Rücktritt des Papstes, Gründe und Hintergründe

21 Feb

Rücktritt des Papstes, Gründe und Hintergründe

Papst Benedikt der XVI., das 85-jährige Weltoberhaupt der Katholiken gab am 11. Februar auf der Sitzung der Kardinäle in Rom auf Lateinisch eine unerwartete Entscheidung bekannt, nämlich seinen Rücktritt zum 28. Februar dieses Jahres. Nach dieser Mitteilung

ließ er eine Erklärung veröffentlichen, in der er seinen Entschluss u.a. mit seinem hohen Alter und seinem Gesundheitszustand begründete. Es ist das erste Mal nach 6 Jahrhunderten, dass ein Papst sein Amt niederlegt. 1415 war es Papst Gregor der XII., der zurücktrat.

Der Rücktritt des Papstes ist politisch gesehen eine Art Neuerung und Bruch mit der Tradition. Allerdings ist aus der Sicht der Christen ein hohes geistliches Kirchenamt, keine weltliche Angelegenheit, von der sich jemand nach Belieben wieder zurückzieht, denn der Papst wird durch die Vertreter Gottes gewählt. Das päpstliche Amt ist in der katholischen Theologie eine Art göttliche Aufgabe. In dem Augenblick, wo ein Kardinal zu Papst gewählt wird, gilt er als Nachfolger von Christus (gegrüßet sei er). Aufgrund dieser Sichtweise hat ein Papst etwas Heiliges an sich und bleibt bis an sein Lebensende im Amt.

Johannes Paul der II., Vorgänger von Papst Benedikt dem XVI.. ist nach langer Krankheit verstorben und auch Papst Paul der VI. war schwer krank. Anderen Päpsten erging es ähnlich. Deshalb kam der plötzliche Rücktritt von Papst Benedikt XVI. für die Christenheit überraschend. Papst Benedikt XVI. hat damit mit den Traditionen in der katholischen Kirche gebrochen. Er begründete zwar seinen Rücktritt mit hohem Alter, Schwäche, und Ermüdung. Aber dies scheinen nicht alle Gründe zu sein.

Joseph Ratzinger, der sich nach seiner Wahl zum Papst im Jahre 2005 Benedikt der XVI. nannte, ist zwar schon betagt, kränkelt und hat einen Herzinfarkt hinter sich. Er wurde im Alter von 78 Nachfolger von Papst Johannes Paul dem II. und hat gleich zu Anfang angedeutet, dass er nicht lange die katholische Kirche anführen wird. Es muss daher neben Alter und Müdigkeitserscheinungen noch andere Gründe dafür geben, dass er abdankt.

Die Amtszeit von fast 8 Jahren von Papst Benedikt dem XVI. ging für den Vatikan mit einigen Krisen einher und die Amtsniederlegung des Papstes hat wohl mit diesen Krisen zu tun.

Eine der schlimmsten Krisen, denen Papst Benedikt der XVI. begegnete, war die Enthüllung erschütternder Wahrheiten über den sexuellen Kindesmissbrauch durch katholische Priester. Diese Enthüllungen beschränkten sich nicht auf ein oder zwei Kirchen oder Länder sondern solche skandalösen Mitteilungen über derartigen Kindesmissbrauch kamen aus den USA und der Mehrheit der europäischen Länder. In Irland und Holland wurden Wahrheitskommissionen zur Untersuchung des Ausmaßes der Vorfälle gebildet. Der Bericht der Untersuchungskommission in Holland über den Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche brachte das große Ausmaß an solchen skandalösen Fällen insbesondere unter den Priestern ans Tageslicht. Laut diesem Bericht sind von 1945 bis 1981 circa 10 bis 20 Tausend holländische Kinder in Einrichtungen der katholischen Krichen sexuell belästigt oder missbraucht worden und die Zahl der Minderjährigen unter diesen Kindern betrug bis 2010 mehrere Zehntausend. Dieser Bericht ist das Ergebnis von Gesprächen mit mehr als 34 tausend Personen.

Schätzungsweise wurde von den holländischen Kindern und Heranwachsenden in den Einrichtungen der katholischen Kriche fast jeder Fünfte sexuell missbraucht. In dem Bericht der holländischen Wahrheitskommission heißt es, dass die Kommission bei 1795 Berichten die Namen von 800 Personen, die für Bischöfe gearbeitet haben oder arbeiten, und einen Missbrauch begangen haben, nennen kann. 105 dieser Personen leben noch.“

In diesem Bericht heißt es weiter, dass die leitenden Verantwortlichen der katholischen Kirchen Versäumnisse hinsichtlich Bestrafung und Unterbindung des Missbrauches, welcher an Schulen oder in Waisenhäusern der katholischen Kirchen vorkamen, begangen haben.

Im Gefolge dieser Enthüllungen begleitete Papst XVI. auf allen seinen Reise das Thema des Moralskandals. Das Oberhaupt der Katholiken hat, um die Kritik zu vermindern, auf seinen Reisen normalerweise einige Opfer dieser Missbrauchfälle aufgesucht und sich nach ihrem Befinden erkundigt. Durch Entschädigungszahlungen war er bemüht, Protest und Kritik am Vatikan zu beenden. Aber diese Maßnahmen hatten nur eine sehr geringe Wirkung gegenüber dieser Kritik. Jede Enthüllung eines Moralskandals in einer Kirche hatte die Enthüllung zahlreicher weiterer ähnlicher Fälle in den letzten Jahren und Jahrzehnten zur Folge. Dem Ansehen der katholischen Kirchen auch unter ihren Anhängern haben diese Skandale sehr geschadet.

Die Priester die als geistige Väter der Christen betrachtet wurden und die Kirche, die für die Gläubigen ein Zufluchtsort war, gelten nun als Gefahrenquelle für Kinder.

Zweifelsohne soll das nicht heißen, dass es keine aufrichtigen Geistlichen in der Kirche gäbe, aber den Schaden, den amoralische Priester auf diese Weise dem Ruf der Kirche zugefügt hat, ist nicht so leicht wieder gut zu machen.

Im Mittelalter löste die geistige Starre und der Absolutismus der Kirchenväter Abkehr von der Religion und Entwicklung des Humanismus und des Laizismus aus, und nun hat die Enthüllung der moralischen Verdorbenheit unter Priestern zu einer Abkehr vieler Katholiken von der Kirche geführt.

Alleine schon in Deutschland, dem Heimatland von Papst Benedikt dem XVI., sind circa 180 Tausend Mitglieder der katholischen Kirche nach den Enthüllungen der Moralskandal aus der Kirche ausgetreten. Über 60 Prozent der deutschen Jugendlichen haben inzwischen erklärt, dass sie keiner Religion angehören.

Die katholische Kirche hat an Ansehen verloren. Die Kirchen haben ihren Auftrag nicht richtig erfüllt und die Bevölkerung in Europa wenden sich vom Christentum ab. Die Krise in der katholischen Kirche ist nicht nur auf die Moralvergehen von Priestern begrenzt.

Im vergangenen Jahr sah sich Papst Benedikt XVI. der Enthüllung von Geschehnissen Vatikans gegenüber. Es ging um Finanzkorruptionen und heftige Konkurrenzkämpfe zwischen Kardinalen im Streit um Kirchenämter. Dieser Skandal wurde als Vatileaks bekannt.

Paolo Gabriele, der 46-jährige päpstliche Kammerdiener, enthüllte Informationen über interne Angelegenheiten des Vatikans. Diese deuteten auf Korruption, Missmanagement und interne Krisen im Vatikan hin. Im Gefolge dieser Informationen hieß es in den italienischen Medien, dass wahrscheinlich auch höhere Amtsträger des Vatikans an diesem Skandal mitbeteiligt sind und Paolo Gabriele seitens „wichtiger Persönlichkeiten“ zur Aufbewahrung von geheimen Dokumenten angewiesen wurde.

Dabei ist wichtig, dass die Festnahme des päpstlichen Kammerdieners einen Tag nach der Absetzung des Direktors der Vatikan-Bank, Ettore Gotti Tedeschi, erfolgte. Obwohl der Vatikan in einer Erklärung bekanntgab, die Kündigung des Bankchefs ginge auf seine Inkompetenz bei der Erfüllung wichtiger Aufgaben trotz wiederholter Mahnung zurück, vermuteten einige italienischen Zeitung einen Zusammenhang mit dem Vatileaks-Skandal. Experten bezeichnen die Vatikan-Bank als eine der am wenigsten transparenten Finanzinstitute der Welt.

Was die Zukunft der katholischen Kirche betrifft so sind die meisten Beobachter der Ansicht, dass auch der neue Papst die konservative Politik von Benedikt XVI weiterführen wird.

Die Notwendigkeit von Maßnahmen gegen Moralskandale in der katholischen Kirche gehört zu den Dingen, denen sich das neue Oberhaupt der Katholiken im Vatikan gegenüber sehen wird. Die Amtssuspendierung oder Entlassung von Priestern als Konsequenz auf solche Vergehen sind nicht mehr als ein Kampf gegen die Folgen von Ursachen und solange die Ursachen selber nicht gedanklich angegangen werden, müssen Kirche und Vatikan mit weiteren Fällen von Kindesmissbrauch durch verdorbene Priester rechnen.

Der Vatikan benötigt eine grundsätzliche Revision hinsichtlich einiger seiner Traditionen, die zum Teil sogar im Widerspruch mit der menschlichen Natur stehen. Eine dieser Traditionen ist das Zölibat für katholische Priester, d.h. das Verbot zu heiraten. Papst Benedikt XVI. gehört zu denjenigen, die streng gegen eine diesbezüglich Revision sind. Der Papst gab zwar bekannt, dass er sich so wenig wie möglich bei der Diskussion über seinen Nachfolger einmischen wird, aber man erwartet dennoch einen aktiven Beitrag von seiner Seite. Zweifelsohne ist daher nicht vorauszusehen, dass unter dem neuen Papst ein grundsätzlicher Wandel im Vatikan hinsichtlich der Begegnung mit Krisen eintreten wird.

( Fonte: http://www.german.irib.ir )

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