitgeteilte Inhalt der Strafanzeige Rögners läßt erkennen, daß dahinter eine interessierte Organisation stand. Denn sie enthältTatsachen, die zu ermitteln die Möglichkeiten eines Einzelnen und noch dazu eiries Gefängnisinsassen überschreiten mußte. So teilte Rögner darin u. a. mit, daß der von ihm angezeigte Boger im Jahre 1946 aus einem im “War Crimes Camp 29 Dachau” zusammengestellten “Auslieferungstransport nach Polen” geflüchtet sei und sich danach bis zum Jahre 1948 in Unterrath bei Schwäbisch Hall versteckt gehalten habe Auch den augenblicklichen Wohnort und Arbeitsplatz Bogers NVußte Rögner,anzugeben Und wahrscheinlich zur Erklärung des Umstandes, daß die Anzeige erst jetzt erfolgte, leitete er seine Angaben mit dem Satz ein: “Ich habe nunmehr folgendes in Erfahrung gebracht.”

[298] Insbesondere dieser Satz bestätigt, daß Rögner Hintermänner hatte, die ihn zu seiner Anzeige bestimmt hatten. Denn ein Untersuchungsoder Strafgefangener kann nicht auf eigene Faust Ermittlungen über den Aufenthaltsort einer anderen Person und deren früheres Schicksal anstellen, ganz abgesehen davon, daß er in seiner Lage wohl andere Sorgen hat.

Aus der Anzeige wird aber zugleich auch ihre Quelle deutlich, weil Rögner hinsichtlich des Beweismaterials für seine Behauptungen auf drei Institutionen verweist: auf das Internationale Auschwitz-Komitee in Wien, auf den Zentralrat der Juden in Düsseldorf-Benrath und schließlich noch auf das Archiv des polnischen Auschwitz-Museums. Der kleine Kriminelle Rögner würde von diesen Institutionen sicher nichts gewußt haben, wenn nicht diese oder jedenfalls eine von ihnen selbst an ihn herangetreten wären. Vermutlich war das Internationale Auschwitz-Komitee mit seinem in der Anzeige namentlich erwähnten “Generalsekretär” Hermann Langbein insoweit federführend. Denn Langbein sollte von nun ab ohnehin einer der maßgebenden “Dirigenten” bei der Vorbereitung und Durchführung des Auschwitz-Prozesses werden. Jedenfalls erhielt das Internationale Auschwitz-Komitee durch Rögner eine Abschrift der Anzeige (40). Es ist übrigens wahrscheinlich, daß diese drei Institutionen ihrerseits wieder von einer übergeordneten jüdischen Zentrale gesteuert wurden. Das Internationale Judentum hat viele Arme (41).–

Zweifellos wurde Rögner also von diesen Hintergrundkräften nur vorgeschoben, um die in den 50er Jahren beständig zurückgehende Verfolgung ehemaliger Nationalsozialisten (42) wieder in Schwung zu bringen. Er kann nicht aus eigener Initiative gehandelt haben, zumal da er nach dem sonstigen Inhalt seiner Anzeige offensichtlich selbst keine Kenntnis von bestimmten Verbrechen in Auschwitz hatte, wo er nach eigenen Angaben vom 6.Mai 1941 bis 16. Januar 1945 — vermutlich als krimineller Gewohnheitsverbrecher — festgehalten worden war. Seine gegen Boger erhobenen Beschuldigungen sind völlig vage und gänzlich unsubstantiiert. Dem entspricht es, daß dieser Adolf Rögner, den Langbein übrigens in seiner Prozeßdokumentation bemerkenswerterweise nur mit den Initialen A.R. bezeichnet, in keinem der Bücher über Auschwitz oder den Auschwitz-Prozeß als Zeuge für irgendein bestimmtes Verbrechen erwähnt wird.

Die Gründe, aus denen heraus die an einer weiteren NS-Verfolgung interessierten Kreise damals in dieser Weise aktiv wurden, sind rasch aufgezählt. Bald nach Beendigung der von den Besatzungsmächten mit [299] zum Teil unmenschlichsten Methoden durchgeführten “Kriegsverbrecher”-prozesse waren die angeblichen NS-Untaten im deutschen Volk schnell in Vergessenheit geraten. Die Mehrheit der Deutschen hatte ohnehin nicht recht daran geglaubt; zumindest bestanden hinsichtlich des behaupteten Umfangs der Judenvernichtung erhebliche Zweifel. Die nicht unbekannt gebliebenen Grausamkeiten der Alliierten gegenüber inhaftierten deutschen “Kriegsverbrechern”, die barbarischen Strafen für niemals bewiesene Taten (43) und nicht zuletzt die von “Deutschen” gegenDeutsche durchgeführten Spruchkammerverfahren (sog. Entnazifizierung), die in fast jede deutsche Familie eingriffen, hatten zudem in weiten Bevölkerungskreisen einen hohen Grad von Erbitterung, ja sogar Sympathie mit den Opfern dieser Rachejustiz ausgelöst. Man wollte von diesen Dingen einfach nichts mehr hören und sehen. So wurde die NS-Verfolgung von Tag zu Tag unpopulärer, und zwar um so mehr, weil auchdie Zweifel an den Judenmorden wuchsen, als in der zweiten Hälfte der 50er Jahre nicht mehr bestritten werden konnte, daß die nach dem Zusammenbruch des Reichs vor allem in Dachau, aber auch in anderen ehemaligen KL vorgezeigten “Gaskammern” während der Zeit des Dritten Reiches niemals existiert hatten. Angesichts dieser Tatsache war es kein Wunder, daß sich sogar Stimmen meldeten, die auch die von Kanzler Adenauer eingeleitete finanzielle “Wiedergutmachung” an Israel beendet sehen wollten (44).

Vor allem dieser zuletzt genannte Umstand war es wohl, der alle diejenigen unruhig werden ließ, die von der deutschen Niederlage und der Sechs-Millionen-Lüge profitierten und auch weiterhin profitieren wollten. Die politische und finanzielle Erpreßbarkeit des deutschen Volkes drohte in Gefahr zu geraten. Man mußte deshalb nach Wegen suchen, beides zu erhalten. Alle Feinde Deutschlands, insbesondere aber das Weltjudentum, mußten sich hierzu aufgerufen fühlen.

Bei der fast sprichwörtlichen Autoritätsgläubigkeit der Deutschen lag es nahe, zu diesem Zweck nunmehr die deutsche Justiz massiv einzuschalten und ihre Gerichte zur neuerlichen Begründung eines Schuldkomplexes zu mißbrauchen. Die Justizbehörden hatten bislang keinen Anlaß gesehen, von sich aus angebliche NS-Untaten zu verfolgen. Sie Wurden allenfalls auf Grund von Anzeigen gegen bestimmte Einzelpersonen tätig. Solche Prozesse hatten in der Regel nicht mehr und nicht weniger Publizität als normale Strafprozesse (45). Außerdem war die Zuständigkeit deutscher Gerichte auf Vorkommnisse im ehemaligen Reichsgebiet beschränkt, solange die Alliierten selbst “Kriegsverbrecherprozesse” durchführten (46). Da sich aber inzwischen herausgestellt [300] hatte, daß hier von nennenswerten Verbrechen kaum die Rede sein konnte, kam es nun darauf an, die angeblichen deutschen Greueltaten in den ehemals besetzten Ostgebieten um so mehr in das allgemeine Bewußtsein zu rücken, wenn man sich die deutsche Unterwürfigkeit erhalten wollte. Mit gewöhnlicher Greuelpropaganda allein, die sich schon weitgehend als trügerisch erwiesen hatte. war das aber nicht zu erreichen, was die maßgebenden Kreise offenbar sehr bald erkannten. Entsprechende Feststellungen deutscher Gerichte, die bei der Masse des Volks unbedingte Autorität genießen, mußten aber — so kalkulierte man sicher nicht ganz zu Unrecht — besonders tief ins Bewußtsein der Deutschen eindringen und immer noch bestehende Zweifel über Judenvergasungen und andere Unmenschlichkeiten endgültig ausräumen.

Sicherlich war es auch kein Zufall, daß die Ingangsetzung der deutschen Justizmaschinerie in ihrem ganzen Umfang zielstrebig erst im Jahre 1958 in Angriff genommen wurde. Zu jener Zeit war nämlich gerade das ehemalige KL Auschwitz besichtigungsreif geworden, jenes KL also, das nunmehr zum Zentrum der Judenvernichtungslegende werden sollte. Auch war es in diesem Jahr soweit. daß die angeblichen Krakauer Höß-Aufzeichnungen in einer “wissenschaftlichen Edition” des Münchener Instituts für Zeitgeschichte der Öffentlichkeit präsentiert werden konnten. Besonders hiermit ließen sich bei den zeitgeschichtlich unbedarften deutschen Justizbehörden “brauchbare” Vorurteile erzeugen. da naturgemäß kein Staatsanwalt und kein Richter die wissenschaftlicht Glaubwürdigkeit der teilweise im Professorenrang stehenden Mitarbeiter des Instituts für Zeitgeschichte anzuzweifeln wagte. Damit aber waren alle Grundlagen für den Beginn einer neuen Verfolgungswelle geschaffen.

Eine wichtige Frage bleibt noch zu beantworten, nämlich die, warum sich die Hintermänner der NS-Verfolgung zur Verwirklichung ihres Vorhabens ausgerechnet eines wiederholt vorbestraften Mannes bedienten, bei dem von vornherein damit gerechnet werden mußte, daß el mit seinen Beschuldigungen bei den Behörden wenig Glauben finden würde. Man hätte für seine Ziele sicherlich auch einen “seriöseren” Anzeigeerstatter einspannen oder die Anzeige sogar selbst erstatten können. So aber wurde die Angelegenheit — wie zu erwarten war — durch die zuständige Staatsanwaltschaft zunächst recht zurückhaltend behandelt und kaum etwas veranlaßt.

Indessen scheint gerade das zum Plan gehört zu haben. Um das zu erkennen, muß man sich nur vergegenwärtigen, was geschehen wäre, wenn die Staatsanwaltschaft die Anzeige Rögners sogleich ernst genommen [301] hätte. Es wäre dann nämlich zu einem gewöhnlichen Strafverfahren gegen Boger vor dem für ihn zuständigen Gericht gekommen7 sofern sich die Beschuldigungen Rögners bei näherer Nachprüfung überhaupt als stichhaltig erwiesen hätten. Boger wäre dann vielleicht wegen einiger Mißhandlungen oder gar Tötungen von Häftlingen in Auschwitz verurteilt worden. und zwar in einem Prozeß, der auch wieder kaum mehr als örtliche Publizität erlangt haben würde. Der große weltweite Wirkungen ausstrahlende Auschwitz-Prozeß mit all seinen Folgewirkungen aber, auf den man hinarbeitete, wäre zweifellos ebenso ausgeblieben, wie die ganze sich daran anschließende Prozeßkette über die sog. “Vernichtungslager”. die man mit diesem Prozeß überhaupt erst in Gang setzen wollte. Nur an einer umfassenden und zentral gelenkten Verfolgung der angeblichen NS-Gewaltverbrechen bei allergrößter Publizität konnten die Hintermänner der neuerlichen NS-Verfolgung ein Interesse haben. Denn allein damit konnten die erwünschten Wirkungen und Vorstellungen von der Unermeßlichkeit und Einmaligkeit deutscher Greueltaten im Bewußtsein breiterer Schichten des deutschen Volkes erzeugt und damit wiederum im Endergebnis die politische und finanzielle Erpreßbarkeit der Deutschen erhalten und womöglich noch gesteigert werden. Die übliche Behandlung der Strafanzeige, die man durch Benutzung eines von vornherein glaubwürdigen Anzeigeerstatters wohl ohne w eiteres erreicht hätte, konnte also gar nicht im Sinne jener Mächte liegen. die sehr viel weitergehende Ziele hatten.

Die Erstattung einer umfassenderen und den gesamten AuschwitzKomplex erfassenden Anzeige etwa durch das Wiener Auschwitz-Komitee oder eine vergleichbare Institution kam aus ahnlichen Gründen nicht in Betracht. Sie hätte zwar möglicherweise zu dem erwünschten größeren Prozeß geführt. zugleich aber auch die Drahtzieher bloßgestellt und damit vermutlich eine Abwehrreaktion im Volk heraufbeschworen Außerdem hätte die Glaubwürdigkeit des gesamten Verfahrens darunter leiden konnen. Diese war nämlich ohne Frage nur dann gewährleistet, wenn die Strafverfolgung in den Augen der Öffentlichkeit von den deutschen Justizbehörden selbst ausging.

Um dieses Ziel zu erreichen, mußte man also einen etwas verschlungenen Weg einschlagen. Die beabsichtigte Aktivierung der deutschen Justiz in größerem Rahmen und eine möglichst einheitlich gesteuerte Verfolgung der sog. NS-Gewaltverbrechen war selbstverstandlich ohne die Einschaltung entsprechender Organisationen nicht denkbar. Das aber ließ sich durch das anfängliche Vorschieben eines von vornherein unglaubwürdigen Strohmannes in der Gestalt des Häftlings Rogner [302] ohne größeres Aufsehen in der Öffentlichkeit verwirklichen. Denn das dadurch provozierte lasche und zögernde Vorgehen der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsbehörden gab vor allem dem Internationalen Auschwitz-Komitee und danach auch noch anderen Kräften außerhalb Deutschlands den erwünschten Anlaß, sich von der Öffentlichkeit unbemerkt und wie zufällig in die Ermittlungen einzuschalten und diese so auszuweiten, daß die Grundlage für einen Mammutprozeß gewährleistet war. Wie geschickt dabei das Auschwitz-Komitee durch seinen Generalsekretär Hermann Langbein vorging, offenbart uns Langbein selbst in seiner Prozeßdokumentation (47). Seine selbstgefällige Geschwätzigkeit zeigt gewiß nicht alle Aspekte dieses Vorgehens und des dabei aufgewendeten politischen Drucks auf, spricht aber auch so schon für sich. Langbein trug gewiß maßgebend auch dazu bei, daß im Herbst 1958 die “Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen” in Ludwigsburg eingerichtet wurde, indem er bei seinen im Zusammenhang mit der schleppenden Behandlung von Rögners Anzeige eingeleiteten Kontakten zu den Justizbehörden bis hinauf zum Bundesjustizministerium die “Unfähigkeit” der zuständigen Ermittlungsorgane und die “unzulänglichen Voraussetzungen” für die ihnen zugemutete “Aufklärungsarbeit” eindringlich herausstellte. Diese Zentralisierung der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsarbeiten und ihre ständige Abstimmung mit den — justizfremden — “Zentralstellen” der ausländischen Drahtzieher dürfte überhaupt der wesentlichste Erfolg der durch Rögners Strafanzeige ausgelösten Aktion gewesen sein. Nun hatte man erreicht, was man erreichen wollte, und Langbein jubelt denn auch im Hinblick auf die gewandelte Atmosphäre im Bereich der deutschen Justiz: “Ein anderer Ton, ein neuer Geist!” (48)

Sein Internationales Auschwitz-Komitee in Wien und dessen Hintermänner waren damit zum eigentlichen Herrn des Ermittlungsverfahrens geworden, ein Erfolg, der nicht auf den Auschwitz-Prozeß beschränkt bleiben sollte.

Die Ermittlungen werden nun auch, wie es im Sinne der hintergründigen Drahtzieher der wiederaufgenommenen NS-Verfolgung liegt, auf das gesamte frühere NS-Personal des KL Auschwitz ausgedehnt. Nachdem Boger schon am 8. Oktober 1958 verhaftet worden war — er sollte die Gefängniszelle nicht wieder verlassen! –, erfolgten im Zuge der vom Leiter der Zentralen Stelle Ludwigsburg beschworenen “vertrauensvollen Zusammenarbeit” mit dem Auschwitz-Komitee vom April 1959 ab laufend weitere Verhaftungen (49). Rögner hatte seine Schuldigkeit getan und trat nicht weiter in Erscheinung.

[303] Ein Problem besonderer Art war allerdings noch zu lösen: die Zusammenfassung des gesamten Auschwitz-Komplexes bei einem einzigen Gericht. Denn der erwünschte Eindruck auf die Öffentlichkeit konnte nicht erzielt werden, wenn nur Einzeldelikte mehr oder weniger bedeutender SS-Angehöriger vor verschiedenen, jeweils im Einzelfall gesetzlich zuständigen Gerichten verhandelt wurden. Um Auschwitz als ein Symbol für die Vernichtung von Millionen Juden fest im Bewußtsein der Menschen zu verankern, bedurfte es — wie gesagt — eines Mammutverfahrens vor einem besonderen Gericht, in dem das gesamte angebliche Geschehen in dem sog. “Vernichtungslager” umfassend “aufgedeckt” und in einer zusammenfassenden Darstellung des das Verfahren abschließenden Urteils niedergelegt wurde. Nur so war auch eine breite und einheitliche Publizität des in den Giftküchen der Greuelpropaganda längst vorbereiteten Auschwitz-Bildes erreichbar, das nur noch gerichtliche Absegnung benötigte, um weiteren Kreisen als unumstößliche “Wahrheit” zu erscheinen. Das aber stand vorläufig noch auf dem Spiel, da — je nach dem Wohnsitz der einzelnen Beschuldigten — verschiedene Staatsanwaltschaften und demzufolge auch verschiedene Gerichte zuständig waren. Denn die Zentrale Stelle Ludwigsburg hatte ja — wie bereits gezeigt wurde (oben Seite 292) — nur die Vorermittlungen zu führen. Eine einheitliche gerichtliche Zuständigkeit konnte durch sie nicht begründet werden.

Doch auch insoweit kam den Initiatoren des Auschwitz-Prozesses der “Zufall” zu Hilfe; jedenfalls behauptet das Langbein. Es ergab sich nämlich, daß dem Frankfurter Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, einem nach dem Kriege aus der Emigration zurückgekehrten Juden, eines Tages ein “Päckchen angekohlter Dokumente” über angebliche Häftlingsermordungen in Auschwitz zugespielt wurde. Er soll diese Papiere dem Bundesgerichtshof vorgelegt haben, dc. daraufhin Frankfurt als zuständigen Gerichtsstand für den gesamten Auschwitz-Komplex bestimmt haben soll. Die erwähnten “Dokumente” waren von einem Journalisten in der Frankfurter Wohnung eines gewissen Emil Wulkan “zufällig entdeckt” worden, was schon recht eigenartig erscheint. Noch seltsamer mutet die Geschichte an, die Wulkan später den Justizbehörden über die Herkunft dieser “Dokumente” auftischte. Er erklärte nämlich, daß diese Papiere — es handelte sich angeblich um Teile von Auschwitz-Akten, die die Namen von dort angeblich getöteten Häftlingen und von den an diesen “Morden” beteiligten SS-Angehörigen enthielten — aus der Lessing-Loge in Breslau stammten, wo sie ein guter Freund von ihm in den ersten Maitagen des Jahres 1945 gefunden habe (50).

[304] Das alles ist wenig glaubwürdig. Jedenfalls sucht man vergeblich nach einer Erklärung dafür, wie diese “Dokumente” aus dem Bereich des KL Auschwitz ausgerechnet in die Breslauer Lessing-Loge gekommen sein könnten — wenn sie überhaupt echt sind. Doch lassen wir diese Frage auf sich beruhen. Viel wichtiger erscheint die weitere Frage, ob es wirklich nur die in Frankfurt plötzlich aufgetauchten Auschwitz-Akten waren, die für die angeblich vom Bundesgerichtshof angeordnete einheitliche Zuständigkeit der Frankfurter Justiz maßgebend sein konnten. Auch diese Frage läßt sich indessen ohne Kenntnis der Akten nicht eindeutig klären. Zwar ist nach der Strafprozeßordnung die Möglichkeit gegeben, zusammenhängende Straftaten schon im Ermittlungsstadium in einem bestimmten Gerichtsbezirk zusammenzufassen, wobei Zweckmäßigkeitsgesichtspunkte ausschlaggebend sein sollen (51). Es ließe sich jedoch von der Frage der Zweckmäßigkeit eines solchen Monsterprozesses, wie es der Auschwitz-Prozeß schließlich wurde, einmal abgesehen (52) — schon darüber streiten, ob die verschiedenen angeklagten Taten (Einzelmorde unterschiedlichster Ausführung, standrechtliche Exekutionen, medizinische Tötungen durch “Abspritzen” und die verschiedenen Teilnahmeformen bei den angeblichen Gaskammermorden) überhaupt als “zusammenhängende Straftaten” im Sinne der Strafprozeßordnung gelten konnten. Denn ein solcher Zusammenhang liegt nach § 3 aaO. nur vor. wenn entweder eine Person mehrerer strafbarer Handlungen beschuldigt wird (Tatmehrheit) oder wenn bei einer strafbaren Handlung mehrere Personen als Täter oder sonstige Tatbeteiligte in Betracht kommen (Tätermehrheit). Die Tatsache allein, daß “Dokumente” über Auschwitz in Frankfurt aufgefunden worden waren, konnte mithin für die Zuständigkeitsbestimmung gewiß nicht maßgebend sein.

So erscheint es den ganzen Umständen nach nicht abwegig, daß auch die Regelung der Zuständigkeitsfrage weniger auf rechtlichen Erwägungen als auf den in nicht erkennbarer Weise wirksam gewordenen Wünschen der Drahtzieher des Auschwitz-Verfahrens nach einem politischen Prozeß größten Umfanges beruhte. Mit der “zufälligen” Entdekkung mehr oder weniger obskurer “Dokumentea in Frankfurt wurde allerdings eine recht fragwürdige Grundlage hierfür geschaffen, wenn nicht diese wenig glaubwürdige Geschichte überhaupt nur zur Täuschung der Öffentlichkeit erfunden wurde.

Nachdem auf diesen nicht ganz durchsichtigen Wegen die Zusammenfassung der Auschwitzermittlungen bei einem schon bewährten “Nazi-Verfolger” in Gestalt des Frankfurter Generalstaatsanwalts Bauer gelungen war, wurden die weiteren Ermittlungen “in engem Kontakt mit [305] dem Internationalen Auschwitz-Komitee” mit Hochdruck betrieben (53). Zwei Staatsanwälte wurden ausschließlich zu diesem Zweck bereitgestellt. Immer mehr Namen von ehemaligen SS-Angehörigen wurden in das Verfahren einbezogen, so daß der Auschwitz-Komplex einen immer größeren Umfang annahm. Das “Belastungsmaterial”, das vom Auschwitz-Komitee und anderen interessierten Organisationen und Institutionen zur Verfügung gestellt wurde, floß reichlich und immer reichlicher. An die Frage, ob dieses Material echt war, scheinen die damit befaßten Staatsanwälte freilich kaum einen Gedanken verschwendet zu haben. Jedenfalls vermittelt Rückerls “Tätigkeitsbericht” über die Arbeit der Zentralen Stelle Ludwigsburg — nämlich sein Buch “NS-Prozesse” — diesen Eindruck für den Bereich dieser staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsstelle. Es ist kaum anzunehmen, daß die Frankfurter Staatsanwälte etwa “gründlicher” vorgegangen sein könnten als ihre Kollegen von der Zentralen Stelle, die ja ohnehin auch die größere Kompetenz für sich in Anspruch nahmen. Übrigens stellte das Auschwitz-Komitee — wie Langbein voller Stolz berichtet — den Justizbehörden nicht nur “Dokumente” zur Verfügung, es vermittelte auch Verbindungen zu “Zeugen” in den Ländern, mit denen die Bundesrepublik damals noch keine diplomatischen Beziehungen unterhielt. Außerdem arrangierte Langbein Reisen für die Staatsanwälte und den Untersuchungsrichter nach Auschwitz, damit sie sich dort “Lokalkenntnisse” erwerben und “dokumentarische Unterlagen” studieren konnten.

Über die Intensität und Wirksamkeit der Unterstützung, die das Auschwitz-Komitee mit seinem Generalsekretär Hermann Langbein den deutschen Justizbehörden gewährte, gibt ein Schreiben des Oberstaatsanwalts Wolf an Hermann Langbein vom 12. Dezember 1959 Auskunft (54). Darin wird diesem “Dank und Anerkennung. . . für die tatkräftige und wertvolle Unterstützung” ausgesprochen. Wörtlich heißt es in dem Brief dann weiter:

“Bei der Vorbereitung des umfangreichen Verfahrens, das die noch unaufgeklärten Verbrechen von Auschwitz zum Gegenstand hat, haben Sie uns durch die verdienstvolle Sammlung und Bereitstellung wichtigen Urkundenmaterials und durchdie Ermittlung zahlreicher Tatzeugen aus dem In- und Ausland unsere schwierige und verantwortungsvolle Aufgabe wesentlich erleichtert.

Wir verstehen die Sorge und Unruhe der Überlebenden und hören die mahnende Stimme der Millionen stummer Opfer, für die Sie stellvertretend sprechen, alle noch auffindbaren Mörder von Auschwitz schnell und ausnahmslos in ihrer Anonymität aufzuspüren und der gerechten Bestrafung zuzuführen.”

[306] Für diese “Diener des Rechts” stand also — und das ist vielleicht das Bemerkenswerteste an diesem unterwürfig-schwülstigen Schreiben — von vornherein fest, daß Auschwitz “Millionen stummer Opfer” gefordert hatte. Dieses Schreiben ist ein bezeichnendes Beispiel für die Voreingenommenheit der Ermittlungsbehörden, zumal da darin anfänglich mit Recht die angeblichen Verbrechen von Auschwitz als noch “unaufgeklärt” bezeichnet werden, was wohl als Freud’sche Fehlleistung erklärbar ist. Daneben zeigt das Schreiben mit unüberbietbarer Deutlichkeit, wer der eigentliche Herr des Auschwitz-Verfahrens war.

Bei der Darstellung der Vorgeschichte des Auschwitz-Prozesses darf schließlich noch ein weiterer Punkt nicht vergessen werden: Die Behandlung der Beschuldigten im Ermittlungsverfahren. Fast jeder von ihnen wurde nach seiner Aufspürung in Untersuchungshaft genommen, obwohl die gesetzlichen Haftgründe — Fluchtverdacht oder Verdunkelungsgefahr — offensichtlich in keinem Fall gegeben waren. Denn wodurch hätte bei diesen um mehr als ein Jahrzehnt zurückliegenden Tatvorwürfen wohl die Aufklärung der angeblichen “Verbrechen” durch die Beschuldigten noch “verdunkelt” — d.h. gefährdet — werden können? Es handelte sich ohnehin bei den meisten von ihnen um ehemalige SS-Leute, die in der Lagerhierarchie nur untergeordnete Stellungen eingenommen hatten. Fluchtgefahr kam noch weniger in Betracht, da alle Beschuldigten in der Bundesrepublik ihre wirtschaftliche Existenz hatten und überdies in einem Alter standen, in dem man die körperlichen und seelischen Strapazen einer Flucht nicht mehr auf sich nimmt, zumal dann nicht, wenn man sich so phantastischen Vorwürfen ausgesetzt sieht, daß man sie zunächst wohl kaum ernst nehmen kann.

Die Inhaftnahme fast aller Beschuldigten kann daher nur damit erklärt werden, daß man sie “mürbe” machen wollte. Es bestand sicherlich vor allem ein Interesse daran, sie zu dem Eingeständnis zu bewegen, daß es in Auschwitz ein Vernichtungsprogramm gegeben hatte, das mit Hilfe von “Gaskammern” durchgeführt worden war. Es läßt sich auch insoweit ohne Kenntnis der Akten nicht feststellen, ob und wodurch dieses Ziel schon im Ermittlungsverfahren erreicht wurde. Daß es jedenfalls in gewissem Umfang erreicht wurde, zeigt das spätere Verhalten der Angeklagten im Prozeß selbst, worauf weiter unten noch eingegangen wird. Mancher der Angeklagten mag sich schon im Ermittlungsverfahrengutgläubig oder nicht — dahin eingelassen haben, seinerzeit in Auschwitz von den angeblichen Judenvergasungen “gehört” zu haben, um sich so die Entlassung aus der Untersuchungshaft zu erkaufen. Das schien zunächst auch völlig ungefährlich, weil wohl kaum einer der Beschuldigten [307] daran dachte oder darauf hingewiesen wurde, daß ihm einmal schon die Teilnahme am Wachdienst oder an einef “Selektion” auf der Bahnrampe von Auschwitz-Birkenau als Beteiligung an den vorgeblichen Gaskammermorden ausgelegt werden würde.

Zu Beginn des Auschwitz-Prozesses befanden sich von den insgesamt 22 Angeklagten immer noch 9, also fast die Hälfte, in Untersuchungshaft. Für einige von ihnen dauerte sie nun bereits vier bis fünf Jahre und mehr, was als absolut ungewöhnlich bezeichnet werden muß. Während des Verfahrens wurden dann — fast immer auf Grund von Zeugenaussagen — nach und nach 8 weitere Angeklagte wieder in Haft genommen. 2 Angeklagte schieden während des Verfahrens aus Gesundheitsgründen aus. Einer von ihnen starb wenige Monate darauf. Nur 3 Angeklagte blieben während der gesamten Verfahrensdauer auf freiem Fuß (Breitwieser, Schoberth und Dr. Schatz). Die meisten nicht in Haft befindlichen Angeklagten hatten übrigens hohe Kautionen — bis zu 50 000 DM zu hinterlegen (55). Es steht unter diesen Umständen ganz außer Frage, daß alle Angeklagten vom Beginn der Ermittlungen bis zum Ende des Verfahrens unter einem ungeheuren psychischen Druck gestanden haben müssen. Das aber ist genau die Situation, der Angeklagte in Schauprozessen stets ausgesetzt sind.

Besonders bemerkenswert ist das Schicksal des Hauptbeschuldigten und letzten Auschwitz-Kommandanten Richard Baer, der den Prozeßbeginn nicht mehr erleben sollte. Er wurde im Dezember 1960 in der Nähe von Hamburg verhaftet, wo er als Waldarbeiter lebte. Im Juni 1963 starb er unter mysteriösen Umständen in der Untersuchungshaft (56).

Nach mehreren Quellen, die ihrerseits auf französische Presseberichte zurückgehen, hatte Baer sich in der Untersuchungshaft beharrlich geweigert, die Existenz von Gaskammern in seinem einstigen Kommandobereich zu bestätigen. Es wird weiter behauptet, daß Baer aus diesem Grunde durch Gift aus dem Wege geräumt wurde. Die Ursachen für den Tod des bis dahin nach Angaben seiner Ehefrau kerngesunden Mannes sind jedenfalls ungeklärt geblieben.

Langbein teilt lediglich mit, daß bei der Obduktion der Leiche keinerlei Anzeichen für einen unnatürlichen Tod festgestellt worden seien. Naumann zufolge soll Baer an “Kreislaufschwäche” gestorben sein. Eine bestimmte Krankheit, an der Baer gestorben sein könnte, ist also nucht bekannt geworden; denn Kreislaufschwäche ist nur ein Krankheitssymptom, das seinerseits wieder seine Ursachen gehabt haben muß. Es wäre mithin denkbar, daß die angebliche Kreislaufschwäche bei dem zuletzt als Waldarbeiter tätigen und daher zweifellos körperlich [308] robusten Mann durch die Behandlungsmethoden entstanden sein könnte, denen er in der Untersuchungshaft ausgesetzt war (57). Das wäre gewiß schon schlimm genug. Die Geschichte wird jedoch noch weit geheimnisvoller, wenn wir dem Obduktionsbefund des Instituts für Gerichtliche Medizin der Universität Frankfurt/Main entnehmen müssen, daß “die Einnahme eines nicht riechenden und nicht ätzenden Giftes… nicht ausgeschlossen” werden konnte (58). Trotzdem wurde eine weitere Klärung der Todesursachen nicht versucht. Generalstaatsanwalt Bauer ließ vielmehr die Leiche bald danach einäschern. Ein Selbstmord Baers erscheint so gut wie ausgeschlossen, zumal da er nach Angaben seiner Ehefrau mit einem Freispruch rechnete. Er hätte in diesem Fall wohl auch kaum die Wache verständigt und einen Arzt verlangt, als ihn vor seinem Tod ein Unwohlsein überfiel.

Diese ganzen mysteriösen Vorgänge fanden übrigens in der Öffentlichkeit seinerzeit kaum Beachtung und wurden vermutlich sogar planmäßig unterdrückt. Wenn man sich vor Augen hält, wie sonst beim Tode eines Häftlings in deutschen Strafanstalten in Massenmedien, Parlamenten und anderen Gremien reagiert wird, kann man sich darüber nur wundern. Dies um so mehr, als es sich bei Baer ja um keinen beliebigen Untersuchungsgefangenen handelte, sondern um jenen Mann, dessen Aussage in dem bevorstehenden Prozeß größtes Gewicht zukommen mußte.

Der Verdacht, daß Baer — wie behauptet wird — von interessierter Seite durch Giftmord aus dem Wege geräumt wurde, ist unter diesen Umständen nicht gerade abwegig. Die Gründe hierfür sind naheliegend. Wenn überhaupt jemand, dann mußte Baer als letzter Kommandant von Auschwitz über die angeblichen Gaskammern Bescheid wissen. Dafür. daß er sich weigerte, der Gaskammerlegende die Autorität seines Zeugnisses zu verleihen, spricht die Tatsache, daß seine Aussagen im Ermittlungsverfahren nicht in der Hauptverhandlung verlesen wurden. Sie waren also für die Anklage negativ. Den Initiatoren des Auschwitz-Prozesses mußte es aber alles andere als gleichgültig sein, wie der Hauptangeklagte sich zum Kern der Behauptungen über Auschwitz äußerte. Wenn gerade er diesen Behauptungen entschieden widersprach und sie womöglich gar ad absurdum führen konnte, so hätte das für den angestrebten “Erfolg” des Auschwitz-Prozesses — die zeitgeschichtliche Zementierung der Gaskammerlegende — nur nachteilig sein und womöglich den ganzen Prozeß in ein anderes Fahrwasser bringen können. Es war nicht ausgeschlossen, daß seine Standhaftigkeit andere Prozeßbeteiligte beeindrucken und vor allem auf seine Mitangeklagten beispielhaft wirken [309] konnte. Ein standhafter Baer war also zumindest ein Hindernis für den von Seiten der Drahtzieher des Auschwitz-Prozesses erwünschten Prozeßablauf. Aus diesem Grunde erscheint auch die Behauptung nicht abwegig, daß allein die Weigerung Baers, sich der geforderten Sprachregelung für den Prozeß zu unterwerfen, dafür maßgebend gewesen sei, daß der Prozeß erst nach seinem Tod beginnen konnte (59). Ob das richtig ist, mag dahinstehen. Tatsache ist jedenfalls, daß der Auschwitz-Prozeß ziemlich unmittelbar nach dem Tode Baers — nach Meinung Laternsers überstürzt (60) — angesetzt wurde. Wie Langbein mitteilt, war die Voruntersuchung bereits am 19. Oktober 1962 abgeschlossen (61), so daß schon damals der Eröffnung des Hauptverfahrens eigentlich nichts mehr im Wege stehen konnte — es sei denn die “Starrköpfigkeit” Baers.

Wurde Baer also im Gefängnis ermordet? Wir wissen nicht erst seit der brutalen Entführung Eichmanns aus Argentinien, daß dem israelischen Geheimdienst alles zuzutrauen ist (62). Da zudem Generalstaatsanwalt Bauer Zionist war — ein Umstand, der die Zusammenfassung der Ermittlungen in seiner Hand eigentlich hätte verbieten sollen –, ist nicht auszuschließen, daß der mächtige Arm des Internationalen Judentums bis in die Gefängniszelle Baers hineinreichte. Doch muß diese Frage mangels sicherer Anhaltspunkte offen bleiben. Immerhin kann man aber wohl davon ausgehen, daß der plötzliche Tod Baers auf die übrigen Beschuldigten wie ein Schock gewirkt hat. Da ihnen seine Haltung nicht unbekannt geblieben sein kann, wird mancher von ihnen sein unerwartetes und mysteriöses Hinscheiden als Warnung aufgefaßt und dementsprechend sein eigenes weiteres Verhalten eingerichtet haben. Den Veranstaltern des Prozesses konnte das nur willkommen sein.

Nicht ohne Bedeutung für den Ablauf des Prozesses mußte schließlich auch die Besetzung des Gerichts sein. Diese ist zwar bei allen Gerichten geschäftsplanmäßig festgelegt, doch schließt das eine gewisse Einflußnahme schon deshalb nicht aus, weil der Geschäftsplan in der Regel nur für ein Jahr gilt. Naturgemäß muß gerade bei diesem Verfahren ein Interesse daran bestanden haben, es in die Hände von Richtern zu legen, von denen zu erwarten war, daß sie der erwünschten Behandlung des Sachverhalts keine besonderen Schwierigkeiten in den Weg legen würden. Insbesondere wird Generalstaatsanwalt Bauer als der verlängerte Arm der Initiatoren des Prozesses insoweit sicherlich seine konkreten Vorstellungen gehabt haben. Es ist daher interessant, von Laternser zu erfahrenf daß seinerzeit zwischen den Behörden des Generalstaatsannvalts, des Landgerichtspräsidenten und dem mutmaßlichen Vorsitzenden des Schwurgerichts Besprechungen stattgefunden haben, die u.a. [310] den Prozeßbeginn und die damit zusammenhängende Besetzung des Gerichts zum Gegenstand hatten. Die im Hinblick auf vermutete Manipulafionen bei der Besetzung des Gerichts gleich zu Beginn des Verfahrens erhobenen Verfahrensrügen Laternsers wies das Gericht erst in der Verhandlung vom 3. Februar 1964 — also mehr als einen Monat nach Prozeßbeginn — zurück, ohne auf den damit verbundenen Beweisantrag einzugehen (63).

Alles in allem genommen läßt die Vorgeschichte des Auschwitz-Prozesses kaum einen Zweifel daran, daß die hinter diesem Verfahren stehenden Kräfte und Mächte alles darauf angelegt hatten, einen ausgesprochenen Schauprozeß in Szene zu setzen (64). Sieht man — wie schon ausgeführt wurde — das Wesentliche eines solchen Prozesses darin, daß nicht die objektive Rechtsfindung, sondern der politische Demonstrationseffekt im Vordergrund der prozessualen Bemühungen steht, so war hierfür bereits im Vorstadium des Verfahrens alles Erdenkliche geschehen: Die Zentralisierung der Ermittlungen ohne Rücksicht auf gesetzliche Zuständigkeiten, die Einflußnahme justizfremder und dem Auschwitz-Geschehen nicht neutral gegenüberstehender Kräfte auf die Vorbereitung des Prozesses, die Übertragung der Anklagebefugnis auf eine unter der Leitung eines bewährten Zionisten stehende Staatsanwaltschaft, Manipulationen bei der Zusammensetzung des Schwurgerichts undnicht zuletzt eine nach deutschem Recht zumindest ungewöhnliche Behandlung der Beschuldigten, die — in Verbindung mit dem geheimnisvollen Tod des Hauptbeschuldigten in der Untersuchungshaft — ihre Widerstandskraft beeinträchtigen mußte und zweifellos mit ursächlich für ihre teilweise zwielichtige Haltung in der Hauptverhandlung gewesen ist.

Steht somit das Vorhaben eines Schauprozesses außer Frage, so bleibt jetzt noch zu untersuchen, inwieweit die Durchführung des Verfahrens diesem Vorhaben tatsächlich entsprach.

B. Die Durchführung des Prozesses

Auch für jemanden, der dem unter dem Namen Auschwitz-Prozeß bekannt gewordenen Frankfurter Schwurgerichtsprozeß gegen Mulka und andere nicht beiwohnen konnte, bieten die Prozeßberichte von Naumann, Langbein und Laternser ein recht gutes Bild von dessen Verlauf. Während Bernd Naumann, der Prozeßberichterstatter der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, in seinem unter dem Titel “Auschwitz” herausgegebenen Bericht den Ablauf des Verfahrens chronologisch [311] schildert, hat Hermann Langbein, der ebenfalls das Verfahren fast ununterbrochen beobachten konnte, seine zweibändige Prozeßdokumentation “Der Auschwitz-Prozeß” nach Sachkomplexen gegliedert und in deren Rahmen die angeblichen Verbrechen der einzelnen Angeklagten unter Heranziehung der entsprechenden Zeugenaussagen abgehandelt. Ergänzt wird das Bild durch den besonders aufschlußreichen Prozeßbericht des Verteidigers Laternser “Die andere Seite im Auschwitz-Prozeß”.

Auf der Grundlage dieser drei Prozeßdokumentationen wird im folgenden der Gang des Verfahrens untersucht (65). Zu bemerken ist noch, daß Laternser sich vor allem der juristischen Seite des Verfahrens widmet, wohingegen die beiden anderen Berichterstatter sich als juristische Laien im wesentlichen auf die Wiedergabe der Aussagen von Angeklagten und Zeugen beschränken. Doch halten sie dabei ihre eigene Meinung nicht zurück, die selbstverständlich völlig auf dem Boden der Legende steht und offensichtlich auch auf die Auswahl des Wiedergegebenen nicht ohne Einfluß geblieben ist. Aber auch Laternser geht von keiner anderen Grundlage aus, wie nicht nur aus dem Vorwort seines Buches, sondern auch aus den darin abgedruckten Plädoyers hervorgeht. Um so wertvoller und unverdächtiger ist daher seine Kritik des Prozeßgeschehens, die im Rahmen der beiden anderen Darstellungen fast ganz fehlt.

Doch wenden wir uns nun den Einzelheiten zu.

1. Der äußere Rahmen des Prozesses

Der Auschwitz-Prozeß fand nicht im Gebäude des Frankfurter Landgerichts statt, weil dort angeblich kein geeigneter Verhandlungssaal zur Verfügung stand (66). Im Hinblick auf die diesem Prozeß schon lange vor seinem Beginn zuteil gewordene ungewöhnliche Publizität mag das dem Init der Gerichtspraxis nicht Vertrauten zunächst als unumgängliche Notwendigkeit erscheinen. Man braucht nur daran zu denken, daß die gesamte Weltpresse von diesem Verfahren sprach und eine dementsprechend große Zahl von teilnehmenden Journalisten zu erwarten war. Von Anfang an war auch — entsprechend der behaupteten “gesellschaftspädagogischen Bedeutung” des Prozesses (Naumann) — die Zwangsteilnahme geschlossener Jugendgruppen, wie z. B. von Bundeswehreinheiten und Schulklassen, yorgesehen. Und schließlich war ohnehin ständig mit einem überaus starken Besuch der am Prozeß politisch interessieten Gruppen und Verbände zu rechnen.

[321] Das alles vermag indessen noch nicht die mit besonderen Kosten verbundene Anmietung von Verhandlungsräumen außerhalb des Gerichtsgebäudes zu rechtfertigen, zumal wenn man bedenkt, daß die zu erwartende hohe Frequentierung des Verfahrens offensichtlich künstlich gesteuert und einheitlich gelenkt wurde. Als Verhandlungsraum wurde anfänglich der Plenarsaal des Frankfurter Stadtparlaments, der sog. Römer, zweckentfremdet; ab 3. April 1964 fanden die Verhandlungen im Theatersaal des neu erbauten Gallushauses statt. Beide Räumlichkeiten genügten — wie Laternser ausführlich darlegt (67) — nicht den forensischen Erfordernissen, was allein schon die Inanspruchnahme dieser Räume für einen Strafprozeß von dieser Bedeutung hätte ausschließen sollen.

Wenn auch die gesetzlich vorgesehene Offentlichkeit der Verhandlung gerade in Strafprozessen gewährleistet sein muß, so ist sie doch normalerweise durch die im Gerichtsgebäude gegebenen Möglichkeiten begrenzt. Der Verhandlungsraum wird gesch!ossen, wenn die vorhandenen Sitzplätze besetzt sind. Mir ist kein Fall bekannt, wo in größeren Strafprozessen sonst noch Verhandlungen regelmäßig außerhalb des Gerichtsgebäudes stattfanden. Die ungewöhnlich hohe Zahl von Angeklagten und Verteidigern im Auschwitz-Prozeß dürfte ebenfalls den Auszug aus dem Gerichtsgebäude kaum gefordert haben. Denn jedes Gericht hat zumindest einen Verhandlungssaal, in dem sich bei einigem guten Willen selbst eine solche Zahl von Prozeßbeteiligten unterbringen läßt. Abgesehen hiervon hätte sich die Aufblähung des Prozesses vermeiden lassen, wenn man nicht einen höchst fragwürdigen gemeinsamen Gerichtsstand für alle Angeklagten hätte begründen wollen.

So kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß schon die Wahl des Verhandlungsraumes vor allem unter dem Gesichtspunkt der Erzielung eines möglichst großen politischen Demonstrationseffektes erfolgte, der ja — wie dargelegt wurde — ein wesentlicher Bestandteil von Schauprozessen ist. Die Tatsache, daß die angemieteten Räume den forensischen Bedürfnissen nicht gerecht wurden, unterstreicht diesen Eindruck ganz besonders. Denn in keinem normalen Strafverfahren wird hierauf verzichtet. Wie Laternser ausgeführt hat,:war u. a. die unbedingt erforderliche räumliche Trennung von Prozeßbeteiligten und Publikum nicht ausreichend gewährleistet, was häufig zu unerfreulichen Begleiterscheinungen führte. Auch traten — jedenfalls zu Anfang des Prozesses Verständigungsschwierigkeiten unter den Prozeßbeteiligten auf, was an sich schon ein unmöglicher Zustand ist. Vor allem aber war die Verteidigung in beiden Verhandlungsräumen durch die Sitzordnung erheblich behindert, insbesondere bei der Zeugenbefragung.

[313] Es gibt noch einige weitere Umstände, die auf den Schauprozeßcharakter des Verfahrens hindeuten, soweit es sich um dessen äußeren Rahmen handelt. Wir wollen hierbei nicht so sehr an die Tatsache denken, daß der Prozeß schon sehr bald ausgerechnet in einen Theatersaal verlegt wurde, in dem das Gericht seinen Platz auf der Bühne hatte. Das war wohl eher eine unfreiwillige Entgleisung der Veranstalter dieser Justiztragödie, die man freilich auch als symbolisch ansehen könnte. Bemerkenswert aber ist, wie die Öffentlichkeit auf diesen Prozeß hingesteuert wurde, um das damit angestrebte Ziel zu erreichen, nämlich die Begründung einer allgemeinen Überzeugung von der Unbestreitbarkeit des angeblich in Auschwitz begangenen unermeßlichen Völkermordverbrechens.

Zu nennen ist hier in erster Linie die offensichtlich einheitlich gelenkte und einseitig ausgerichtete “Arbeit” der Massenmedien. Selbstverständlich ist die Unterrichtung der Offentlichkeit über bedeutende Strafprozesse eine legitime Aufgabe von Presse, Rundfunk und Fernsehen. Doch sollte hierbei stets auf eine objektive und unvoreingenommene Berichterstattung größter Wert gelegt werden, wie es im allgemeinen ja auch der Fall ist. Bis zum Erlaß des Urteils hat in einem Rechtsstaatder Angeklagte grundsätzlich als unschuldig zu gelten. In bezug auf den Auschwitz-Prozeß schien dieser Grundsatz indessen keine Gültigkeit zu haben. Sogar schon vor seinem Beginn wurde in allen Massenmedien über das angebliche Auschwitz-Geschehen und die Beteiligung der Angeklagten daran stets so berichtet, als ob es sich um längst bewiesene Tatsachen handele. Das ging teilweise so weit, daß die Angeklagten geradezu als “Bestien in Menschengestalt” hingestellt wurden, ohne daß diese sich dagegen wehren konnten. Zahlreiche Belastungszeugen erhielten bereits vor ihrer Vernehmung Gelegenheit, über Rundfunk, Fernsehen und Presse ihre angeblichen Erlebnisse in Auschwitz zu schildern; sie wurden damit praktisch auf eine bestimmte Aussage im Prozeß festgelegt (68). Diese einseitige Berichterstattung änderte sich auch während des Verfahrens nicht; sie wurde eher noch intensiver und nachdrucklicher betrieben. Laternser spricht insoweit mit kaum angebrachter Zurückhaltung von einem “Druck” gewisser Massenmedien auf die Beteiligten in solchen “Verfahren politischer Art” (69). Man kennt das bei Schauprozessen.

An dieser Meinungsmanipulation batte natürlich das Gericht, das eher selbst unter diesem “Druck” der Massenmedien stand, keinen Anteil, wohl aber die Staatsanwaltschaft, die die Massenmedien fortlaufend entsprechend “informierte”. Erinnert sei in diesem Zusammenhang nur [314] an Pressemeldungen, denen zufolge in Auschwitz allein während des Krieges 2 bis 4 Millionen Juden getötet worden sein sollten; sie gingen auf Presseerklärungen der Zentralen Stelle Ludwigsburg und der Frankfurter Staatsanwaltschaft zurück (70).

Gipfelpunkt dieser “Öffentlichkeitsarbeit” war eine während der noch schwebenden Hauptverhandlung am 18. November 1964 in der Frankfurter Paulskirche (!) eröffnete “Auschwitz-Ausstellung”, die auf “Anregungen” des Generalsstaatsanwalts Bauer und der als Vertreter der Nebenkläger auftretenden Frankfurter Rechtsanwälte zurückging. Auf dieser Ausstellung wurden anfänglich sogar Bilder der Angeklagten mit Begleittext gezeigt, die erst auf Protest der Verteidiger wieder entfernt wurden. Eine Dienstaufsichtsbeschwerde des Verteidigers Laternser gegen den Generalstaatsanwalt Bauer wies der Hessische Minister der Justiz als unbegründet zurück. Laternser knüpft an die Schilderung dieser wahrhaft skandalösen Begebenheit nur lakonisch die Bemerkung: “Es galten für dieses Verfahren nicht die normalen Maßstäbe, obwohl es außer diesen keine anderen gibt.”

Damit ist eigentlich schon alles gesagt! (71)–

Abschließend sei in diesem Zusammenhang nochmals auf die eingangs schon erwähnte Tatsache hingewiesen, daß während der ganzen Verfahrensdauer fortlaufend Schulklassen und anderen Jugendgruppen der Besuch des Prozesses ermöglicht wurde, was zweifellos auf höchste Anordnung hin geschah. Es kann kaum der Sinn dieser Maßnahmen gewesen sein, den jungen Menschen dadurch eine Anschauung von deutschem Rechtswesen zu ermöglichen. Dazu war wohl nichts weniger geeignet als dieser Prozeß, der — abgesehen von seiner juristischen Handhabung — bereits nach Anlage und Umfang zumindest nur einen unvollkommenen Einblick in die Rechtspraxis gestattete. Für die hintergründigen Ziele der Monsterschau war jedoch diese Prozeßkulisse nicht unerwünscht. Konnte doch so in die Herzen jener Generation ein dauerhafter Schuldkomplex eingepflanzt werden, die einmal die deutsche Zukunft gestalten sollte. Freudig werden denn auch diese Zwangsvorführungen Jugendlicher von Langbein begrüßt, der in diesem Zusammenhang wieder einmal den eigentlichen Zweck des Prozesses enthüllt. wenn er schreibt (72):

“Auch die Tatsache, daß im Zuschauerraum Tag für Tag Schulklassen außer zur Zeit der Schulferien und andere Gruppen von Jugendlichen dem Verfahren folgten, zeigt, daß die zeirgeschichtliche Bedeumng des Prozesses von vielen Verantwortlichen verstanden worden ist. Zeitweise mußten sich Schulen lange Wochen vorher anmelden, um einen freien Termin zu erhalten.”

[315] Das paßt zu Langbeins schon vorher getroffener Feststellung, daß die Bedeutung des Prozesses “in erster Linie im Zeitgeschichtlichen, nicht aber im Juristischen” liege. Langbein als einer der maßgebenden Initiatoren des Auschwitz-Prozesses mußte es wissen!–

ANMERKUNGEN

Die Anmerkungen sind zum Verständnis des Textes nicht unbedingt erforderlich. Sie enthalten im wesentlichen die Quellenbelege. Dem Leser, der sich mit dem Stoff gründlicher befassen mochte, sollen sie darüber hinaus ergänzende, vertiefende und weiterführende Hinweise geben.

1) Der Vorsitzende Richter im Auschwitz-Prozeß, Senatspräsident Hofmeyer, betonte in seiner mündlichen Urteilsbegründung ausdrücklich, daß es sich “hier um einen normalen Strafprozeß” gehandelt habe und sah sich sogar veranlaßt, das ausführlich zu begründen. Nichts vermag wohl besser zu zeigen, daß an diesem Prozeß durchaus nicht alles “normal” war, da sonst kein Anlaß zu diesen Ausführungen bestanden hätte. Vgl. Bernd Naumann aaO. Seiten 274ff.

Auch Rückerl gibt sich in seinem Buch “NS-Prozesse” redliche Mühe, diese Prozesse als Verfahren wegen rein krimineller Handlungen hinzustellen und als solche zu rechtfertigen: aaO. Seiten 13ff.; vgl. auch ebenda den Beitrag von Artzt, Seiten 163-194.

2) Zitiert nach Bernd Naumann, aaO. Seiten 254.

3) Laternser, “Die andere Seite im Auschwitz-Prozeß”, Seite 263.

4) Laternser aaO. Seite 378.

5) Langbein, “Der Auschwitz-Prozeß”, Band 2, Seiten 907-908. Außerdem stellt Langbein schon in der Einleitung von Band 1 (aaO. S.9 ff.) die “starke politische Bedeutung” der NSG-Verfahren heraus.

6) In einem von der jüdischen Zeitung “Der Aufbau” (New York) vom 14. November 1975 veröffentlichten Artikel “Vor dreißig Jahren in Nürnberg” (aaO. Seite 6).

7) Rassinier mußte nach dem Erscheinen seines ersten Buches “Le Mensonge d’Ulysse” (Die Lüge des Odysseus) in Frankreich einen langwierigen Prozeß und persönliche Anfeindungen durchstehen, bis ihm endlich durch den Kassationshof in Lyon sein Recht auf Meinungsfreiheit zugestanden wurde.

Prof. Butz’ Stellung als amerikanischer Universitätslehrer erschien längere Zeit hindurch gefährdet. Er wurde durch die jüdisch-amerikanische Presse schwer angegriffen. Der “Deutsche National-Zeitung” vom 13. Mai 1977 zufolge wurde auf ihn sogar ein Brandanschlag verübt, bei dem er jedoch unverletzt blieb (aaO. Seite 12).

8) AaO. Seiten 3-4. Es wird vermutet, daß sich hinter dem “Anonymous” ein bekannter amerikanischer Historiker verbirgt, der unerkannt bleiben wollte, weil er um seine Stellung als “college professor” bangte.

9) Aa O. Seiten 106 — 135. Diese Abhandlung ist inhaltsgleich (bis auf geringfügige Abweichungen) mit der als Beilage zur Wochenzeitung “Das Parlament” (B 19/76 vom 8. Mai 1976) erschienenen Veröffentlichung des Instituts für Zeitgeschichte, die Gegenstand meiner Studie “Historiker oder Propagandisten? ” war (Heft 2 der Schriftenreihe “Zur Aussprache”, herausgegeben vom Deutschen Arbeitskreis Witten unter dem Titel “Das Institut für Zeitgeschichte — eine Schwindelfirma?”).

10) AaO. Seite 112. Eigenartigerweise erwähnt Broszat in diesem Zusammenhang nicht das “Vernichtungslager” Auschwitz.

11) Vgl. hierzu auch meine in der vorstehenden Anmerkung 9 erwähnte Studie.

12) Hoax, Seiten 100 132; deutsche Ausgabe S. 131-172.

13) Zur Methodik der Geschichtswissenschaft vgl. z. B. das Standardwerk von Ernst Bernheim, “Lehrbuch der historischen Methode”, München-Leipzig, 1914.

14) Auch die strafprozessuale Methode kann hier nur andeutungsweise dargestellt werden. Zur näheren Orientierung wird auf das einschlägige Schrifttum verwiesen, wie z. B. auf Prof. Eberhard Schmidts Lehrkommentar zur StPO und zum GVG (Gerichtsverfassungsgesetz).

Das alles wird unter Abschnitt II noch näher belegt werden.

16) Siehe die zusammenfassenden Feststellungen von Walendy in “Methoden der Umerziehung”, Seiten 32-33.

17) Hierzu hat Hellwig (aaO. Seiten 50ff.) besonders instruktive Ausführungen gemacht.

18) Hellwig, aaO. Seite 71.

19) Zitiert nach Hellwig, aaO. Seite 72.

20) So gaben u.a. die KL-Kommandanten Ziereis (Mauthausen), Kramer (Bergen-Belsen) und Suhren (Ravensbrück) in ihren “Geständnissen” zu, daß es in den von ihnen geleiteten Lagern “Gaskammern” gegeben habe. Inzwischen steht unwiderlegbar fest, daß das nicht der Fall war.

Die Zeitung “Hannoversche Presse” berichtete in ihrer Ausgabe vom 4. 2. 1947 über den unter britischer Regie durchgeführten Prozeß gegen SS-Leute des KL Ravensbrück: “Selbst die Angeklagten gaben fast ausnahmslos zu, daß sie von dem Vorhandensein einer Gaskammer gewußt haben.”

Das Frauen-KL Ravensbrück war nach den Feststellungen des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz ein vorzüglich eingerichtetes und geleitetes Lager, in dem der im April 1945 dorthin entsandte Delegierte des Komitees auch nicht die Spur von einer “Gaskammer” entdecken konnte. Vgl. die IKRK-Dokumentation, Seiten 114-115.

21) “Die andere Seite im Auschwitz-Prozeß”, Seite 81.

22) “NS-prozesse”~ Seite 21.

23) Es würde zu weit führen, in diesem Zusammenhang die ¸berwiegend politischen Motive zu behandeln, die in der zweiten Hälfte der 50er Jahre zu einer erneuten umfassenden und systematischen Verfolgung sog. NS-Verbrecher Anlaß gaben und die Rückerl in dem von ihm herausgegebenen Buch “NS-Prozesse” bei Erläuterung der Gründe für die Einrichtung der Zentralen Stelle natürlich nicht erwähnt. Es ist jedoch darauf hinzuweisen, daß die Verfassungsorgane der BRD sich unter politischem Druck sogar dazu bereit fanden. bestehendes Recht zu mißachten, um die weitere Verfolgung angeblicher NS-Gewaltverbrechen wirksam und nachhaltig gewährleisten zu können.

So weist Rückerl selbst darauf hin, daß die Zentrale Stelle geschaffen worden sei, weil “die für die örtlichen Staatsanwaltschaften und Gerichte bindenden Zuständigkeitsregeln der Strafprozeßordnung einer umfassenden und systematischen Aufklärung der Verbrechen hinderlich waren” (aaO. Seite 21). Das aber heißt nichts anderes, als daß die Justizminister der einzelnen Bundesländer sich souverän durch einfachen Beschluß über die gesetzlichen Zuständigkeitsregeln hinwegsetzten. Ein besonders schönes Beispiel “rechtsstaatlicher” Gesinnung ausgerechnet bei denen, die eigentlich zur Wahrung der Rechtsstaatlichkeit berufen wären.

Da ferner das eigens für sog. NS-Taten geschaffene Besatzungsrecht (insbesondere Kontrollratsgesetz Nr.10) nicht mehr angewendet, sondern die erneute Verfolgung scheinheilig als durch das deutsche Strafrecht geboten hingestellt wurde, ergab sich sehr bald auch die Notwendigkeit einer Manipulation der Verjährungsvorschriften. Viele der angeblich im Kriege — insbesondere von Angehörigen der SS — begangenen Taten drohten nämlich vor Abschluß der eingeleiteten Ermittlungen zu verjähren. Der deutsche Bundestag bestimmte deshalb durch ein Sondergesetz — das Gesetz über die Berechnung strafrechtlicher Verjährungsfristen — am 25. März 1965, daß die Verjährungsfrist für die sog. NS-Gewaltverbrechen erst am 1. Januar 1950 beginnen solle. Diese völlig willkürliche Hinausschiebung des Beginns der Verjährungsfrist und damit auch des Eintritts der Verjährung war aber nicht nur in der Fixierung des Zeitpunktes willkürlich; sie war es auch deshalb, weil sie sich nur auf sog. NS-Mordtaten, nicht dagegen auf “gewöhnliche” Morde bezog. Sie verstieß damit vor allem gegen den Gleichheitsgrundsatz (Artikel 3 Grundgesetz). Das Gesetz verstieß aber auch wegen seines rückwirkenden Charakters — bei den Verjährungsvorschriften handelt es sich um materielles Recht — gegen den Verfassungsgrundsatz “nulla poena sine lege” (keine Strafe ohne Gesetz), der in Artikel 103 Absatz 2 des Grundgesetzes seinen Ausdruck gefunden hat (vgl. auch § 2 StGB). Das alles kam noch viel krasser zum Ausdruck, als der deutsche Bundestag im Jahre 1969 die Verjährungsvorschriften abermals rückwirkend manipulierte, indem er die Verjährungsfrist für “NS-Mordtaten” nunmehr von 20 auf 30 Jahre verlängerte. Damit war deren Verfolgung mindestens bis zum Jahre 1980 und darüber hinaus “gesichert”, weil unter bestimmten Voraussetzungen eine Unterbrechung der 30jährigen Frist durch richterliche Handlungen möglich ist.

Vgl. zum ganzen auch Rückerl (aaO. Seiten 21-24), der die rechtliche Problematik der Verfolgung sog. NS-Taten allerdings nicht einmal andeutet.

24) Rückerl aaO. Seite 23.

25) Rückerl aaO. Seite 28.

26) Blank in “NS-Prozesse”. Seite 46.

27) Blank in “NS-Prozesse”. Seite 57.

28) So insbesondere von Artzt in seinem Beitrag “Zur Abgrenzung von Kriegsverbrechen und NS-Verbrechen”; “NS-Prozesse”, Seiten 163ft.

29) Vgl. Heydecker/Leeb. “Der Nürnberger Prozeß”, Seite 11.

30) Offenbar werden dabei die sich aus Tendenzliteratur. Nürnberger Protokollen und “Urkunden”, Berichten ausländischer “Kommissionen” usw. ergebenden “NS-Verbrechen” niemals auch nur im geringsten angezweifelt. Jedenfalls gibt es — auch in Rückerls Buch — keinen Anhaltspunkt in dieser Richtung. Für die Zentrale Stelle sind das alles ohne weiteres unbestreitbare “Tatsachen”; die Suche nach den “Tätern” ist das einzige Problem. Auch das entspricht haargenau dem Nürnberger Prozeßverfahren, wie es in Artikel 21 des Londoner Status vom 8. August 1945 niedergelegt war. Dort heißt es: “Der Gerichtshof soll nicht Beweis für allgemein bekannte Tatsachen fordern, sondern soll sie von Amts wegen zur Kenntnis nehmen;…”

31) Rückerl aaO. Seite 23.

32) Rückerl aaO. Seiten 21.25-26. Vgl. auch Blank in “NS-Prozesse”. Seiten 43-46.

33) Mir liegt die Ablichtung eines umfangreichen Schreibens vor, das der “Leiter der Zentralstelle im Lande Nordrhein-Westfalen für die Bearbeitung von nationalsozialistischen Massenverbrechen in Konzentrationslagern bei dem Leitenden Oberstaatsanwalt in Köln” im Rahmen seiner Ermittlungen über das KL Sachsenhausen an alle potentiellen “Zeugen” unter der Geschäftsnummer 24 AR l /62 (Z) versandte. Der ganze Vorgang umfaßt weit über 100 Seiten und zeigt äußerst instruktiv, wie die Anschuldigungen gegen das SS-Personal des KL Sachsenhausen “gemanagt” wurden. Er dürfte beispielhaft für das Vorgehen der Zentralen Stelle und der mit ihr zusammenarbeitenden Dienststellen sein. In dem von Oberstaatsanwalt Dr. Gierlich unterzeichneten Schreiben wird der Adressat zunächst darauf hingewiesen. daß die Ermittlungen gegen die im KL Sachsenhausen eingesetzten SS-Leute “mit Sachberatung des Sachsenhausen-Komitees” (!) durchgeführt würden. Er wird sodann gebeten. Auskünfte über sein Erleben “im Sinne dieses Schreibens” zu geben (Seite l). Umfangreiche Namenslisten sind dem Schreiben beigefügt. Es heißt dazu auf Seite 4 des Schreibens: “Die Namen der Personen. wegen derer ich um Auskunft bitte. finden Sie in den Anlagen III, IV, V und VI. Wer von ihnen hat sich an den in Sachsenhausen begangenen Verbrechen beteiligt? Sollten Sie die Namen weiterer SS-Leute wissen, die Sie konkreter Straftaten bezichtigen können, bitte ich auch insoweit um Mitteilung,…”

Auf Seite 5 heißt es dann weiter: “In der Bildbeilage — Seite 99ff. — finden Sie Lichtbilder der hier verfolgten Personen; leider konnte nicht von allen Bilder beschafft werden; teils stammen die Bilder auch aus einer Zeit. als die Beschuldigten noch nicht oder nicht mehr im Lager waren. teils handelt es sich um Bilder aus jüngster Zeit.”

Doch damit nicht genug! Dem “Zeugen” wird auf den Seiten 7 ff. ausführlich erläutert, welche “Massenverbrechen” in Betracht kommen, so daß er sich darüber den Kopf nicht weiter zu zerbrechen braucht; er braucht nur auszuwählen unter dem Angebot, das u. a. folgende Hinweise enthält:

“Morde bei der Einlieferung der ersten größeren Judentransporte im Jahre 1938”

“Tötung des Bibelforschers August Dickmann, der am 15. 9. 1939 auf dem Appellplatz erschossen worden ist”

“Erschießung von 33 Polen am 9. November 1940”

“Erschießung russischer Kriegsgefangener im Herbst 1941 in der Genickschußanlage des Industriehofes”

“Wer war an der Vergasung russischer Gefangener in Gaswagen beteiligt?”

“Vergasung von Häftlingen. Wer hat die Anlage eingerichtet?” usw. usw.

Diese Angaben werden wohl von dem eingangs erwähnten “Sachsenhausen-Komitee” zusammengestellt worden sein, wobei besonders interessant ist, daß auch hier wieder “Vergasungen” ins Spiel gebracht wurden. Obwohl das Institut für Zeitgeschichte bereits im August 1960 festgestellt hatte, daß in keinem KL des “Altreichs” — also auch nicht in Sachsenhausen — “vergast” worden war, glaubten also die Staatsanwälte der Zentralen Stelle offensichtlich in den folgenden Jahren immer noch an diese Kriegslüge. Die Ermittlungen für den Sachsenhausen-Prozeß dauerten von 1962 bis 1970.

Abschließend wird der Adressat zwar darauf aufmerksam gemacht. daß nur “Mord, Mordversuch, Beihilfe und Vorbereitung zum Mord sowie Vergiftung mit Todesfolge, weiterhin die vorher zugesagte Begünstigung und das wissentliche Geschehenlassen vorgenannter Straftaten durch Vorgesetzte” noch nicht verjährt und damit verfolgbar seien, daß aber auch andere Beschuldigungen dankbar entgegengenommen würden. Wörtlich schreibt Oberstaatsanwalt Dr. Gierlich: “Gleichwohl ist es erforderlich. beispielsweise Mißhandlungen — wenn auch nicht in allen Einzelheiten — noch aufzuklären, weil sich aus ihnen vielleicht Anhaltspunkte für die Gesinnung bei einer in anderem Zusammenhang erfolgten Tötung ergeben; auch besteht die Möglichkeit, daß durch die Erwähnung weiterer Umstände sich die Mißhandlung als versuchter Mord darstellt.” (Seite 11)

Damit war der Begleichung persönlicher Rechnungen unter Zuhilfenahme aller nur möglichen Lügen Tür und Tor geöffnet. Die “Gesinnung” des Herrn Oberstaatsanwalts bedarf keiner näheren Erläuterung.

Nicht übersehen werden darf hierbei, daß es sich bei der übergroßen Mehrzahl der Insassen reichsdeutscher KL um gewöhnliche Kriminelle handelte: Dr. Scheidl beziffert ihren Anteil auf 80 S (“Geschichte der Verfemung Deutschlands”. Band 3, Seite 32)! Die “Qualität” dieser von deutschen Staatsanwälten so eindringlich um ihre Mitwirkung bei der “Rechtspflege” gebetenen “Zeugen” bedarf wohl keines Kommentars.

34) Rückerl aaO. Seite 32.

35) “NS-Prozesse”, Seiten 47 48.

36) Diese allgemein bekannte Tatsache braucht an sich nicht näher belegt zu werden. Trotzdem sei nochmals darauf hingewiesen, daß z. B. zahlreiche Zeugen für den Auschwitz-Prozeß bereits lange vor Prozeßbeginn in den öffentlichen Rundfunkanstalten zu Wort kamen. Die Angeklagten im Auschwitz-Prozeß wurden von vornherein in allen Massenmedien als “Bestien in Menschengestalt” hingestellt .

37) Zum Begriff “Schauprozeß” vgl. “Der Große Brockhaus”. Band 10 (1956). Seite 332. und “Brockhaus Enzyklopädie”, Band 16, Seite 582. Interessant ist, daß der Große Brockhaus u. a. auch noch “manche Spruchkammerverfahren und Kriegsverbrecherprozesse” nach 1945 als Beispiele für Schauprozesse anführt. Das hat bei gewissen Stellen offenbar Mißfallen erregt. Jedenfalls fehlt in der später erschienenen Brockhaus Enzyklopädie ein entsprechender Hinweis. Man ersieht daraus, wie perfekt die Meinungsbildung hierzulande gesteuert wird.

38) Naumann aaO. Seite 12.

39) Langbein: “Der Auschwitz-Prozeß”, Band l, Seite 21.

40) Vgl. zum ganzen nochmals Langbein: “Der Auschwitz-Prozeß”, Band 1. Seiten 21-22.

41) Über die maßgebende Rolle, die der Jüdische Weltkongreß bei der Vorbereitung der “Kriegsverbrecher”-Prozesse spielte. berichtete kürzlich mit Genugtuung die “Allgemeine Jüdische Wochenzeitung” vom l6. Dezember 1977.

Vgl. hierzu auch “Deutsche National-Zeitung” vom 30. Dezember 1977. Seite 3.

42) Vgl. hierzu Rückerl: “NS-Prozesse”, Seiten l9-20, sowie die graphische Darstellung auf Seite 18 der Bundestagsdrucksache IV/3124 (Bericht des Bundesministers der Justiz vom 26. Februar 1965 an den Präsidenten des deutschen Bundestages betreffend die Verfolgung nationalsozialistischer Straftaten).

43) Nach Rückerl aaO. Seite l9 hatten die Militärgerichte in den drei westlichen Besatzungszonen in 806 Fällen auf Todesstrafe erkannt; 486 Todesurteile waren vollstreckt worden. Diese Angaben erscheinen eher zu niedrig als zu hoch. Über die im sowjetischen Machtbereich vollzogenen Todesurteile liegen mir Zahlenangaben nicht vor.

44) Über die Grundlagen und den Umfang der “Wiedergutmachung” siehe Scheidl: “Der Staat Israel und die deutsche Wiedergutmachung”.

45) Einen weiteren Bekanntheitsgrad hatte nur der sog. Ulmer Einsatzgruppenprozeß erlangt, der jedoch in seiner Bedeutung und seinem Umfang nach kaum mit den späteren NSG-Verfahren verglichen werden kann. In diesem Prozeß wurden mehrere SS-Leute wegen Beteiligung an der angeblichen “Ermordung” mehrerer tausend Juden im deutsch-litauischen Grenzgebiet zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt.

46) Rückerl aaO. Seite 18.

47) Langbein: “Der Auschwitz-Prozeß”, Band l, Seiten 22ff.

48) Langbein aaO. Seite 28.

49) Vgl. die Übersicht bei Bernd Naumann aaO. Seiten 14 f. und Langbein aaO. Seiten 29f.

50) Langbein: “Der Auschwitz-Prozeß”, Band 1, Seiten 30f.; Naumann: “Auschwitz”, Seite 13.

51) Löwe-Rosenberg: “Strafprozeßordnung”, 22. Auflage, Anmerkung 1,3 zu § 13 StPO.

52) ZU den Problemen, die ein Prozeß dieses Umfangs zwangsläufig mit sich bringen mußte, bemerkt Laternser in seinem Buch “Die andere Seite im Auschwitz-Prozeß” mit Recht u. a. folgendes: “Ein aus drei Berufs — und sechs Laienrichtern bestehendes Schwurgericht kann einen in einer Beweisaufnahme von zwanzig Monaten Dauer aufgehäuften Prozeßstoff in der für die Beratung des Urteils zur Verfügung stehenden Zeit (gleichgültig, ob dies vier oder zehn Tage sind) mit der hierfür erforderlichen Gewissenhaftigkeit nicht beraten und damit so sorgfältig wie möglich beurteilen. Was Staatsanwaltschaft und eröffnende Strafkammer zur Beurteilung gestellt haben, übersteigt menschliche Fähigkeiten. Das Gericht befand sich in einer objektiv ausweglosen Lage, und damit stand auch die Gerechtigkeit… in einer nicht übersehbaren Gefahr…. Wie sollen sich… Richter nach der Vernehmung von über 350 Zeugen. deren erste bei der Urteilsberatung bis zu eineinhalb Jahren zurückgelegen haben, der besonderen Einzelheiten dieser Vernehmungen noch erinnern können. um darauf ein Urteil, ein möglicherweise existenzvernichtendes Urteil aufzubauen! Noch nicht einmal der Person des einzelnen Zeugen. von wenigen markanten Ausnahmen abgesehen, wird sich das Gericht erinnern. geschweige denn an die wichtigen Einzelheiten seiner Aussage. ob sie z. B. einen sicheren Eindruck gemacht hat oder ob sie unsicher war, was ihre Verwertung ausschließen müßte usw…. (aaO. Seiten 12-13).

Schon im Hinblick auf diese wenigen Gesichtspunkte muß die — im Falle des Auschwitz-Prozesses aus Zuständigkeitsgründen keineswegs gebotene. sondern eher rechtlich fragwürdige — Anhäufung eines solchen Prozeßstoffes in einem einzigen Prozeßverfahren als im höchsten Grade unzweckmäßig bezeichnet werden, weil sie die Rechtsfindung beeinträchtigt statt fördert. Nur den Veranstaltern von Schauprozessen können solche unangemessenen Dimensionen wünschenswert erscheinen.

53) Vgl. zum folgenden Langbein: “Der Auschwitz-Prozeß”, Band l. Seiten 31ff.

54) Langbein aaO. Seiten 31-32.

55) Langbein aaO. Seiten 36-38; Naumann aaO. Seiten 14-15.

56) Vgl. hierzu von ihm im Tagebuch erwähnten “Sonderaktionen” um “Vergasungen” von Juden gehandelt habe. Dasselbe berichtet Sehn in der Anthologie des Internationalen Auschwitz-Komitees (Band I, Teil 2, Seiten 22ff.). Diese polnische Quelle kann jedoch nicht als zuverlässig gelten. Nach der Darstellung Sehns über den Prozeß gegen Kremer in Münster (Anthologie aaO. Seiten 29ff.) rückte Kremer damals von seinen in Polen gemachten Aussagen wieder ab, wurde jedoch durch Zeugen “überführt”.

167) “Menschen in Auschwitz”, Seitund zum folgenden: Langbein aaO. Seite 33; Naumann aaO. Seite 14; Scheidl, “Geschichte der Verfemung Deutschlands”, Band 4, Seiten 115-120; Heinz Roth, “Der makaberste Betrug”, Seiten 132-137; Deutsche Wochenzeitung vom 19. Oktober 1963, Seite 3; Deutsche Hochschullehrerzeitung Nr. lll/1963.

57) Auch die Behandlung mit Drogen erscheint nicht ausgeschlossen. Man ist geneigt, derartige Methoden allein den Sowjets zuzutrauen. Doch führt Rassinier ein Beispiel dafür an, daß solches auch in westlichen Gefängnissen schon vorgekommen ist (vgl. “Drama der Juden Europas”, Seite 41f.).

58) Der Nürnberger Rechtsanwalt Eberhard Engelhardt zitiert diesen Teil des Obduktionsbefundes in einem Schriftsatz an die Staatsanwaltschaft Frankfurt vom 12. November 1973 (Abschrift im Archiv des Verfassers) mit der Behauptung, Baer sei in der Untersuchungshaft vergiftet worden. Die Staatsanwaltschaft widersprach zwar der Vergiftungsthese, stellte aber den Obduktionsbefund nicht in Frage.

59) Scheidl aaO. Seite 120; Roth aaO. Seite 136.

60) “Die andere Seite im Auschwitz-Prozeß”, Seite 23.

61) “Der Auschwitz-Prozeß”, Band 1, Seite 33.

62) Erinnert sei in diesem Zusammenhang an die Vergiftung von Tausenden SS-Leuten in einem Nürnberger Internierungslager, die wohl nur wegen ihres außergewöhnlich großen Umfangs nicht verheimlicht werden konnte. Doch sind diese und andere Untaten zionistischer Geheimorganisationen von jüdischer Seite später sogar verffentlicht worden (Bar-Zohar: “Les Vengeurs” “Die Rächer”). Vgl. “Deutsche Wochenzeitung” vom 3. Januar 1969, Seite 16. Zur Giftmordaktion im Nürnberger Internierungslager erschien ein Augenzeugenbericht in der Deutschen National-Zeitung vom 25. Juni 1976 (Seite 11; Leserbrief von H. Lies, Hannover).

63) Laternser: “Die andere Seite im Auschwitz-Prozeß”, Seiten 26-27,403 ff., 406 ff. und 410.

64) Langbein zufolge hatte der Auschwitz-Prozeß nicht nur die persönlichen “Verbrechen” der Angeklagten, sondern “die moralische Situation der nationalsozialistischen Epoche” zum Gegenstand (“Der Auschwitz-Prozeß”, Seite 10) und Bernd Naumann (aaO. Seite 7) hebt “seine ethische, seine gesellschaftspädagogische Bedeutung” hervor. Bedarf es überhaupt noch eines Beweises. daß dieser Prozeß zumindest als Schauprozeß verstanden wurde?

65) Es wäre mir lieb gewesen, einiges noch anhand der Prozeßakten vertiefen zu können. Meine Anträge auf Akteneinsicht wurden jedoch von der Staatsanwaltschaft Frankfurt und letztinstanzlich vom Hessischen Minister der Justiz abschlägig beschieden (siehe Anhang III). Eine Anfechtung dieser Entscheidungen vor den Verwaltungsgerichten wäre theoretisch zwar möglich gewesen, hätte aber mit Sicherheit zu einem mehrere Jahre dauernden Prozeß geführt, dessen Erfolgsaussichten angesichts der Tatsache, daß es um die Rechtmäßigkeit von Ermessensentscheidungen der Verwaltungsbehörden gegangen wäre, recht zweifelhaft gewesen wären. Ich habe deshalb von einer gerichtlichen Überprüfung der mir erteilten Verwaltungsbescheide Abstand genommen. Eine Vorstellung vom Charakter des Auschwitz-Prozesses und von seiner Bedeutung für künftige Historiker geben auch schon die von mir ausgewerteten Prozeßdokumentationen.

Das etwa 900 Seiten starke Auschwitz-Urteil stand mir während des gegen mich wegen meines Auschwitz-Berichts durchgeführten Disziplinarverfahrens für einige Tage zur Verfügung.

66) Laternser aaO. Seite 15; Langbein, “Der Auschwitz-Prozeß”, Seite 35.

67) Laternser aaO. Seiten 15-22. Selbst Langbein beklagt einen Nachteil: Im Theatersaal des Gallushauses habe eine helle Glaswand hinter den Angeklagten den Zeugen die Identifizierung der Angeklagten erschwert (“Der Auschwitz-Proze_”, Band 1, Seite 35)!

68) Adler/Langbein/Lingens-Reiner haben in ihrem Buch “Auschwitz” bei zahlreichen darin wiedergegebenen Berichten späterer Zeugen im Auschwitz-Proze_ vermerkt, daß diese bereits vor Prozeßbeginn im Rundfunk gesendet wurden. Darüber hinaus wurden viele dieser Berichte dem Vorwort des Buches zufolge eigens für das Buch und damit wohl auch für den unmittelbar bevorstehenden Prozeß verfaßt. Bei so späten Erlebniszeugen kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß sie im Hinblick auf den Auschwitz-Prozeß künstlich “aufgebaut” wurden. Recht aufschlußreich ist der Aufsatz “Zeugen für den Ankläger” in der “Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung” vom l6. 12. 1977.

Zahlreiche Zeugen beriefen sich bei ihren Aussagen ausdrücklich auf das, was sie in der Presse gelesen hatten! Vgl. Laternser aaO. Seite 95, Fußnote 2.

69) AaO. Seite 33. Vgl. auch Bernd Naumann aaO. Seiten 200-201.

70) Arthur Ehrhardt hat in der Beilage “Suchlicht” seiner Monatsschrift “Nation Europa” (Nr. 12/1961) sich ausführlich mit den von der Zentralen Stelle Ludwigsburg in Umlauf gesetzten Zahlen angeblich ermordeter Juden auseinandergesetzt. Es wurde gegen ihn daraufhin ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren eingeleitet. Nach einiger Zeit zog man es jedoch vor, dieses Verfahren sang — und klanglos wieder einzustellen. Ein in mehrfacher Hinsicht bezeichnender Vorgang!

71) Vgl. hierzu Laternser aaO. Seiten 94-95. Auch Naumann berichtet verhältnismäßig ausführlich über die Kontroverse zwischen Verteidigung und Staatsanwaltschaft. die hieraus entstand (aaO. Seiten 200f.).

72) “Der Auschwitz-Prozeß”, Band l, Seite 49.

Laternser nennt die Beorderung von Schulklassen zu diesem Prozeß eine “höchst fragwürdige Erziehungsmethode” und verweist in diesem Zusammenhang auf § 175 Gerichtsverfassungsgesetz, wonach “unerwachsenen” Personen der Zutritt zu öffentlichen Verhandlungen untersagt werden kann (aaO. Seiten 39 40). Das Auschwitz-Gericht sah hierzu niemals einen Anlaß.

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Ende Teil 12

 

( Fonte: www.aaargh.codoh.info )